Vor wenigen Tagen wollte ich für „welt-sichten“ die Produktmanagerin eines Fair-Handels-Unternehmens aus Ghana in Frankfurt treffen, doch das ist gescheitert: Sie bekam kein Visum. Das war kein Einzelfall. Ob Forschende, die bei wissenschaftlichen Konferenzen sprechen sollen, Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen oder nichtstaatlichen Organisationen oder auch Repräsentanten von Wirtschaftsunternehmen: Vor allem wer aus Afrika kommt, muss mit enormen Schwierigkeiten rechnen, auch nur kurze Zeit ins Land gelassen zu werden.
Kürzlich hat eine Forschungsgruppe unter der Federführung der Europa-Universität Flensburg analysiert, wie lange man bei deutschen Auslandsvertretungen auf einen Termin für die Beantragung eines Visums warten muss. Das Ergebnis: Je ärmer das Land, desto länger die Wartezeiten und desto höher oft auch die Gebühren für die Antragsteller. Selbst die Chance, überhaupt verfügbare Termine angezeigt zu bekommen, ist in ärmeren Ländern deutlich niedriger. Wer dort einen Visumantrag stellt, muss sich oft wochenlang immer wieder auf die entsprechende Website klicken und dann häufig noch einmal monatelang erst auf den Termin, dann auf den Entscheid warten, und der ist oft genug ablehnend.
Demütigend ist auch das Procedere: Da müssen in ihren Ländern hoch angesehene Fachleute mit etlichen Unterlagen und Dokumenten darlegen, weshalb sie auf jeden Fall wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen und werden. Sie müssen ihre Einkünfte, ihre Wohnsituation, ihre Krankenversicherung und familiäre Bindung offenlegen. Dazu kommt, dass die Entscheidungswege von Botschaften und Konsulaten für Antragstellende oft nicht nachvollziehbar sind und das kostenlose Einspruchsverfahren im Juli 2025 abgeschafft wurde.
Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht mit Steinen werfen. Deutschlands Visumpraxis ist skandalös und sollte dringend geändert werden. Statt allen, die ein Visum beantragen, pauschal zu unterstellen, dass sie illegal im Land bleiben möchten, sollten Beamte deren Anträge nach transparenten Kriterien prüfen und die Bearbeitungszeiten einheitlich und möglichst kurz gestalten – egal, auf welchem Kontinent der Antrag gestellt wird.
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