Aidskonferenz in Durban

Eine 26-Jährige erhält antiretrovirale Medikamente von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika

Aidskonferenz in Durban

Teure Pillen gegen Aids

Immer mehr HIV-Infizierte können wirksam behandelt werden. Neue antiretrovirale Medikamente (ART) kosten jedoch wesentlich mehr als ihre Vorläufer. Hilfsorganisationen schlagen Alarm.

Die Preise für Medikamente der dritten Generation seien in ärmeren Ländern 18 Mal höher als bei vorherigen Mitteln, heißt es in einer Studie von Ärzte ohne Grenzen, die auf der Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban vorgestellt worden ist. Sie lägen bei 1800 US-Dollar pro Person und Jahr, während ARTs der ersten Therapielinie nur noch 100 US-Dollar und der zweiten Generation 286 US-Dollar kosteten.

Medikamente einer dritten Therapielinie sind erforderlich, wenn Patienten gegen Präparate aus den ersten beiden Linien resistent geworden sind oder die Nebenwirkungen zunehmen. Der Grund für die hohen Preise sind Patente, die große Pharmakonzerne auf die Medikamente haben. Zudem verhindert das Monopol großer Unternehmen einen fairen Wettbewerb, wie Ärzte ohne Grenzen kritisiert.

Erst durch Nachahmerprodukte sinken die Preise

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt fordert deshalb, dass mehr finanzielle Mittel für öffentliche Forschung bereitgestellt und keine Patente auf essentielle Medikamente vergeben werden dürfen. Um Aids wirksam zu bekämpfen, müsse der Zugang zu lebenslanger Behandlung für alle HIV-Infizierten verbessert werden, verlangt Astrid Berner-Rodoreda, Fachreferentin bei Brot für die Welt: „Dazu gehört auch, dass neue Medikamente für HIV und für alle Ko-Infektionen wie Hepatitis C und Tuberkulose zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen.“

Die Preise der ersten und zweiten Generation sind kurz nach ihrer Markteinführung rapide gesunken, weil günstige Generika, Nachahmerprodukte, zur Verfügung stehen. Ein großer Teil davon kommt aus Indien. Die Patente für die dritte Therapielinie laufen teilweise erst in zehn Jahren aus.

Eine Welt ohne Aids bis 2030 ist das Ziel

Bis 2025 will das HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) ein als „90/90/90“ bezeichnetes Ziel erreichen. So sollen bis dahin 90 Prozent aller Infizierten wissen, dass sie die Krankheit haben. 90 Prozent der Betroffenen sollen zudem eine antiretrovirale Therapie erhalten und bei 90 Prozent von ihnen soll die Viruslast unter die  Nachweisgrenze gefallen sein. Sie wären dann nicht mehr ansteckend. Bis 2030 soll die Immunschwächekrankheit dann komplett ausgerottet sein. Ärzte ohne Grenzen sieht diese Ziele durch die hohen Medikamentenpreise gefährdet.

Weltweit leben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. In Deutschland waren es Ende 2015 nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 83.400. Die Zahl der Neu-Infektionen lag 2014 bei 3200, unverändert gegenüber dem Vorjahr.

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