Pandemiebekämpfung in Brasilien
 Spielen trotz Armut und Gewalt: Ein Junge in der Favela da Mare in Rio de Janeiro im Oktober 2021.

Fabio Taxeira/picture alliance/aa

Pandemiebekämpfung in Brasilien

Ohne Rücksicht auf die Rechte der Kinder

In Brasilien waren wegen der Corona-Pandemie die Schulen lange geschlossen. Das hat nicht nur armen Kindern Grundbildung vorenthalten, sondern auch viele zum Arbeiten gezwungen oder in Gefahr gebracht.

Das Leben auf den Straßen von São Paulo hat sich seit Beginn der Covid-Pandemie drastisch verändert. Das liegt nicht nur an der Allgegenwart von Gesundheitschecks und medizinischen Masken. Es liegt auch daran, dass in der größten Stadt Lateinamerikas enorm viele Kinder und Jugendliche unterwegs sind. Längst nicht alle von ihnen spielen oder sind auf dem Weg zur Schule, wie man denken könnte. Einige betteln an Kreuzungen zwischen den Autos und halten Süßigkeiten feil. Andere leben mit ihrer Familie, die sich keine Wohnung mehr leisten kann, in Zelten und unter Plastikplanen auf dem Bürgersteig. Es ist kaum noch möglich, vors Haus zu treten, ohne einem Kind zu begegnen, das ein Pappschild mit der Aufschrift „Hunger“ hochhält und damit direkt und ungeschminkt die Not der ärmsten Kinder und Jugendlichen des Landes zum Ausdruck bringt.

„Die Menschenrechte der brasilianischen Kinder auf Bildung, Nahrung, Würde und Sicherheit sind während der Pandemie völlig außer Acht geraten“, meint der Anwalt Ariel de Castro Alves, Mitglied der Menschenrechtskommission des Bundesstaates São Paulo. Die Kinder hätten lange Zeit keinen Präsenzunterricht mehr gehabt und litten deshalb heute stärker als früher unter Gewalt in der Familie, sexueller Ausbeutung, Obdachlosigkeit, Unfällen, Kinderarbeit, Kriminalität und auch Hunger. „Ohne das Schul-essen werden viele gar nicht richtig satt – vor allem jetzt, bei der schlechten Wirtschaftslage.“

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erschienen in Ausgabe 4 / 2022: Streiten für die Menschenrechte

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