Studie: Geld verdienen mit der Not

(25.07.2014) In Krisen und Katastrophen Gewinne machen? Humanitären Helfern dürften sich bei diesem Gedanken die Nackenhaare sträuben. Zu Unrecht, sagt die britische Denkfabrik ODI.

Wenn private Firmen Katastrophen und Konflikte als Geschäftschance begreifen, helfen sie den Opfern mehr, als wenn sie spenden, zeigt ein neuer ODI-Bericht und belegt das unter anderem mit Beispielen aus Jordanien und Indonesien. „Die meisten Leute denken, Philanthropie oder Formen der verantwortungsvollen Unternehmensführung seien die besten Wege, zu helfen. Aber das ist nicht der Fall“, sagt der Autor des Berichts, Steven Zyck.

Unternehmen könnten in Krisen Dienstleistungen anbieten, die stark nachgefragt werden, und damit die Lage der Notleidenden erleichtern. Dazu zählten Logistik, Telekommunikation und Systeme für Geldüberweisungen.

Versicherungsunternehmen mildern die Folgen von Dürren und Wirbelstürmen in Afrika und Asien, Banken sorgen dafür, dass Katastrophenopfer schnell an Bargeld kommen, heißt es in dem Bericht. Nach den heftigen Überschwemmungen in Indonesien Anfang 2013 hätten private Firmen Nothilfe geleistet, indem sie Güter und Personen transportierten.

Regionale Banken in Jordanien haben Zahlungssysteme eingerichtet, die es syrischen Flüchtlingen ermöglicht, finanzielle Hilfen an Geldautomaten abzuheben - auf solche Hilfen setzt etwa der Jordanische Rote Halbmond. Das Welternährungsprogramm verteilt elektronische Gutscheine an Flüchtlinge, mit denen sie anstelle von Hilfspaketen selbst Lebensmittel und Hygieneartikel einkaufen können. 

Es gehe nicht darum, dass der Privatsektor die traditionelle humanitäre Hilfe ersetzt, betont Steven Zyck. Sie könnten sich jedoch bestens ergänzen. Die Unternehmen stellten ihre technische Expertise und ihre Ressourcen bereit, die Hilfsorganisationen wüssten, welche Form der Hilfe gebraucht wird und wie man Menschen in entlegenen Gebieten erreicht.

Auf dem Weg zu einer besseren Zusammenarbeit müssten allerdings einige Hindernisse überwunden werden, so die ODI-Wissenschaftler. Bislang tauschen Unternehmen und Hilfsorganisationen sich kaum aus – was wohl zum Teil daran liegt, dass beide Seiten ein spezielles Vokabular benutzen, das nicht von allen verstanden wird. (gka)


 

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erschienen in Ausgabe 9 / 2014: Atomwaffen: Abrüstung nicht in Sicht
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