Afrika muss mehr für seine Bodenschätze verlangen

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Karikatur von Wolfgang Ammer zu Bodenschätzen Afrikas als "Billigwaren".
Gastkommentar
Kobalt, Kupfer, Coltan: Afrika ist reich an Rohstoffen, aber davon hat es nicht viel. Die Minera­lien werden roh verkauft, die Wertschöpfung findet woanders statt. Die Rohstoffex­porteure des Kontinents müssen sich besser untereinander abstimmen, um das zu ändern.

"Alle haben einen Plan für Afrika – außer Afrika." Das wachsende Interesse an afrikanischen Mineralien bietet eine Gelegenheit zu prüfen, ob dieser alte Vorwurf noch zutrifft. Im Februar versammelten sich Minister aus aller Welt in Washington zu einem Gipfeltreffen zum Thema kritische Rohstoffe. Die Trump-Regierung kündigte außerdem das Projekt Vault an, eine strategische Mineralienreserve nach dem Vorbild der Erdölreserven, die eine 60-tägige Versorgung sichern soll. Italien, Frankreich und Deutschland wiederum treiben die Pläne Europas zum Aufbau von Vorräten an kritischen Mineralien voran.

Afrika war auf dem Gipfel dabei. Der Kontinent sollte auf solchen Treffen eigentlich über außerordentlichen Einfluss verfügen, denn ohne afrikanisches Kobalt, Lithium, Graphit und seltene Erden gibt es keine glaubwürdigen Strategien für kritische Mineralien. Und doch verließen die afrikanischen Delegierten Washington mit ziemlicher Sicherheit mit dem gleichen Deal, den der Kontinent immer bekommt: höhere Rohstoffpreise, gesteigerte Exportmengen – aber null strukturelle Veränderungen. Mehr Erz wird verschifft, doch der Mehrwert wird anderswo abgeschöpft.

Afrikanische Verhandlungsführer tun sich schwer, gemeinsam zu agieren

Das ist nicht unvermeidlich. Es ist eine Entscheidung, die afrikanische Verhandlungsführer treffen, wenn auch unbeabsichtigt. Sie tun sich schwer, gemeinsam zu agieren, selbst wenn optimale Ergebnisse in Aussicht stehen. Stattdessen treten die afrikanischen Staaten bei diesen Gipfeltreffen und Verhandlungen einzeln und ohne eine koordinierte Position auf, um jeweils nationale Vereinbarungen zu erzielen. 

Kritiker bescheinigen den Regierungen Afrikas seit jeher, sie seien unfähig, langfristig zu planen und zu handeln. Wohlwollend könnte man einwenden, dass dies unter anderem der Struktur afrikanischer Volkswirtschaften geschuldet ist. Laut der UN-Handelsorganisation UNCTAD sind 45 der 54 Volkswirtschaften des Kontinents nach wie vor von Exporten von Primärprodukten aus der Landwirtschaft, dem Bergbau und der Rohstoffindustrie abhängig. Das schränkt den Planungshorizont ein und benachteiligt Afrika dauerhaft in seinen Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern.

Autor

Gyude Moore

ist Distinguished Fellow am Energy for Growth Hub in Washington, D.C. Von 2014 bis 2018 war er in Liberia Infrastrukturminister.

Aber es geht hier nicht um einen Mangel an Fähigkeiten. Es geht um Weitsicht und Koordination. Ohne beides wird das erneute Interesse an afrikanischen Rohstoffen zwar zu weiteren Exporteinnahmen führen, den Kontinent aber nicht voranbringen, während der Rest der Welt mit Hilfe afrikanischer Ressourcen sich strukturell weiterentwickelt.

Kaum Fortschritte in der afrikanischen Wertschöpfungskette

Trumps Projekt Vault legt den Schwerpunkt bewusst darauf, möglichst schnell Zugriff auf möglichst große Mengen zu erhalten. Das sind keine guten Voraussetzungen für Afrikas Industrialisierungspläne. Das gilt ebenso für die Allianz Europas für kritische Mineralien, die sich auf die Hortung von Mineralien konzentriert, um die Abhängigkeit von China zu verringern. Beide Initiativen bedeuten, dass es kaum Fortschritte in der afrikanischen Wertschöpfungskette gibt. Es gab keine öffentlichen Erklärungen darüber, dass der Kauf von Rohstoffen mit einer Verarbeitung auf dem Kontinent, einem Technologietransfer oder einer lokalen Fertigung verbunden sein muss.

Trotzdem bieten die Initiativen Spielraum, den besser organisierte und vorbereitete afrikanische Staaten nutzen könnten. Die voraussichtlich dauerhaft höhere Nachfrage nach afrikanischen Erzen und die Einnahmen daraus bieten die Möglichkeit, eine Infrastruktur aufzubauen, die Afrikas aufstrebender Industrie zugutekommt.

Afrika muss sich auf den Wert pro Tonne konzentrieren

Dazu muss der Kontinent hart verhandeln und sich auf eine einzige unmissverständliche Kennzahl konzentrieren: den Wert pro Tonne. Die afrikanischen Rohstoffexporteure müssen diese Kennzahl ins Zentrum der Verhandlungen stellen: den heute erzielten Exportwert im Vergleich zum Wert nach jedem Veredelungsschritt zuzüglich der erforderlichen Investitionen, um die nächste Verarbeitungsstufe zu erreichen. Das zwingt dazu, jede Diskussion über kritische Mineralien auf industrielle Ergebnisse zu konzentrieren und nicht bei Partnerschaftsrhetorik zwischen Lieferanten und Abnehmern stehen zu bleiben.

Zudem muss der Stopp von Rohstoffexporten, wie ihn unlängst etwa Simbabwe für Lithium beschlossen hat, glaubhaft sein. Ein solcher Stopp darf nicht am Anfang, sondern muss am Ende eines systematischen Aufbaus von Verarbeitungskapazitäten und eines besseren Managements des Rohstoffsektors stehen. Viele Länder verbieten den Export von Rohstoffen, ohne dass das politisch flankiert wird, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Stattdessen sollten Rohstoffexporteure stufenweise vorgehen und etwa Exportsteuern dann anheben, wenn die lokale Verarbeitung bestimmte Schwellenwerte überschritten hat. Oder von Bergbauunternehmen differenzierte Lizenzgebühren verlangen, die für lokal verarbeitete Produkte niedriger und für den Export von Rohmineralien höher sind. 

Schließlich muss die dauerhafte Rohstoffnachfrage für Investitionen in die Energieversorgung genutzt werden, die für die Verarbeitung von Erzen erforderlich ist. Die afrikanischen Teilnehmer am Projekt Vault müssen das Geld aus den USA nutzen, um den Energieengpass zu beseitigen. Das gilt ebenso für andere Infrastruktur: Wenn die USA staatliche Mittel einsetzen, um die Rohstoffversorgung zu sichern, sollte Afrika darauf bestehen, dass solches Geld auch in Verarbeitungsindustrien, in Eisenbahnverbindungen und in Häfen fließt. Die Finanzierung von Verarbeitung in Afrika sollte zur Bedingung für Rohstofflieferverträge gemacht werden. 

Der Kontinent muss koordiniert vorgehen

Außer der Demokratischen Repub­lik Kongo verfügt kein afrikanisches Land über ausreichende Vorkommen an kritischen Mineralien, um eigenständig solche Konzessionen zu fordern. Deshalb muss der Kontinent koordiniert vorgehen. Nach der Logik der afrikanischen Freihandelszone AfCFTA sollten zwei bis vier regionale Korridore mit gemeinsamen Standards zur Verarbeitung von Rohstoffen aus mehreren Ländern geschaffen werden.

Wenn Afrika das Projekt Vault, Europas strategische Mineralienallianz und verschiedene andere ähnliche Bemühungen nur als weitere Gelegenheit sieht, die Einnahmen aus dem Rohstoffexport zu steigern, wird sich nichts ändern: Afrika sahnt ab, tritt aber strukturell auf der Stelle. Wenn der Nachfrageboom aber vertraglich an den Aufbau einer Verarbeitung in Afrika gekoppelt wird, kann der Kontinent die strategische Dringlichkeit der USA und Europas in lokale Industriekapazitäten ummünzen. Die Entscheidung liegt in Afrika. 

Aus dem Englischen von Tillmann Elliesen.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2026: Die dritte Gewalt
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