Rendite machen mit A rznei

Die Pharmaindustrie gilt als undurchsichtig und ausbeuterisch. Dabei folgt ihr Geschäft ganz klaren Regeln, diktiert von den Zulassungsbehörden. Es ist langwierig, teuer – und lückenhaft. Geforscht wird dort, wo es sich am meisten lohnt.

Da DiMasis Studie bereits elf Jahre alt ist, ist der oft zitierte Betrag inzwischen – aufgrund von steigenden Kosten und Inflation – auf über eine Milliarde US-Dollar geklettert. Kritiker wie die US-amerikanischen Gesundheitsökonomen Donald Light und Rebecca Warburton wiesen DiMasi aber eine ganze Reihe von übertriebenen Schätzungen und Annahmen in seiner Rechnung nach. Sie kommen auf Beträge in der Größenordnung von 43 bis hin zu wenigen hundert Millionen US-Dollar pro Medikament.

Produktentwicklung:
Vom Wirkstoff zum Medikament

Am Anfang steht die Suche nach einem geeigneten molekularen Ansatzpunkt zur Bekämpfung einer Krankheit. Das kann zum Beispiel ein „Ersatz“ für ein defektes Molekül oder nicht vorhandenes…

Eine ganz andere Rechnung macht der amerikanische Branchenexperte Bernard Munos auf: Er teilte schlicht den bekannten Forschungsetat von Pharmafirmen in einem Jahrzehnt durch die Zahl der Zulassungen, die die Unternehmen in diesem Zeitraum erhalten hatten. Munos wirft der Industrie vor, sie bringe zu wenig neue Medikamente auf den Markt und kritisiert außerdem, dass die Ausfallraten zunehmen. Er kommt je nach Unternehmen auf Beträge zwischen 350 Millionen und erschreckenden fünf Milliarden US-Dollar pro Arzneimittel.
 

Der Aufwand soll sich finanziell lohnen

Egal, wer nun der Wahrheit am nächsten kommt: Die Pharmaindustrie ist der Wirtschaftszweig mit den höchsten Forschungsinvestitionen. Diese Kosten müssen die Unternehmen wieder hereinholen. Die Zeit dafür ist begrenzt: Meist in den ersten Entwicklungsjahren lassen die Firmen neue Wirkstoffe patentieren, ein Patent gilt üblicherweise 20 Jahre lang. Sobald es abgelaufen ist, dürfen Generikahersteller das Produkt ebenfalls auf den Markt bringen, der Preis schrumpft durch die Konkurrenz um bis zu 80 Prozent.

Daraus ergibt sich, dass die Industrie dort forscht, wo die Firmen eine realistische Chance sehen, dass sich der Aufwand finanziell lohnt. Das ist ein Grund dafür, warum die Forschung nach Diagnose- und Behandlungsverfahren für seltenere Tropenkrankheiten erst seit dem hohen finanziellen Engagement von Stiftungen und öffentlichen Geldgebern einen Aufschwung erfährt.

Von diesem Spezialfall abgesehen existiert eine Vielfalt an Kalkulationsstrategien. So versprechen Herz-Kreislauferkrankungen und chronische Krankheiten wie Diabetes sehr viele Patienten, die entsprechende Medikamente über lange Zeit kontinuierlich einnehmen. Cholesterinsenker zählten etwa jahrelang zu den Medikamenten mit den höchsten Umsätzen. Auf der anderen Seite fordern die Zulassungsbehörden aufgrund der hohen Patientenzahl besonders große, kostenintensive Studien und sind besonders pingelig, was Nebenwirkungen angeht.

erschienen in Ausgabe 3 / 2014: Medizin: Auf die Dosis kommt es an

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