Entlassene Straftäter
Xola Dingiswayo hat den Absprung aus der ­Kriminalität geschafft – auch dank der Bewährungs­hilfe von The Message.
Entlassene Straftäter

Wenn harte Jungs den Kaffee ausschenken

In Kapstadt kümmert sich eine Hilfsorganisation um jugendliche Straftäter nach deren Entlassung. Und hilft ihnen, dem Teufelskreis aus Gewalt und Armut zu entkommen.

Dampf steigt in alle Richtungen auf. Die Espressomaschine schnaubt, während sie Milch in Schaum verwandelt. Dann springt das Mahlwerk an und zerreibt die Bohnen zu braunem, köstlich duftendem Pulver. Dass diese Kulisse irgendwann sein Leben erhalten würde, hatte Xola Dingiswayo nie zu träumen gewagt. Früher bestimmten andere Geräusche den Alltag des jungen Südafrikaners: das Heulen der Polizeisirenen oder das Knattern von Pistolenschüssen.

Drei Studentinnen haben ihre Köpfe über einem Laptop zusammengesteckt. Zwei Tische weiter schlürft ein älterer Mann aus seiner Tasse, während er in einem Buch liest. Willkommen im Gangstar Café in Mowbray, einem südlichen Vorort von Kapstadt. Der kleine Eckladen liegt etwa eine Stunde Autofahrt vom Gefängnis Drakenstein entfernt – für die meisten der Kellner zeitweise ein Zuhause. Und in unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Township Manenberg – auch bekannt als Südafrikas Hauptstadt der Bandengewalt. „Wir kombinieren unglaubliche Geschichten mit gutem Kaffee“, heißt es auf der Website des Cafés. Es ist das inoffizielle Motto des Betriebs, der sich zum Ziel gesetzt hat, ehemaligen Bandenmitgliedern mit einer Ausbildung eine zweite Chance zu geben.

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erschienen in Ausgabe 11 / 2018: Eingebuchtet

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