Selbstverwaltete Gemeinde in Mexiko
 Juan Romero leitet den Jugendrat des Dorfes und fordert mehr Mitsprache für die jungen Leute.

Sandra Weiss

Selbstverwaltete Gemeinde in Mexiko

Wie ein Dorf sein Land verteidigt

Vor elf Jahren hat die Indi­genagemeinde Cherán in Zentralmexiko mit Hilfe einer Bürgerwehr die Holzmafia vertrieben. Nun ist sie eine autonome Insel zwischen Avocadoplantagen – aber  die Jugend möchte mehr als Subsistenzwirtschaft. 

José Ramírez spricht bedächtig, wenn er nach den Ereignissen vom April 2011 gefragt wird. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass man Geschichte schreibt. Schon gar nicht in Cherán, einem abgelegenen Dorf in den Bergen des mexikanischen Bundesstaates Michoacán. Die Ortschaft liegt auf 2500 Metern Höhe und ist meist eingehüllt in Nebel und Wolkenschwaden. 

Es ist ein eher unwirtlicher Ort, an dem die Purépecha-Indigenen leben. Die Erde bringt kaum Ertrag, das Wasser versickert rasch im porösen Vulkangestein und fließt weiter in die tiefergelegenen, fruchtbaren Ebenen des Bajío. Diese Region war in der spanischen Kolonialzeit Sitz prunkvoller Haciendas, heute ist sie eine Hochburg der mexikanischen Export-Landwirtschaft –besonders für Avocados, Brokkoli, Beeren oder Zitronen. In Cherán gibt es im Gegensatz zum Bajío vor allem steile Berge und Wald. Für die spanischen Kolonialherren, die nur Augen für Silber und Gold hatten, war das nicht weiter interessant. Doch heute, 500 Jahre später, weckt auch das Hochland Begehrlichkeiten.

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erschienen in Ausgabe 11 / 2022: Leben in Krisenzeiten

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