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Und dieses Geld stinkt doch

Die Credit Suisse gerät wegen einiger ihrer Geschäfte zunehmend unter öffentlichen Druck. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern die Bank auf, die eigenen Ethik-Standards ernster zu nehmen.

Laut Greenpeace und der Gesellschaft für bedrohte Völker spielt die Credit Suisse (CS) eine bislang unterschätzte Schlüsselrolle bei der Finanzierung der umstrittenen Dakota Access Pipeline (DAPL) in den USA. Gegen den Bau der Öl-Pipeline wehren sich Umweltorganisationen sowie die indigenen Sioux, die ihre Gebietsrechte verletzt sehen.

Die Credit Suisse hat ihre Rolle bislang heruntergespielt. Man habe nur eine unwichtige Rolle bei der Finanzierung von Firmen im Umfeld der Pipeline, beteuerten Vertreter der Bank noch letzten Dezember gegenüber Greenpeace und der Gesellschaft für bedrohte Völker. Neue Greenpeace-Recherchen vom Februar zeigen jedoch das Gegenteil: Demnach führt die Schweizer Großbank ein Konsortium an, das 850 Millionen US-Dollar beigesteuert haben soll. Die Credit Suisse bezeichnet diese Darstellung als falsch, hält sich aber in punkto Zahlen bedeckt.

Verflechtung mit der Palmölindustrie

Eine unrühmliche Rolle spielt die Credit Suisse auch im Palmölgeschäft, das den Wettlauf um fruchtbaren Boden (Land Grabbing) weiter antreibt und zu Landvertreibung und Umweltzerstörung führt. Die beiden kirchlichen Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer haben für die Jahre 2009 bis 2016 die Verflechtungen von 17 Schweizer Banken mit der Palm­öl­industrie weltweit unter die Lupe genommen. Es geht um das Geschäft der Banken mit 20 führenden Palmölkonzernen, die vorwiegend in Indonesien und Malaysia Plantagen betreiben. Spitzenreiterin ist auch hier die Credit Suisse: Sie alleine hat laut den beiden Hilfswerken Finanzdienstleistungen (Kredite und Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung über Anleihen und Aktien) in der Höhe von rund 900 Millionen Dollar erbracht.

Zwar verfügt die Bank über Ethik-Standards, aber kontrolliert deren Einhaltung bei ihren Kunden offenbar ungenügend, wie Recherchen von Brot für alle beim Palmölproduzenten DSN Group und dessen Tochterfirmen in Indonesien zeigen. So wurden die von neuen Plantagen verdrängten Dörfer und indigenen Gemeinschaften weder informiert noch angehört. Zudem wurde wertvoller Wald an Steilhängen abgeholzt, was die Erosion weiter befördert. Auch wurden Torfmoore und Sumpfgebiete mit Ölpalmen bepflanzt, was sowohl gegen indonesisches Recht als auch gegen Standards von Credit Suisse verstößt.

Die Bank betont, man mache grundsätzlich keine Geschäfte mit Palmölproduzenten, die nicht Mitglied des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) und entsprechend zertifiziert seien. Immerhin zeigt sich Credit Suisse bereit, die von den Hilfswerken kritisierten Fälle zu prüfen.

erschienen in Ausgabe 4 / 2017: Die Versuchung des Populismus

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