Ruanda
Kigali soll zum Singapur Ostafrikas werden: Mitte 2019 im ­Geschäftsviertel der ­ruandischen Hauptstadt.  
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Tricksen bei der Armutsquote

Ruanda gibt sich als Vorbild für wirksame Armutsbekämpfung. Kritiker sagen, das Regime fälsche dazu die Statistiken. Stimmt das? Und wie reagieren Geberländer?

Haben ruandische Behörden Statistiken gefälscht – und ist die Weltbank deren Komplize? Auf den ersten Blick ist die Frage der Stoff für einen Nerd-Thriller. Je nachdem, wie man die Inflation definiert, ist das kleine ostafrikanische Binnenland weiterhin auf Erfolgskurs oder es hat in den vergangenen Jahren mehr extrem Arme – also Menschen, die von weniger als der Kaufkraft von 1,90 US-Dollar pro Tag leben – produziert als fast jedes andere Land der Welt.

Viel steht auf dem Spiel: die Glaubwürdigkeit des autoritär gesteuerten Entwicklungsmodells Ruandas, das von vielen Fachleuten als Vorbild gepriesen wird, und damit auch die Vergabepolitik multilateraler und bilateraler Geldgeber wie Deutschlands oder der Schweiz. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie ihre Entwicklungszusammenarbeit tatsächlich an evidenzbasierten Armutsminderungsstrategien ausrichten oder zuweilen auch an diplomatischer Opportunität. Schließlich stehen bei dem Statistik-Thriller die Entwicklungschancen von Millionen von Menschen in Ruanda auf dem Spiel.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2019: Armut: Es fehlt nicht nur am Geld

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