Nachhaltige Entwicklung in die Schule bringen

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Zwei Schüler von hinten, die an einem Zweiertisch sitzen und arbeiten.
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Erwerben sie gerade Kompetenzen für eine komplexe Welt? Schüler einer Realschule in München.
Global Lokal
Ein neuer Orientierungsrahmen will globale Perspektiven auf eine bessere Zukunft in der gymnasialen Oberstufe verankern. Schule soll sich insgesamt stärker an der Idee nachhaltiger Entwicklung orientieren.

Der im Oktober 2025 verabschiedete Orientierungsrahmen „Globale Entwicklung“ ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ), koordiniert von der Gesellschaft Engagement Global, die im Auftrag des BMZ entwicklungspolitisches Engagement fördert. Der Orientierungsrahmen soll als Bezugspunkt für Bildungspläne und schulische Curricula der Bundesländer und für die Ausbildung von Lehrkräften dienen. 

Das BMZ habe den Orientierungsrahmen gemeinsam mit der KMK entwickelt, „damit Bildung für nachhaltige Entwicklung noch viel mehr Lernende und Lehrende erreicht“, sagte Ministerin Reem Alabali Radovan in einer Presseerklärung der KMK. Auf rund 800 Seiten beschreibt der Orientierungsrahmen den Wandel jugendlicher Lebensrealität, Herausforderungen für die Schule durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz sowie Leitbilder und didaktische Konzepte zum globalen Lernen. Daneben gibt es praktische Beispiele für Bildung für nachhaltige Entwicklung im Unterricht. Der Orientierungsrahmen bezieht sich auf die UN-Nachhaltigkeitsziele bis 2030 und zeige, „wie wir jungen Menschen in der gymnasialen Oberstufe die Kompetenzen vermitteln können, die sie brauchen, um sich in einer komplexen Welt zu orientieren und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Simone Oldenburg, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern. 

Wegweisend, aber unverbindlich

Die Empfehlungen des Orientierungsrahmens sind unverbindlich, dennoch hält der Pädagoge Martin Geisz ihn für wegweisend. Der Orientierungsrahmen „öffnet den schulischen Alltag für globale Themen“, sagt Geisz, der lange Politik und Philosophie am Gymnasium unterrichtet hat und jetzt für das Bundesland Hessen den Bildungsserver mit Informationen zum globalen Lernen betreut. Das betreffe nicht nur die schulischen Fächer und ihre Lerninhalte, sondern das gesamte Schulleben. 

Dieser Ansatz, im Fachjargon Whole School Approach genannt, hat zum Ziel, „die gesamte Institution Schule nachhaltiger zu gestalten“, wie es im Orientierungsrahmen heißt. Aspekte wie nachhaltiger Konsum, Energieeffizienz und Wasserverbrauch in der Schule sollen einbezogen werden. Engagierte Lehrer und Eine Welt-Gruppen können sich in ihrem Bemühen um beispielsweise Fair-Trade-Produkte in Kantinen oder Schulkiosken auf den Orientierungsrahmen beziehen. „Wir brauchen eine Schule, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern Haltung stärkt“, sagt Bildungsministerin Simone Oldenburg. Das sei „kein Luxus, sondern Voraussetzung für Teilhabe und Zukunftsfähigkeit“. 

Öffnung gegenüber der Zivilgesellschaft

Zum Whole School Approach gehört auch, dass das System Schule sich anderen Kräften in den Kommunen und in der entwicklungspolitischen Zivilgesellschaft öffnet, etwa Eine-Welt-Initiativen und Migrantenorganisationen. Der Orientierungsrahmen empfiehlt ausdrücklich, die Eine-Welt-Fachpromotoren zum Globalen Lernen einzubeziehen genauso wie die Landeskoordinatoren für BNE, die, gefördert vom BMZ, in den meisten Bundesländern im Kultusministerium angesiedelt sind. 

Allerdings trifft der ambitionierte Orientierungsrahmen auf eine schulische Realität, in der Prüfungen im Mittelpunkt stehen, über die Lebenschancen verteilt werden. „Globale Themen können meist nur in Projekten untergebracht werden“, sagt Pädagoge Martin Geisz. Gleichzeitig steht das Bemühen um ein Engagement junger Menschen für eine lebenswerte Zukunft aller auch in einem Spannungsfeld zu einer Politik, die sich das Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele immer weniger zu eigen macht. 

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