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Die G20-Staaten wollen stärker gegen Terror-Propaganda im Internet vorgehen. Gut so – andere machen längst vor, wie das geht.

Auf dem Gipfeltreffen in Belek waren sich die Staatsoberhäupter so einig wie selten. Sie wollen dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zudrehen, Grenzen besser kontrollieren und den Flugverkehr sicherer machen. Und auch gegen Online-Propaganda werden sie dem Beschluss zufolge künftig stärker vorgehen.

Das klingt vielversprechend. Denn die virtuelle Welt ist für radikale Islamisten kein Spielplatz, sondern wichtiger Bestandteil ihrer Strategie. Zum einen rekrutiert der „Islamische Staat“ (IS) viele neue Mitglieder über soziale Netzwerke, zum anderen will er auch dort für Angst und Schrecken sorgen – zum Beispiel mit Drohvideos oder Filmen von Enthauptungen und Terroranschlägen. Ihr Geld liegt in virtueller Währung auf Internet-Banken; außerdem tauschen die Anhänger des IS sich ebenso wie der Rest der Welt über digitale Medien aus.

Der G20-Beschluss umfasst den einfacheren Datenabgleich zwischen Geheimdiensten und eine verschärfte Suche nach IS-Propaganda im Netz. Ganz neu ist das nicht. Ähnliches hat die EU bereits im Januar beschlossen; im Juni haben die Vereinten Nationen auch große Anbieter wie Google, Facebook und Twitter aufgefordert, extremistische Botschaften aufzuspüren und zu löschen. Mit einem Klick ist alles weg: Schön, wenn es so einfach wäre. Den Opfern der Terroranschläge in Paris, Beirut oder auf das russische Verkehrsflugzeug über dem Sinai hat das jedenfalls nicht geholfen.  

Ein wenig sticheln

Trotzdem ist es richtig, dass die G20-Staaten eine solche Strategie entwickeln. Die sollte zwar nicht auf Kosten des Datenschutzes gehen, doch es gibt eindrucksvolle Beispiele dafür, wie terroristische Gruppen im Internet ausgebremst werden können. Das hat jüngst vor allem die Zivilgesellschaft gezeigt. Das Netzwerk Anonymous hat in den vergangenen Monaten knapp 150 IS-Webseiten zum Absturz gebracht, Listen mit mehr als 100.000 verdächtigen Twitter-Accounts veröffentlicht und fast 6000 Propagandavideos gemeldet.

Zudem hat ein Teil der Hackergruppe dem IS nach den Anschlägen in Paris den Cyberkrieg erklärt und will noch mehr Seiten lahmlegen oder Personen- und Finanzdaten veröffentlichen. Manche der Netzprofis arbeiten im Kampf gegen den IS bereits mit Behörden zusammen. Auch wenn Vorsicht vor Fehlinformationen und Trittbrettfahrern geboten ist: Die Geheimdienste können zusätzliche Daten gut brauchen.

Angesichts der vielen Opfer des IS-Terrors weltweit, vor allem aber in Syrien und im Irak, mag das Internet zwar als unwichtiger Nebenkriegsschauplatz erscheinen. Und es wäre naiv zu glauben, dass die Kämpfer des IS deshalb bald ihre Sprengstoffgürtel beiseitelegen. Dafür genügt weder eine digitale Bürgerwehr noch der neue Plan der G20. Aber zumindest kann beides helfen, die Terroristen bei ihrem Treiben zu stören und vor allem ihre Propaganda einzuschränken.  

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