Der neue Militärbischof der EKD tritt an

Es ist ein Vollzeitjob und kein Nebenamt. Ein Militärbischof hat in diesen unruhigen Krisenzeiten mit einer international engagierten Bundeswehr mehr als genug zu tun. Das hat die Evangelische Kirche (EKD) nun anerkannt und zieht nach ausgiebiger interner Debatte die Konsequenz: Erstmals betraut sie einen ihrer Geistlichen hauptamtlich mit der Aufgabe.

Bei einem Gottesdienst  in der Berliner Gedächtniskirche wurde Sigurd Rink am 8. September offiziell in sein Amt eingeführt, zunächst für sechs Jahre; nach vier Jahren soll der „Paradigmenwechsel“ evaluiert werden. Der 53-jährige Theologe, bisher Probst in Süd-Nassau und Hessen, folgt auf  Martin Dutzmann, der seit 2013 im Hauptberuf Beauftragter der EKD bei der Bundesregierung und der EU ist. Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, begründete die „denkwürdige“ Neuregelung mit den gewachsenen Anforderungen für Militärpfarrer. „Wenn wir den seelsorgerischen Dienst ernst nehmen wollen, muss das nahe bei den Menschen geschehen“, sagte er, ob am Horn von Afrika, in Afghanistan oder auf dem Balkan.

Mit der Neubesetzung gibt die Kirche auch ein Zeichen, dass sie sich der friedensethischen Debatte über den legitimen Einsatz militärischer Mittel nicht entzieht. Jenseits des Friedenszeugnisses des Evangeliums gebe es Situationen, in denen mit militärischer Gewalt erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssten, dass zivile friedliche Strukturen wieder wachsen können, sagte Schneider. Deshalb sollten unterschiedliche Meinungen darüber, unter welchen Bedingungen Gewalt zur Durchsetzung des Rechts angewendet werden dürfe, nicht zensiert sondern offen ausgetragen werden.

Kein Freifahrtschein für Waffenlieferung

Rink sagte vor der Presse, er wolle einen solchen Diskurs durchaus selbst anstoßen. Seit der  Friedensdenkschrift der EKD von 2007 hätten sich weltweit die friedensethischen Herausforderungen gewandelt. Er sei „ein Fan der Friedensdenkschrift“, man müsse sie aber „weiterdenken“ und sehen, wo die Position der Kirche „nachjustiert“ werden müsse. Die Bedingungen haben sich geändert, sagte er mit Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und den brutalen Feldzug der Milizen des „Islamischen Staates“ im Irak. Wenn nun gegen diese Kriegstreiber Waffen an Kurden geliefert werden sollten, sei das ein deutlicher Wechsel zum Grundsatz, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern. „Damit muss man sich deutlich auseinandersetzen“, sagte Rink.

In Zeitungsinterviews hatte der Bischof sich zuvor gegen eine „fundamentalpazifistische Position“ ausgesprochen, aber zu Zurückhaltung gemahnt. Angesichts der Verbrechen im Irak und Syrien, dürfe man ein Engagement nicht ausschließen, sagte er. Man könne auch durch Unterlassen schuldig werden. Dennoch müsse man „dreifach nachdenken, bevor wir uns für den Waffeneinsatz entscheiden“. Grundsätzlich sei er für große Zurückhaltung, so Rink. Und diese Haltung habe ihn gerade auch bei vielen militärischen Verantwortlichen beeindruckt. Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga seien nur „das letzte Mittel“, eine „absolute Notmaßnahme“. „Es gibt keinen Freifahrtschein für die Lieferung von Panzern und Raketen.“

erschienen in Ausgabe 10 / 2014: Hoffen auf die Mittelschicht

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