Simbabwe
Illegaler Goldschürfer in Simbabwe. Investoren aus Russland, China und den USA wollen die Bodenschätze des Landes im großen Stil abbauen.
Simbabwe

Scharf auf die Bodenschätze

Die Klage gegen den Wahlsieg von Emmerson Mnangagwa wird keinen Erfolg haben. Das ist gut so: Der neue Präsident wird das Land nach vorne bringen. Dank der internationalen Investoren.

Emmerson Mnangagwa hat die hart umkämpfte Wahl Ende Juli mit 50,8 Prozent gewonnen und damit eine Stichwahl gegen den Zweitplatzierten Nelson Chamisa von der oppositionellen MDC Alliance vermieden. Chamisa, der auf gut 44 Prozent der Stimmen gekommen ist, will die Wahl vor Gericht anfechten. Die Anwälte der Opposition werden aus Berichten internationaler Wahlbeobachter wie der Europäischen Union zitieren, die unfaire Ausgangsbedingungen im Wahlkampf moniert und „tiefe Besorgnis“ geäußert haben, der Wahlgang habe nicht die Erwartungen erfüllt. Erfolg haben wird die Opposition damit nicht: Die simbabwische Justiz ist kompromittiert und steht auf der Seite von Mnangagwas Partei Zanu PF.

Mnangagwa ist Präsident und das wird niemand mehr ändern können. Die Wahl hat ihn mit dem Schein demokratischer Legitimität versehen. Der ausgebildete Rechtsanwalt hat bereits die Zustimmung wichtiger verbündeter Länder und einflussreicher Weltmächte wie China und Russland erhalten. Auch einige afrikanische Länder, darunter Angola, Kenia, Tansania und Südafrika, haben Mnangagwa gratuliert und so seine internationale Glaubwürdigkeit gestärkt.

Es gibt Spekulationen, Mnangagwa sei zunehmend uneinig mit Vizepräsident Constantino Chiwenga, dem früheren Chef der simbabwischen Luftwaffe und Vordenker des Coups gegen Mugabe. Die Armee spielt seit langem eine wichtige Rolle in Politik und Wirtschaft des Landes. Mnangagwa, der früher schon mal Verteidigungsminister und Minister für Staatssicherheit war, ist auf das Militär angewiesen, um regieren zu können. Sein Wahlsieg hat zur Folge, dass Chiwengas Macht wachsen und das Militär wichtige Regierungsposten besetzen wird.

Kommandopolitik in der Landwirtschaft

Chiwenga ist außer Vizepräsident noch Verteidigungsminister – mit der Folge, dass er weiter die Armee kontrolliert. Weitere hochrangige ehemalige Generäle in Mnangagwas Regierung sind Perence Shiri, früher Luftwaffenkommandeur, und Sibusiso Moyo, der frühere stellvertretende Kommandeur der Streitkräfte. Shiri ist jetzt Landwirtschaftsminister und Moyo für die Außenpolitik zuständig.

Autor

Itai Mushekwe

Itai Mushekwe ist Journalist und stammt aus Simbabwe. Er lebt in Köln und betreibt das Internetportal "Spotlight Zimbabwe".
Es gab Berichte, nach denen Shiri und Vizepräsident Chiwenga seit Jahren verfeindet sind, aber offenbar haben die beiden wieder zusammengefunden. Shiri hat eine wichtige Rolle beim Putsch gegen Mugabe gespielt und sich eng mit Chiwenga abgestimmt, der zu dieser Zeit in China war und Vertreter der chinesischen Armee getroffen hat. Shiri spielt auch eine Schlüsselrolle in Mnangagwas Bestreben, die simbabwische Landwirtschaft wiederzubeleben. Er hat die einst von Mugabe eingeführte landwirtschaftliche Kommandopolitik übernommen, um die Versorgung mit Lebensmitteln im Land zu verbessern: Das Militär unterstützt die Bauern, ihre Erträge etwa bei Mais, Weizen und Kartoffeln zu steigern. Shiri ist außerdem dafür, dass unter Mugabe vertriebene weiße Farmer zurück auf ihr Land dürfen. Diese Art Kommandowirtschaft gilt auch für die Fischerei.

Milliardenschwere Geschäfte mit China und Russland

Mnangagwas Wahlsieg ist bedeutsam, weil er als Präsident nun die Wirtschaft des Landes wieder aufbauen und Investitionen nach Simbabwe locken kann. Er kann an seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar anknüpfen, wo Geschäftsleute aus aller Welt und Institutionen wie die Weltbank zugesagt haben, wieder in Simbabwe zu arbeiten. Allein die Einladung Mnangagwas nach Davos hat gezeigt, dass die internationale Gemeinschaft bereit ist, Simbabwe wieder aufzunehmen.

Wolfgang Ammer
Im Mai dieses Jahres hatte Simbabwe 1,7 Milliarden US-Dollar Kreditschulden bei der Afrikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank. Das Bruttosozialprodukt des Landes liegt laut Weltbank bei 17,8 Milliarden US-Dollar. Mnangagwa wird vermutlich schnell versuchen, die Wirtschaftskrise anzugehen, und längerfristig den Zimbabwe Dollar als Währung wiedereinführen, die vor zehn Jahren zusammenbrach und 2015 endgültig durch den US-Dollar ersetzt wurde. Das neue Geld wird von den in Simbabwe reichhaltig vorhandenen Gold- und Diamantenreserven gedeckt werden.

Mit China und Russland hat Mnangagwa bereits milliardenschwere Geschäfte vereinbart. Moskau hat 400 Millionen US-Dollar in eine Platinmine in Darwendale investiert, während Peking chinesische Firmen in die simbabwischen Diamantenminen zurückschickt, nachdem Mugabes Politik der Enteignung und Verstaatlichung ausländischer Firmen nun keine Gefahr mehr darstellt.

Die Welt hat Mnangagwa akzeptiert

Außer über Diamanten verhandelt China mit Mnangagwa auch über Gold. Simbabwe hat enorme Goldreserven im Boden, von denen bislang nur ein Bruchteil gefördert wurde. Laut der simbabwischen Zentralbank könnte das Land jährlich vier Milliarden US-Dollar aus dem Goldexport einnehmen, wenn es seine Reserven voll ausbeuten würde.

Die Welt hat Mnangagwa akzeptiert und ist scharf darauf, wieder Geschäfte in Simbabwe zu machen. Aus ökonomischer Sicht wäre es naiv, das nicht zu tun. Von den USA heißt es, sie hätten ein Auge auf die enormen und jungfräulichen Reserven an Lithium und Uran geworfen. Großbritannien ist offensichtlich daran interessiert, Simbabwe wieder in den Commonwealth aufzunehmen. Von Brasilien und Deutschland wurde berichtet, sie seien an Simbabwes üppiger Landwirtschaft interessiert. Deutsche Firmen wollen Gemüse und Obst für den deutschen Markt produzieren.

Die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes ist vielversprechend. Seit Mugabes Sturz hat sich die Lage der Menschenrechte verbessert. Das lockt Investoren an, die dem Land bisher fern geblieben sind. Mnangagwa wird Simbabwe wahrscheinlich politisch weiter öffnen und die Grundrechte stärken – weil er dadurch das Investitionsklima fördert kann.

Aus dem Englischen von Tillmann Elliesen.

erschienen in Ausgabe 9 / 2018: Drang nach Schönheit

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