Waffenruhe
 Soldaten der syrischen Armee beten im Oktober 2020 auf dem Friedhof von Tel Abyad. Ohne Rückendeckung der Türkei könnten sie die Stadt an der türkischen Grenze nicht ­kontrollieren.

Anadolu Agency via Getty Images

Waffenruhe

Syriens eingefrorener Krieg

Zehn Jahre nach Beginn des Krieges in Syrien schweigen die Waffen weitgehend. Militärisch herrscht ein Patt und politisch ist das Land in einer Sackgasse – auch weil auswärtige Mächte skrupellos ihre Interessen verfolgen.

Der Krieg in Syrien ist aus den internationalen Nachrichten und von den Prioritätenlisten der Außenpolitiker verschwunden, seit die Kämpfe abgeflaut sind und die Corona-Pandemie die Aufmerksamkeit beherrscht. Doch die Stille könnte sich als Ruhe vor dem Sturm entpuppen. Die Kriegsparteien befinden sich in einer angespannten Pattsituation, die dem Land ein gewisses Maß an Ruhe gebracht hat. Aber die Kämpfe könnten schnell wieder aufflammen und für Instabilität über Syriens Grenzen hinaus sorgen. 

Ein wichtiger Wendepunkt war im vergangenen Jahr der am 5. März verkündete russisch-türkische Waffenstillstand, der die jahrelangen Angriffe des syrischen Regimes auf die Provinz Idlib im Nordwesten des Landes stoppte. Damit endeten die Kämpfe an der letzten aktiven Front fast vollständig. Anschließend baute die Türkei ihre Militärpräsenz in Idlib aus, vor allem um eine neue Flüchtlingswelle aus Syrien zu stoppen. Die militärische Abschreckung sicherte auch die Waffenruhe. So hat sich das Gebiet als letztes in die Regionen im Land eingereiht, in denen De-facto-Waffenstillstände herrschen.

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erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

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