Weiterbildung für die Arbeiterinnen und Arbeiter und ein Einkommen, das über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt: Die Textilfabrik League in Ciudad Arce ist ein Vorzeigebetrieb.

Cecibel Romero

Textilbranche in El Salvador: Freiwillig unter der Lupe

Heute riskiert die Textilindustrie in Bangladesch ihren Ruf, in den 1990er Jahren zog sie in Zentralamerika scharfe Kritik auf sich. In El Salvador kontrolliert seitdem eine unabhängige Monitoring-Gruppe die Arbeitsbedingungen. Hat das etwas verbessert?

Der Zeitpunkt war günstig. Skandale in Zulieferbetrieben des US-Marke Gap hatten die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten wachgerüttelt. Es gab Boykottaufrufe, der Umsatz brach empfindlich ein. Gap war der erste Textilkonzern, der akzeptierte, dass er für Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in seinen Subunternehmen in Guatemala, Honduras und El Salvador Verantwortung trägt. Weltweit wurden Zulieferverträge mit 136 Firmen aufgelöst. Die anderen würden regelmäßig überprüft, versprach die Konzernleitung in San Francisco.

Und weil ein Monitoring durch den Auftraggeber in der Öffentlichkeit nur begrenzt glaubwürdig ist, wurde 1996 die Apparel Industry Partnership (Partnerschaft der Bekleidungsindustrie, AIP) ins Leben gerufen: ein grenzüberschreitender Zusammenschluss von Textilkonzernen, Gewerkschaften und nichtstaatlichen Organisationen (NGOs), die gemeinsam die Arbeitsbedingungen in den Maquilas überwachen wollten. Gmies versuchte dasselbe in El Salvador, gewissermaßen als nationale Unterorganisation von AIP.

Das internationale Bündnis hielt nicht lange. Gewerkschaften und etliche an der AIP beteiligte NGOs wollten mehr als nur die Anwendung des jeweiligen nationalen Arbeitsrechts überprüfen. Sie forderten Löhne, von denen eine Familie leben kann. Die in Zentralamerika geltenden Mindestlöhne aber reichen meist nur für ein rundes Drittel des minimalen Warenkorbs einer Durchschnittsfamilie. Die Forderung hätte eine erhebliche Steigerung der Lohnkosten bedeutet, und da machten die Textilkonzerne nicht mit. In der Folge stiegen die meisten Gewerkschaften und viele NGOs aus der AIP aus, die sich dann 1999 als Fair Labor Association (Vereinigung für faire Arbeit) neu konstituierte. Firmen wie Adidas, Puma, H&M, Nestlé und Apple gehörten mit zu den Gründungsmitgliedern. Die Gewerkschaften blieben außen vor.

Gmies blieb dem ursprünglichen Konzept treu. Zu der Gruppe gehören neben Arbeits- und Menschenrechtlern weiterhin auch Gewerkschaftsmitglieder. Auch die Arbeitgeberseite ist vertreten, wenn auch nur schwach. Und Gmies tut weiter das, was eigentlich Aufgabe des Arbeitsministeriums ist: Die Gruppe überwacht die Produktionsbedingungen in Maquilas. Die staatlichen Kontrollinstanzen seien chronisch unterbesetzt und würden deshalb von der Industrie nicht ernst genommen, weiß Claudia Monterrosa, die sich bei Gmies um Textilfabriken kümmert. „Wir versuchen deshalb, Konflikte immer über die Auftraggeber, also die internationalen Bekleidungskonzerne zu lösen.“ Die hätten viel mehr Einfluss auf die örtlichen Unternehmen als der Staat: „Ihr Wort ist Gesetz, wie eine Enzyklika des Papstes.“

Selbst die Regierung kuscht vor der Macht der Konzerne

Natürlich könne man auch die Arbeitsgerichte einschalten, sagt Gmies-Geschäftsführer Sandoval. „Aber die Praxis hat gezeigt, dass der Weg über die Konzerne sehr viel schneller ist. Vor Gericht kann es Jahre dauern, bis ein Fall von Arbeitsrechtsverletzungen gelöst ist.“ Wenn ein internationaler Konzern um das Ansehen seiner Marke fürchten müsse, gehe alles sehr schnell. „Ihre Vorgaben sind mehr wert als das beste Arbeitsrecht.“ Selbst die Regierung kusche vor der Macht der Konzerne und mache ihnen den Hof.

Sechzehn zollfreie Produktionszonen wurden in El Salvador für Maquilas eingerichtet, rund 200 Fabriken haben sich dort niedergelassen. Sie müssen weder Einfuhr- noch Ausfuhrzölle bezahlen, sind von der Umsatzsteuer befreit und müssen in den ersten zwölf bis fünfzehn Jahren auch keine Gewinnsteuer abführen. Die Nähereien haben mit gut 80.000 Arbeitsplätzen in El Salvador – in ganz Zentralamerika sind es etwas mehr als 400.000 – die weitaus meisten Beschäftigten der Maquila-Industrie. Daneben gibt es noch ein paar wenige Montagebetriebe der Elektroindustrie.

erschienen in Ausgabe 2 / 2014: Neue Helden der Arbeit

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