„weltwärts“ in neuem Gewand

Das Freiwilligenprogramm positioniert sich künftig als Lerndienst

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird ab kommendem Jahr nicht mehr am „weltwärts“-Programm teilnehmen. Nur noch zivilgesellschaftliche Organisationen werden dann junge Freiwillige in Entwicklungsländer senden. Infolge der Evaluation von 2011 sind weitere Reformen geplant; so sollen auch Freiwillige aus dem Süden nach Deutschland kommen.

Mehr Mitspracherecht für die Zivilgesellschaft, ein neues entwicklungspolitisches Profil und eine gemeinsame Qualitätssicherung: Ab 2013 soll sich einiges ändern beim Freiwilligendienst „weltwärts“, der den Einsatz junger Deutscher in Entwicklungsländern fördert. Anstoß der Reformbemühungen war die Evaluation des Programms, deren Ergebnisse vor einem Jahr vorgelegt wurden. Auf Basis der darin festgestellten Mängel haben die Entsendeorganisationen und das Entwicklungsministerium (BMZ) gemeinsam Reformvorschläge erarbeitet, die jetzt noch vom Ministerium abgesegnet werden müssen.

Zukünftig müssen sich alle 200 Entsendedienste in Verbünden organisieren und gemeinsam für die Einhaltung von Qualitätsstandards sorgen. Diese werden in einem Katalog definiert, die Einhaltung wird zusätzlich von externen Prüfern überwacht. Ziel ist es, die Auswahl und die Betreuung der jährlich rund 3500 Freiwilligen zu verbessern. Um die Wirkung des Programms zu erhöhen, soll auch die Arbeit mit zurückgekehrten Freiwilligen verstärkt werden. Angedacht ist die Einrichtung von Anlaufstellen, die Informationen über Engagement-Möglichkeiten in Deutschland bereitstellen.

Einer der zentralen Kritikpunkte der Evaluation bezog sich darauf, dass bisher fast ausschließlich Abiturienten mit „weltwärts“ ins Ausland gingen. Durch eine „Strategie zur sozialen Inklusion“ wollen die Entsendedienste und das BMZ nun eine breitere Zielgruppe erreichen. Im Rahmen von Pilotprojekten, auch in Kooperation mit Betrieben, sollen verstärkt Auszubildende sowie junge Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund angesprochen werden.

Nicht mehr als Hilfe darstellen

Überarbeitet wird laut Benjamin Haas vom „weltwärts“-Sekretariat bei der Servicestelle Engagement Global auch die Außendarstellung: „weltwärts ist keine Entwicklungshilfe, sondern ein entwicklungspolitisches Lern- und Austauschprogramm.“ Es gehe vor allem um globales Lernen – und das müsse auch so kommuniziert werden. Bisher wirbt das Programm noch mit dem Spruch „Lernen durch tatkräftiges Helfen“ um neue Freiwillige. Der entwicklungspolitische Nutzen des vom BMZ mit jährlich 30 Millionen Euro geförderten Entsendedienstes war in der Vergangenheit umstritten. Kritiker hatten unter anderem bemängelt, dass es weniger um Hilfe für arme Länder gehe, sondern mehr um die Karrieren junger Deutscher.

Bereits beschlossen ist, dass im kommenden Jahr erstmals auch Freiwillige aus den Partnerländern an „weltwärts“ teilnehmen. In einer Pilotphase werden zunächst rund 100 junge Menschen nach Deutschland eingeladen. Sie sollen wie die deutschen Freiwilligen im sozialkaritativen Bereich eingesetzt werden. Geplant ist, diese Reverse-Komponente in den Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu integrieren, für die Abwicklung sind aber weiterhin die deutschen Entsendeorganisationen und ihre ausländischen Partnerinstitutionen verantwortlich. Letztere sollen zudem in die Gestaltung von „weltwärts“ stärker eingebunden werden.  

Jürgen Deile vom Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung, der als Sprecher der Steuerungsgruppe den Reformprozess begleitet hat, ist zufrieden mit den Ergebnissen, vor allem mit der Stärkung der zivilgesellschaftlichen Organisationen: „‚weltwärts‘ ist kein Freiwilligendienst des BMZ, sondern ein Gemeinschaftswerk von Zivilgesellschaft und Staat.“ Nach der Reform werden die Entsendeorganisationen im sogenannten Steuerungsausschuss, der den bisherigen Beirat ablöst, und in den einzelnen Arbeitskreisen die Mehrheit bilden.

Dass der Ausstieg der GIZ und der damit verbundene Ausfall von 300 Einsatzplätzen zu einem großen Problem wird, glaubt Deile nicht. Die Entsendeorganisationen seien angefragt worden, mehr Einsatzplätze anzubieten. Ein kleinen Knick könne es aber schon geben: „Das geht nicht von heute auf morgen.“ 

erschienen in Ausgabe 10 / 2012: Spuren des Terrors

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