Daressalam, der Regierungssitz Tansanias, will mit Hilfe aus Hamburg Treibhausgas einsparen.

In Daressalam Hamburgs Klimaschutzbilanz verbessern

Um Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel geht es in einem neuen Projekt der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt bei Engagement Global. In einer Pilotphase haben neun deutsche Kommunen mit ihren afrikanischen Partnerstädten in Ghana, Südafrika und Tansania Handlungsprogramme erarbeitet, die in der nächsten Phase verwirklicht werden sollen.

Die Bandbreite der im Rahmen der Klimapartnerschaften geplanten Projekte ist groß. Sie reichen von der Nutzung erneuerbarer Energien über den Hochwasserschutz bis zu Abfallmanagement, Wasser- und Abwasserversorgung sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu Fragen des Klimawandels.

Die Stadt Kumasi in Ghana galt lange als grüne Gartenstadt. Heute ist sie fast vollständig mit Gebäuden und Straßen zugebaut. Der Baumbestand wurde durch Abholzung drastisch reduziert, das Grün ist weitgehend verschwunden. Die Durch­schnitts­temperaturen in der Stadt sind gestiegen, die Einwohnerzahl ist von 600.000 vor vierzig Jahren auf heute zwei Millionen gestiegen – unter diesen Bedingungen leiden die Gesundheit und die Lebensqualität der Bewohner zunehmend unter dem Fehlen von schattenspendender Bepflanzung.

Jetzt hat sich Kumasi mit Unterstützung seiner Partnerkommune Dortmund ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. „Bis 2016 wollen wir eine Million Bäume an Ausfallstraßen, entlang von Wasserflächen und in den Schulen pflanzen“, sagt Paa Simmons Kwesi vom Stadtrat von Kumasi. Ein weiteres Problem in der Stadt sind die Starkregenfälle, die regelmäßig zu Überschwemmungen führen, vor allem an dicht bewohnten und kanalisierten Flussläufen.

Afrikas ­höchster Berg verliert seine Gletscher

Bernadette Kinabo, Stadtdirektorin der 200.000-Einwohner-Stadt Moshi in Tansania, beschreibt die Folgen des Klimawandels für die Region am Kilimandscharo folgendermaßen: Die Gletscher am höchsten Gipfel in Afrika seien bereits weitgehend geschmolzen, Regenzeiten verliefen unregelmäßiger als früher, es gebe Probleme mit der Wasserversorgung, Dürreperioden häuften sich und Erkrankungen wie Malaria nähmen zu.

Seit November 2011 ist Moshi in einer Städtepartnerschaft mit Tübingen verbunden. Die beiden Kommunen haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Unter anderem ist eine Biogasanlage geplant, die im September 2014 in Betrieb gehen soll. Mit der Anlage soll einerseits CO2 eingespart und andererseits ein Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Region geleistet werden. Derzeit wird außerdem untersucht, inwieweit der Abfall aus Moshi zur Produktion von Biogas verwendet werden kann.

Autorin

Claudia Mende

ist freie Journalistin in München und ständige Korrespondentin von „welt-sichten“. www.claudia-mende.de

Daressalam, der am Indischen Ozean gelegene Regierungssitz von Tansania, kämpft mit ähnlichen Problemen. Die Partnerstadt von Hamburg will mit einer technisch verbesserten Mülldeponie und dezentralen Kompostierungsanlagen den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Gleichzeitig sollen damit auch einige andere ökologische Probleme gelöst werden, die Bürgermeister Didas Massaburi unter den Nägeln brennen.

Hamburg fördert die Vorhaben und rechnet die in Daressalam eingesparten Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen für seine eigenen Klimaziele an. Die Hansestadt hat ihr ursprüngliches Ziel, bis 2020 die Kohlendioxidemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, gerade erst nach unten korrigiert: Jetzt sollen es nur noch 30 Prozent sein. Für Hamburg ist es leichter, in Daressalam Kohlendioxid einzusparen als zu Hause, weil in Tansania technische Innovationen noch nicht so ausgereizt sind.

Bei allem Engagament von Städten bleiben aber auch Fragen. Sollten die Bemühungen der Städte und Gemeinden nicht besser in nationale Strategien zur Bewältigung des Klimawandels eingebettet sein? Andererseits: Besitzen solche Strategiepapiere überhaupt eine Relevanz in der Praxis? Derzeit fühlen sich die Kommunalvertreter aus Ghana und Tansania weitgehend von der nationalen Politik allein gelassen. Die städtischen Verwaltungen haben kaum die Kapazitäten, um sich dem Problem zu stellen. Nur Südafrika hat eine schlüssige nationale Strategie zum Klimawandel. Für Axel Welge, zuständig für Umweltfragen beim Deutschen Städtetag, stellt das jedoch kein Problem dar. Wenn es keine nationale Strategie zum Klimawandel gibt, so Welge, „dann können Maßnahmen auch von unten entwickelt werden“.

erschienen in Ausgabe 7 / 2013: Neues Wissen im Blick

Kommentare

Frau Mende, gut dass Sie am Ende Ihres Artikels die Kurve noch packen und in die Spur zurück kommen. In Kumasi will man innerhalb von zwei Jahren eine Million Bäume pflanzen. Das sind etwa 1400 pro Tag. Die Stadt Moshi plant, eine Biogasanlage zu bauen, die in einem Jahr in Betrieb gehen soll. In Hamburg glaubt man, mehr CO2 einsparen zu können als zuhause. Diese drei Beispiele zeigen schon, wie wirklichkeitsfern die Ziele sind. Man braucht wenig Fantasie und nur gesehen haben, wie in Afrikas heißen Gegenden gearbeitet wird, um zu dem Schluss zu kommen: In Kumasi schaffen sie es vielleicht, 14 Bäume pro Tag einzubuddeln. Davon wird nach drei Monaten höchstens einer überlebt haben, denn Jungpflanzen muss man dort täglich gießen. Wenn man in Moshi jetzt noch plant, wie will man dann in einem Jahr die Anlage in Betrieb nehmen? Und die Hamburger sitzen einem Trugschluss auf. Gerade weil technische Innovationen in Daressalam noch nicht wirksam sind, werden die CO2-Emissionen nicht abnehmen sondern schneller zunehmen als in Hamburg. Derartige Irrtümer wären hinnehmbar, wenn danach nicht das Geld der deutschen Steuerzahler wortwörtlich in den Sand gesetzt würde. Frau Mende, machen Sie sich und Ihren Lesern die Freude, in einem Jahr die Biogasanlage in Moshi zu suchen und die überlebenden Bäume in Kumasi zu zählen. Und auch in Daressalam ist eine Zunahme des Wirtschaftswachstums nicht von steigendem Energieeinsatz zu trennen. Kritischer Journalismus muss mehr sein als nur Berichterstattung. Wir Wissenden müssen offensichtliche Fehlentwicklungen mindestens ansprechen, wenn wir sie schon nicht verhindern können. Petitesse zum Schluss: Wenn es dem Bürgermeister unter den Nägeln brennt, muss es etwas anderes sein als ökologische Probleme. Es brennt AUF den Nägeln, weil die Mönche beim Lesen ihrer Bücher Kerzen auf den Daumennägeln hatten.

Lieber Herr Lohmann, Sie haben natürlich völlig Recht, dass man sich genau anschauen muss, was aus ehrgeizigen Zielen wird, wie sie im Beitrag beschrieben sind. Das werden wir bei weltsichten auch tun. Aber völlig aus der Luft gegriffen, sind die Pläne nicht; zum Beispiel ist die Stadtbegrünung in Kumasi ziemlich detailliert geplant, Baumschulen werden angelegt und Schulklassen sollen sich um die Setzlinge kümmern (und das tägliche Gießen übernehmen). Bei der Biogasanlage in Moshi hatte ich die Gelegenheit mit der Fachfrau zu sprechen, die in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim und der Stadtverwaltung von Moshi die Details für die Anlage erarbeitet hat. Natürlich können Zeitpläne auch aus dem Ruder laufen (nicht nur in Afrika), aber wirklichkeitsfern sind die Planungen nicht. Zu Hamburg: Es ist ein inzwischen übliches Verfahren, dass deutsche Kommunen mit Projekten zur Einsparung von CO2 außerhalb von Deutschland ihre eigene Klimabilanz verbessern. Zwiespältig ist das schon, aber meiner Meinung nach eher aus anderen Gründen als den von Ihnen genannten. Denn der Bürger hier bei uns erwartet ja von den Klimazielen zu Recht, dass sie auch hier umgesetzt werden. In Ländern, die noch nicht auf dem technischen Stand sind wie Deutschland lassen sich durch Innovationen schnell größere Mengen an CO2 einsparen, die dann die eigene Bilanz verschönern. Wenn sich dann zuhause nichts ändert, ist es Augenwischerei.
Beste Grüße, Claudia Mende

Liebe Frau Mende, in weltsichten habe ich mich oft geäussert zu unerreichbaren Zielen. Um bei dem Beispiel Hamburg/Daressalam zu bleiben: Weder Hamburg noch in Daressalam wird in einem Jahr die CO2-Emission kleiner sein. Das liegt hauptsächlich an der gewollten Vernebelung der Begriffe. Diese griffige Vehikel "CO2" ist in aller Munde und verdeckt die Tatsache, es handelt sich um den Verbrauch von fossiler Energie. Man kann aber nicht größere Mengen fossiler Energie einsparen ohne das Wirtschaftswachstum zu bremsen. Auch der Bau einer Biogasanlage ist untrennbar mit dem Verbrauch fossiler Energie verknüpft und sie wird nur in einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren mehr CO2 verhindern als ihre Herstellung verursacht hat. (Beton, Betonsteine, Kunststoffe, Metalle usf. können nur mithilfe fossiler Energie gefertigt werden) Dazu müsste sie auch über diese Zeiträume in Betrieb sein. Daran muss man zweifeln, denn die so gewonnene Energie ist teurer als die aus fossiler Quelle. Augenwischerei ist sicher der Vergleich des Energieverbrauchs von Hamburg und Daressalam. In Hamburg könnte man mit spürbaren Einschränkungen (weniger heizen, weniger kühlen, weniger Auto fahren, mehr recyclen) 5% des Energieeinsatzes reduzieren. Diese 5% dürften nach meiner Schätzung dem gesamten Energieverbrauch der Stadt Daressalam entsprechen. Wo ist also "CO2 einsparen" wirksamer? Der Energieeinsatz im Stadtstaat Hamburg hat in den letzten fünf Jahren nie abgenommen. Was wirklich fossile Energie einspart, wird hier und dort mit Störmanövern und bürokratischen Hürden be- oder verhindert. Denn Energieverkauf ist monopolartiges Geschäft, in das die Energieriesen nur ungern eingegriffen sehen. Beobachten wir gemeinsam die genannten drei Projekte. Wenn auch nur eines (eine Million Bäume, produktive Biogasanlage, CO2-Reduktion in beiden Städten in der geplanten Zeit) das Ziel erreicht, spendiere ich Sekt für die Redaktion oder einen runden Gegenwert in anderer Währung. Sie brauchen nichts dagegen setzen, denn Ihre Gewinnchancen sind nicht erkennbar.

Liebe Frau Mende,
eben zurück aus Uganda würde ich gerne von Ihnen lesen, wieviel Bäume gepflanzt wurden, ob die Biogasanlage produziert usw. Lassen Sie uns über realistische Ziele berichten. In Uganda habe ich Fahrräder für Arme zusammengebaut. Diese Räder gibt es wirklich, die Beglückten dort weinen vor Freude, wenn sie unter den Glücklichen sind, die eines verbilligt oder geschenkt bekommen. Mein Freund Edward, der die Radlwerkstatt leitet, würde sich über einen Bericht von Ihnen riesig freuen. Googlen Sie mal Uganda, BSPW, da werden Sie geholfen.
Grüße von Georg Lohmann

Lieber Herr Lohmann,
Glückwunsch für Ihr Fahrradprojekt in Uganda. Eine Bilanz der von Ihnen erwähnten Klimapartnerschaftsprojekte ist in nächster Zeit geplant.
Beste Grüße, Claudia Mende

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