Öl in Ecuador

Die „Yasunidos“ wollen einen Volksentscheid über die
Ölförderung im Nationalpark: Mit mehr als 750.000 Unterschriften ziehen sie im April
zum Wahlrat nach Quito.

Öl in Ecuador

Alles Ökoterroristen?

Ecuadors Regierung will das Land mit Hilfe des Rohstoff­abbaus voranbringen. Im Nationalpark Yasuní soll Erdöl gefördert, in den Bergen Kupfer im Tagebau abgebaut werden. Umweltschützer wehren sich.

Zu den „Ökoterroristen“ zählt auch Olga Curtíz aus der Gemeinde Junín im Westen Ecuadors. Der Bergregion Intag droht ein ähnliches Schicksal wie dem Yasuni-Nationalpark. Die 40-Jährige betreibt ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfes ein Gästehaus für Abenteuerurlauber. Ökotourismus zwischen Bananenstauden, Orangenbäumen und Kaffeesträuchern, inmitten eines subtropischen Regenwaldes. Das Ferienangebot organisiert die alleinerziehende Mutter gemeinsam mit einer Kooperative. „Die Frauen halten das Haus sauber und sorgen für das Essen, die Männer begleiten die Touristen durch den Dschungel, zu den Flüssen und Wasserfällen“, erklärt Curtíz. Viel Geld verdient sie nicht, aber es reicht, um die drei Kinder über die Runden zu bringen – seit sich der Vater aus dem Staub gemacht hat.

Die Yasuní-Initiative

Im Jahr 2007 schlug die ecuadorianische Regierung vor, auf die Ausbeutung von drei Erdölfeldern im Nationalpark Yasuní zu verzichten, wenn die internationale Gemeinschaft die Hälfte des Einnahmeverlustes…

Doch jetzt bleiben die Urlauber fern. Denn vor einigen Wochen haben 300 Polizisten das Dorf besetzt. Sie schützen eine Gruppe von Mitarbeitern der staatlichen Bergbaufirma Enami. Die Techniker sind gekommen, um die Kupfervorkommen in der Nähe des Dorfes zu prüfen. „Natürlich werden sie viel Kupfer finden“, ist Curtíz überzeugt. Schließlich hätten in den vergangenen 17 Jahren bereits ein japanisches und ein kanadisches Unternehmen erfolgreich Proben entnommen. Allerdings sind sie nicht weit gekommen: Die Bewohner vertrieben die bewaffnete Schutztruppe, immer wieder blockierten sie die Arbeiten. Beide Unternehmen zogen sich zurück.

„Wenn man hier im offenen Tagebau Kupfer fördert, wird das Wasser verseucht, der Regenwald zerstört und viele der 70 Familien müssen ihr Land verlassen“, begründet Curtíz ihren Widerstand. Gegen die Zerstörung der Region in den nördlichen Ausläufern der Anden, die nach dem reißenden Fluss Intag benannt ist, haben Curtíz und ihre Leute Alternativen entwickelt: Kaffeekooperativen, Biolandbau, Ökotourismus. Unterstützt von internationalen Organisationen versuchen sie, ihre armen Dörfer eigenständig weiterzubringen. Die neuen Pläne der Regierung bedeuten einen schweren Schlag. Sollte Enami gemeinsam mit einer chilenischen Minenfirma das „Llurimagua-Projekt“ verwirklichen, würde der Tagebau eine fast 5000 Hektar große braune Wunde in den Regenwald schlagen. Das wäre das Aus für den Tourismus. Curtíz schüttelt den Kopf. „Und diese Regierung haben wir gewählt.“

Unten im Dorf ist die Stimmung angespannt, die Gemeinde ist gespalten. Rund um einen Platz, auf dem Jugendliche Volleyball spielen, sitzen Polizisten auf den Terrassen einiger Häuser. Sie essen, trinken, spielen Karten. Nicht mehr alle Bewohner sind gegen den Bergbau, wie damals, als es gegen die Japaner und die Kanadier ging. Manche hoffen darauf, dass der staatliche Kupferabbau Arbeitsplätze schafft. Den Beamten und den Technikern bieten sie für ein paar Dollar Unterkunft und Verpflegung an. Denn jeder Cent zählt in dem Dorf, aus dem so viele Söhne und Töchter nach Quito oder Spanien ausgewandert sind, weil sie mit der Landwirtschaft nicht genug Geld verdienten.

erschienen in Ausgabe 8 / 2014: Gesichter der Karibik

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