Im Brennpunkt

Der chronische Hunger

Die Vereinten Nationen warnen vor einer globalen Nahrungsmittelkrise im Jahr 2013
Die Vereinten Nationen warnen vor einer globalen Nahrungsmittelkrise im Jahr 2013

(16.10.2012) 870 Millionen Menschen leiden derzeit an chronischer Unterernährung. So lautet die aktuelle Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Besonders dramatisch sei die Situation in Burundi, Eritrea und Haiti. Dort seien mehr als die Hälfte der Menschen unterernährt.

Damit revidiert die FAO ihre früheren Schätzungen nach unten - bisher war sie von rund einer Milliarde Hungernder ausgegangen. Nach den neuen Zahlen ist der Hunger vor der Finanzkrise von 2008 stärker als angenommen zurückgegangen. Die Vereinten Nationen befürchten aber Rückschläge im Jahr 2013. Die weltweiten Getreidereserven seien aufgrund der hohen Ernteausfälle unter anderem in den USA so niedrig und die Preise so hoch, dass "kein Raum mehr bleibt für unerwartete Klima-Ereignisse" wie Dürren und Überschwemmungen, warnt die FAO. Die Folgen für die Preise der Nahrungsmittel und damit die Zahl der Hungernden seien unabsehbar.

NGOs kritisieren die Exportpolitik der EU 

Die Deutsche Welthungerhilfe macht insbesondere den wachsenden Kampf um Land, Wasser und Rohstoffe verantwortlich. Wenn Großinvestoren Land kaufen oder pachten wollten, müssten Kleinbauern einbezogen und ihre Rechte gesichert werden, fordert Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann. Auch "Brot für die Welt" und die Menschenrechtsorganisation FIAN kommen in ihrem "Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2012" zu dem Schluss, dass privatwirtschaftliche Unternehmen und Finanzinvestoren immer stärkeren Einfluss auf die Welternährung nehmen. Kamerun zeige beispielhaft die Ursachen der Hunger- und Nahrungsmittelkrisen: Ausländische Geldgeber investierten riesige Summen in die Agrarindustrie, auch der Staat sowie Forst- und Bergbauunternehmen beanspruchten Land - dafür vertrieben sie die heimische Bevölkerung von ihren Äckern. 

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) macht die Europäische Union (EU) für die Zerstörung lokaler Märkte mitverantwortlich, weil sie Agrargüter zu staatlich subventionierten Niedrigpreisen in Entwicklungsländer exportiere. Im Rahmen der Aktionswoche "Hunger durch Armut: Verdächtig Europa" fordert Venro, das Recht auf Nahrung in die Gesetze zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aufzunehmen. (osk; mit epd)

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Kommentare

Danke, dass Sie dieses Thema aufgreifen - unglaublich, mit welcher Gleichgültigkeit wir diesen Skandal einfach hinnehmen.

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