Der Norden Mosambiks ist reich an Bodenschätzen. So wurden vor der Küste von Cabo Delgado vor Jahren große Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Doch von den Gewinnen profitiert die lokale Bevölkerung nicht; die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Politisch fühlt sich die mehrheitlich muslimische Bevölkerung in der Provinz nicht von der Regierung vertreten, die vor allem aus Christen besteht, die in Mosambik die Mehrheit stellen. Für radikale Ideologien wie den Dschihadismus ist das ein guter Nährboden.
Zu Gewalt kam es in Cabo Delgado erstmals im Oktober 2017. Damals entlud sich der Frust einer abgehängten jungen Generation an staatlichen Einrichtungen in der Hafenstadt Mocimbao da Praia. Drahtzieher des Aufstands war die lokale Islamistengruppe Al-Shabaab, die sich in den Folgejahren mit dem internationalen Netzwerk des IS verbündeten. Die Auseinandersetzungen mit den staatlichen Sicherheitskräften wurden immer brutaler; Mosambik bekam schließlich militärische Unterstützung von Ruanda und Tansania, deren Truppen bis heute im nördlichen Grenzgebiet gegen die Dschihadisten kämpfen. Seit 2017 sind in diesem Konflikt mehr als 6600 Menschen ums Leben gekommen. Gut eine Million mussten fliehen.
Lösegeld als Finanzquelle
Jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass die Dschihadisten einen Islamischen Staat in Cabo Delgado errichten wollen. Wie in anderen Ländern finanzieren sie ihren Kampf unter anderem mit dem Lösegeld aus Entführungen. „Ihren Entführungsopfern sagen sie, dass sie für ein Kalifat arbeiten“, sagt António Juliasse, Bischof von Pemba, der Provinzhauptstadt von Cabo Delgado.
Wie groß der Einfluss der internationalen Islamistenszene auf den Konflikt in Cabo Delgado ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Der Historiker Eric Morier-Genoud von der Universität in Belfast, der zu dschihadistischen Gruppen in Afrika forscht, geht davon aus, dass die Hauptfaktoren vor allem in der Armut, Ungleichheit und Perspektivlosigkeit im Norden Mosambiks zu suchen seien, vor allem unter jungen Menschen in Cabo Delgado. Der Dschihadismus greife das auf und übersetze es in eine politische Agenda, nämlich die Ablehnung des säkularen Staates und die Forderung nach einem Kalifat unter der Scharia, sagt Morier-Genoud im Interview mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Islamistische Bewegungen gebe es schon seit längerem in dieser Region Mosambiks. Zur Radikalisierung habe die Regierung anfangs selbst beigetragen, indem sie zu Beginn der Konflikte 2017 alle Muslime unter Generalverdacht gestellt und nicht zwischen Islam, politischem Islam und bewaffnetem Dschihadismus unterschieden habe, sagt Morier-Genoud. Bischof Juliasse bestätigt, dass unter den Dschihadisten viele Einheimische sind. „Es mag einige Ausländer geben“, der Großteil seien aber „Söhne dieses Landes“.
Umso mehr müsse man den Dialog mit ihnen suchen, „bevor es zu spät ist“, sagt Juliasse. Denn das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen leide mittlerweile sehr unter den Konflikten. „Früher nahmen Christen in den Dörfern von Cabo Delgado an muslimischen Beerdigungen teil und umgekehrt“, sagt der Bischof. Das würden viele jetzt nicht mehr tun. Die Aufständischen griffen seit einiger Zeit nicht mehr nur staatliche Einrichtungen an, sondern gezielt auch Christen, die in Cabo Delgado in der Minderheit sind. Aus katholischen Kreisen heißt es, dass seit 2017 mehr als 300 Katholiken ermordet worden seien, viele durch Enthauptung. Mindestens 117 Kirchengebäude seien zerstört worden.
Ihn beunruhige „die Hassrede, die mit der Gewalt einhergeht“, sagt Juliasse. Die Religion beginne zu spalten; militärische Gewalt könne nicht die einzige Antwort darauf sein. „Die Menschen in Mosambik müssen miteinander sprechen, damit dieser Krieg enden kann.“
Auch Präsident Daniel Chapo hat offenbar verstanden, dass eine rein militärische Strategie gegen die Aufständischen zum Scheitern verdammt ist. Bei einem Besuch in Mocimboa da Praia Ende Juni kündigte er an, das Gespräch mit den Aufständischen zu suchen. Er sei bereit, „alle möglichen Mittel“ einzusetzen, dass Frieden in Cabo Delgado möglich werde. Damit die Provinz sich entwickeln könne, brauche es vor allem „einen Dialog unter Brüdern“.

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