Fairer Handel
Verkaufsgespräch in einem Weltladen in Frankfurt am Main, als Corona noch kein Thema war.   
Fairer Handel

Das Virus schwächt die Weltläden 

Die Umsätze der Weltläden sind als Folge des Lockdowns stark eingebrochen. Kreative Lösungen helfen eine Zeitlang weiter. Schwieriger wird es für die Produzenten der fair gehandelten Waren.

Für die rund 900 deutschen Weltläden bedeutet die Corona-Krise eine schwierige Zeit. Nach einer Umfrage des Weltladen-Dachverbands unter rund 350 Weltläden Ende März hatte nur ein Drittel der Läden noch geöffnet. Alle anderen waren entweder auf Anweisung der Behörden geschlossen oder hatten zum Schutz der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dicht gemacht. Diese sind mehrheitlich älter als 60 Jahre und gehören somit zur Corona-Risikogruppe. „Der Umsatz ist massiv zurückgegangen,“ sagt Christoph Albuschkat vom Weltladen-Dachverband. „Wenn die Krise länger andauert, dann werden einige Läden sie nicht überstehen.“ 

Seit Ende April haben bis auf Ausnahmen die meisten Geschäfte wieder geöffnet, doch bis sich der Verkauf normalisiert, wird es noch eine Weile dauern. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, hat der Weltladen-Dachverband gemeinsam mit rund 30 Lieferanten für fair gehandelte Waren wie zum Beispiel der GEPA oder El Puente zu kreativen Lösungen aufgerufen. Lieferdienste und Online-Shopping sollten es den Kunden ermöglichen, weiterhin Produkte aus fairem Handel zu kaufen. Nach Angaben der GEPA wurden diese Angebote von den Kunden durchaus angenommen. Bis Mitte April hätten etwa 400 Kunden für insgesamt 24.000 Euro Waren bei dem Fairhandelsimporteur bestellt und dabei ihren Lieblingsweltladen angegeben. Dieser erhält im Rahmen der „aktion #fairsorgung“ zehn Prozent des Verkaufswerts. 

Manche Weltläden etwa in Freising bei München, Oberursel bei Frankfurt, Lübeck, Mainz oder im hessischen Dieburg haben eigene Lieferdienste aufgebaut oder sich kommunalen Lieferdiensten angeschlossen. Bestellungen können so online, per E-Mail oder telefonisch aufgegeben werden. In Mainz konnte der Weltladen „unterwegs“ den Einbruch des Umsatzes auf diese Weise wenigstens ein wenig auffangen. Geschäftsführerin Gifty Rosetta Amo Antwi hat während des Lockdowns die Ehrenamtlichen abgezogen und mit eingeschränkten Öffnungszeiten den Betrieb weitgehend selbst aufrechterhalten. Das hatten die Behörden erlaubt, weil der Weltladen mindestens zur Hälfte Lebensmittel verkauft. Stammkunden kamen weiterhin, sagt sie, außerdem konnte online bestellt und die Ware über den Lieferdienst des Mainzer Einzelhandels zugestellt werden. 

In der Krise zeigt sich schmerzlich, dass eine eigene Online-Bestellplattform für Weltläden fehlt. „Wir prüfen diese Idee“, sagt Christoph Albuschkat vom Weltladen-Dachverband. Eine gemeinsame digitale Plattform aufzubauen sei aber deshalb schwierig, weil die Weltläden unterschiedlich stark professionell geführt würden. 

Manche Läden haben Lieferdienste eingerichtet

Der Weltladen „unterwegs“ konnte mit eingeschränkter Öffnungszeit und Lieferdienst etwa die Hälfte des sonst üblichen Umsatzes erzielen. Weil weniger verkauft wurde, hat Antwi zunächst Bestellungen bei der GEPA storniert. Doch dann habe sie wieder nachbestellt, sagt sie, „damit die Kunden nicht vor leeren Regalen stehen“. Um durch die Krise zu kommen, hat sie außerdem die Soforthilfe des Bundes für Kleinstbetriebe in Höhe von bis zu 9000 Euro beantragt und das Geld innerhalb von zwei Wochen erhalten.  Das ist aber eher die Ausnahme. Abgesehen von einigen wenigen Weltläden, die Kurzarbeitergeld für Hauptamtliche beantragt haben, wollten die meisten nicht auf öffentliche Gelder zurückgreifen. 

Während der Corona-Krise haben die Verbraucher noch am ehesten Lebensmittel wie fairen Kaffee oder Tee gekauft. Bei Produkten wie Kunsthandwerk und Textilien ist die Nachfrage dagegen besonders stark eingebrochen. „Wir haben die neue Frühlingskollektion bei Textilien erst gar nicht bestellt,“ sagt Theresia Endriß vom Weltladen in Freising bei München. 
Weil die Weltläden weniger verkaufen, haben auch die Lieferanten mit Problemen zu kämpfen. 80 Unternehmen sind vom Weltladen-Dachverband anerkannte Lieferanten für fair gehandelte Waren. Sie importieren die Waren aus dem globalen Süden und vertreiben sie über die Weltläden. Bei einer Umfrage des Dachverbands aus der ersten Aprilhälfte machten etwa 40 von ihnen Angaben zu ihrer derzeitigen Situation. Ein Viertel davon gab an, sie kämpften ums wirtschaftliche Überleben, mehr als die Hälfte bezeichnete die Situation als „schwierig“. 

Theresia Endriß ist davon überzeugt, der Weltladen Freising werde die Krise überstehen, „vor allem dank unserer breiten Stammkundschaft“. Doch sie macht sich große Sorgen um die Produzenten der Waren in den Ländern des globalen Südens. Sie zu unterstützen, ist das Kernanliegen des fairen Handels. Wenn der Verkauf im Norden schwächelt und die Produktion einbricht, stehen viele von ihnen ohne soziale Sicherung vor dem Nichts. 

Mehr Berichte zu den Auswirkungen der Pandemie in verschiedenen Ländern finden Sie in unserem Corona-Dossier

erschienen in Ausgabe 6 / 2020: Kino im Süden

Kommentare

In der Situation kauft die Bundesrepublik (ich habe die genaue Zahl nicht im Kopf in den 40gern) Kampfflugzeuge und will auch noch Kamfdrohnen kaufen. Nach meiner Auffassung ist das einfach pervers. Die Weltwirtschaft geht vor die Wand und wir kaufen Waffen. Einen Bruchteil dieses Geldes in unsere Sozialsysteme gesteckt und die Coronaprobleme sind gelöst.

Neuen Kommentar schreiben