Faire Pillen gesucht

Schlafkrankheit, Elefantiasis und Flussblindheit: An diesen Krankheiten leiden vor allem arme Menschen in den Tropen. Für die Pharmaindustrie winken da keine Profite. Dennoch kann man sie dazu bringen, neue Medikamente zu entwickeln.

Für die Pharmaunternehmen seien Produktentwicklungspartnerschaften der „goldene Weg“, um Medikamente für Patienten bereitzustellen, deren „Kaufkraft gleich Null ist“, sagt  Harald Zimmer vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa). So sei die Zahl der Projekte für Mittel gegen Armutskrankheiten zwischen 2008 und 2012 von 67 auf 162 gestiegen. Die Industrie bringe neben Substanzen auch das Wissen über deren Wirkung sowie Laborkapazitäten ein. Novartis, MSD und GlaxoSmithKline unterhalten laut Zimmer inzwischen spezielle Labore für die Forschung etwa zu Dengue-Fieber- und Tuberkulose-Medikamenten sowie zu Impfstoffen gegen vernachlässigte Krankheiten.

Engagement der Bundesregierung

Die Bundesregierung engagiert sich seit 2011 ebenfalls verstärkt im Kampf gegen solche Krankheiten. Im vergangenen Jahr gab sie dafür laut „G-Finder“ rund 47 Millionen Euro aus. Das Bundesforschungsministerium steuerte mit rund 13,7 Millionen Euro den größten Anteil bei, wie dessen Sprecher Rüdiger Fischer mitteilt.

Es fördert unter anderem drei Produktentwicklungspartnerschaften, darunter DNDi, sowie Projekte an Universitäten und öffentlichen Einrichtungen. Ferner beteiligt es sich an einer gemeinsamen Initiative europäischer und afrikanischer Staaten, die mit Hilfe klinischer Tests die Zulassung besserer Mittel gegen Aids, Malaria und Tuberkulose voranbringen will.

Es sei beabsichtigt, „die Forschungsförderung in diesem für die Weltgesundheit wichtigen Bereich zu stärken“, erklärt Fischer – das steht im Übrigen auch im Koalitionsvertrag. Und es wird nötig sein, denn gerade die Investitionen in die viel gepriesenen Produktentwicklungspartnerschaften sind im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um ein Fünftel gesunken, der größte Rückgang seit ihrem Bestehen, wie der „G-Finder“-Bericht feststellt.

Für Philipp Frisch, den Leiter der Medikamentenkampagne von „Ärzte ohne Grenzen“, ist das Engagement der Bundesregierung ein „guter erster Schritt“. Doch gemessen an seiner Wirtschaftskraft übernehme Deutschland zu wenig Verantwortung, sagt er. Mit mehr Geld allein ist es allerdings nicht getan. Ein grundlegender Wandel in der Forschungspolitik sei nötig, meint Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne. Bislang sei sie darauf ausgerichtet, dass die Pharmaindustrie mit Forschungsergebnissen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden, möglichst viel verdient. Stattdessen müsse sichergestellt werden, dass möglichst viele Menschen einen gesundheitlichen Nutzen haben.

Dies sei etwa im Rahmen des sogenannten „equitable licensing“ möglich: Wenn eine öffentliche Einrichtung einen Wirkstoff entdeckt hat, könne die Lizenz zur Produktentwicklung beispielsweise mit der Verpflichtung verknüpft werden, das Arzneimittel Entwicklungsländern zu einem geringeren Preis zur Verfügung zu stellen, sagt Wagner-Ahlfs. Hierfür müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

erschienen in Ausgabe 3 / 2014: Medizin: Auf die Dosis kommt es an

Neuen Kommentar schreiben