Im Tandem zum Erfolg

Ob Kopftuchdebatte oder spektakuläre Aktionen von Femen-Aktivistinnen – sobald es um die Rolle der Frau in der arabischen Welt geht, ist für Schlagzeilen gesorgt. In einem neuen Projekt werden tunesische Unternehmerinnen von deutschen Mentorinnen unterstützt.

Ibtissem Bouattay, 50 Jahre, betreibt die Öko-Lodge „Dar Yasmine“ in dem kleinen Badeort Raf Raf, eine Autostunde nordwestlich von Tunis. Martina Rieth, 40 Jahre, arbeitet als Managerin bei einem deutschen Luftfahrtunternehmen in Frankfurt. Außer dem Bezug zur Reisebranche haben die beiden Frauen auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Doch seit einigen Monaten sind sie regelmäßig in Kontakt. Per E-Mail, Skype und bei persönlichen Treffen planen sie gemeinsam die Zukunft von Ibtissem Bouattays Öko-Hotel.

Martina Rieth freut sich über die Chance, eine innovative tunesische Unternehmerin zu unterstützen. Sie hatte zwar schon öfter geschäftlich in der arabischen Welt zu tun. „Aber meistens waren die Geschäftspartner Männer“, sagt sie. „Informationen über die Rolle der Frauen im arabischen Frühling und die Veränderungen in Gesellschaft und Familie hatte ich nur aus den Medien.“ Sie ziehe es aber vor, sich ein persönliches Bild zu machen. Auch Ibtissem Bouattay ist begeistert: „Martina ist eine Fachfrau. Es macht Spaß, gemeinsam mit ihr den Businessplan auszuarbeiten“.

Die Kooperation zwischen Martina Rieth und Ibtissem Bouattay wurde möglich dank der deutsch-tunesischen Frauenmentoringplattform „Ouissal.org“, arabisch für Verbindung oder Bindeglied. Der Startschuss für das Projekt fiel Anfang 2013; finanziert wird „Ouissal.org“ vom Auswärtigen Amt im Rahmen der sogenannten „Transformationspartnerschaft“ mit dem nordafrikanischen Land. Projektleiterin Clara Gruitrooy vom Verein Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development (EMA) in Hamburg sagt, Ziel von Ouissal sei es, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen in Tunesien zu unterstützen.

Kulturmanagerin trifft Innenarchitektin

Ouissal ist ein Tandemprogramm, bei dem die Mentorin und die Mentee gemeinsam eine Geschäftsidee verwirklichen sollen. „Wichtig ist uns aber nicht nur die zündende Geschäftsidee. Es geht auch um Nachhaltigkeit und um das interkulturelle Lernen“, erklärt Gruitrooy. Um das Projekt in Gang zu bringen, lancierte EMA Anfang 2013 einen Rundruf bei Unternehmerinnenverbänden, Handelskammern und anderen Institutionen. Das Echo war stärker als erwartet: Mehr als 150 Frauen wollten mitmachen. Eine hochkarätig besetzte Jury suchte fünfzehn deutsch-tunesische Tandems aus.

Bei der Auswahl wurde auf Vielfalt geachtet: Die Teilnehmerinnen sollten unterschiedlich alt sein, verschiedene Berufe haben und aus verschiedenen Regionen Tunesiens und Deutschlands stammen.

So berät die 57-jährige Ingenieurin Angelika Laubstein aus Deutschland die 25-jährige Managerin Ichrak Ben Amor in Tunis beim Aufbau einer Firma für das Recycling gefährlicher Abfallstoffe. Die Kulturmanagerin Simone Brecht (44) aus Hamburg arbeitet gemeinsam mit der Innenarchitektin Yasmine Sfar (28) aus Tunis an einem Geschäftsplan für die Vermarktung von Kunsthandwerk in modernem Design.

Im April trafen sich die Frauen zu einem ersten Workshop in Tunis. Am 24. Oktober sollen die Ergebnisse des Projekts bei einer Konferenz in Berlin vorgestellt werden. Damit wird das Vorhaben aber nicht zu Ende sein: „Wir haben viele Netzwerke erschlossen und die Nachfrage in den Ländern ist sehr hoch, das auszuweiten“, sagt Clara Gruitrooy. EMA stehe daher in Gesprächen über eine Neuauflage 2014. Ungewiss ist allerdings, ob die Mittel dafür reichen werden. (Martina Sabra)
 

erschienen in Ausgabe 8 / 2013: Zentralasien – Als Partner umworben

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