Entwicklungsdienst

Der frühere Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterzeichnet im Dezember 2010 den Vertrag, der die Fusion von GTZ, DED und InWent besiegelt.

Entwicklungsdienst

Fusion misslungen

Vor fünf Jahren wurden die Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) einverleibt. Dort sind sie offenbar nie richtig angekommen.

Kritiker der Fusion von Deutschem Entwicklungsdienst (DED) und GIZ hatten von Anfang an gewarnt: Als Teil von Programmen der staatlichen technischen Zusammenarbeit würden Entwicklungshelfer ihre Fähigkeiten nicht entfalten und nicht mehr so wirksam arbeiten können wie früher. Eine Evaluierung bestätigt diese Befürchtung nun: Die Integration der Entwicklungshelfer in die GIZ sei „unzulänglich“; ihre Stärken seien in der GIZ „bisher nur unzureichend verinnerlicht“ worden; das Management von GIZ-Programmen sei „in der Regel“ nicht über diese Stärken informiert, heißt es in der Studie des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit (DEval).

Der Wert der Entwicklungshelfer liegt laut den Gutachtern darin, dass sie als Berater ihrer Partnerorganisationen einen kritischen Blick von außen mitbringen. Ein guter Entwicklungshelfer zeichne sich durch eine Arbeitsweise aus, die auf Partnerschaftlichkeit, Reflexion, interkulturellem Austausch und solidarischem Engagement beruht. Bei guten Rahmenbedingungen könnten die Helfer mit ihren Partnern ein „gemeinsames Erfahrungswissen“ aufbauen. In den Programmen der GIZ hingegen reduzieren sich diese Besonderheiten „auf eine auf der Mikroebene verfügbare Arbeitskraft“, heißt es in der Studie.

Mitarbeitende "dritter Klasse"

Laut Evaluierungsbericht ist es der GIZ bislang nicht gelungen, die unterschiedlichen Ziele und Ansätze von technischer Zusammenarbeit und Entwicklungsdienst so miteinander zu verknüpfen, dass sie sich gegenseitig verstärken. Im Gegenteil: Die Abstimmung zwischen dem Management der technischen Zusammenarbeit und den Partnerorganisationen, in denen die Helfer tätig sind, sei unzureichend mit der Folge, dass die Partner ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sähen. Die Helfer bringe das in schwierige Rollenkonflikte: Die Programmmanager sehen sie als ihre Mitarbeiter, während die Partnerorganisationen sie für sich beanspruchen. Auch deshalb fühlten sich viele Entwicklungshelfer in der GIZ „als Mitarbeitende dritter Klasse“.

Die Mängel führen laut der Evaluierung dazu, dass die Arbeit der in die GIZ integrierten Entwicklungshelfer „trotz günstigerer Ausgangsbedingungen“ bei finanzieller und materieller Ausstattung nicht wirksamer ist als die ihrer Kollegen und Kolleginnen von nichtstaatlichen Diensten wie Brot für die Welt, Eirene oder der katholischen AGEH.

Reaktionen auf die DEval-Evaluierung

GIZ:

Die Ergebnisse der Studie sind für die GIZ wichtig und wir nehmen sie sehr ernst. Erfreulich ist die grundsätzlich positive Bewertung, „dass die Vermittlung von EHs (…

Insgesamt sehen die Gutachter in der Entsendung von Entwicklungshelfern und -helferinnen in Partnerorganisationen in Länder des Südens weiter ein sinnvolles Instrument der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Allerdings betrachten sie das Modell des Helfers, der freiwillig und ohne Erwerbsabsicht für eine begrenzte Zeit seine fachlichen Dienste anbietet, als  längst nicht mehr zeitgemäß. Das liege vor allem daran, dass die Ansprüche der Partnerorganisationen gestiegen sind: Gefragt seien heute hochqualifizierte Fachleute, die möglichst Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und am besten auch Kenntnisse der Region mitbringen. Das, so heißt es in der Studie, finde seinen Niederschlag in einer „zunehmenden Orientierung von Entwicklungshelfern in Richtung eines dauerhaften beruflichen Engagements in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Die Partner haben nichts zu sagen

Die Evaluierung nennt aber eine Reihe von Mängeln, die die Wirksamkeit der Arbeit von Entwicklungshelfern sowohl der GIZ als auch nichtstaatlicher Entsender schmälern. So orientiere sich der Einsatz der Helfer häufig nicht am Bedarf der Partnerorganisationen; diese würden generell zu wenig an der Planung der Einsätze oder der Auswahl der Helfer beteiligt. Außerdem werde oft nicht ausreichend geprüft, ob dieselbe Arbeit von einheimischen Fachkräften übernommen werden könnte; die Gutachter verweisen auf Fälle, in denen Partnerorganisationen  Entwicklungshelfer beschäftigten, weil sie einheimisches Personal, das zur Verfügung gestanden hätte, nicht bezahlen konnten.

Die Evaluierung bescheinigt den Entwicklungshelfern und -helferinnen nur eine beschränkte entwicklungspolitische Breitenwirkung über den unmittelbaren Nutzen für die Partnerorganisation hinaus. Eine solche Wirkung werde am ehesten dadurch erzielt, dass der Helfer dazu beitrage, die Partnerorganisation in Netzwerke oder übergreifende entwicklungspolitische Programme einzubinden. Das gelinge vor allem den Entwicklungshelfern nichtstaatlicher Dienste nur selten. Die Relevanz der Entwicklungshelfer für die aktuelle deutsche Entwicklungspolitik insgesamt bewerten die Gutachter mit „moderat“.

Zum Auftrag des Entwicklungshelfers gehört, dass er nach seiner Rückkehr zur entwicklungspolitischen Bewusstseinsbildung der deutschen Gesellschaft beiträgt. Die DEval-Gutachter kommen zum Schluss, dass das nur eingeschränkt passiert, betonen aber, dass sie diese Frage nur am Rande untersucht haben. Sie verweisen zudem auf ein Spannungsverhältnis, das „sich nicht befriedigend auflösen“ lasse: Zurückgekehrte Entwicklungshelfer haben häufig Probleme, in Deutschland wieder Arbeit zu finden – vor allem je länger sie im Ausland gewesen sind. Kürzere Einsätze könnten das Problem entschärfen, würden aber gleichzeitig die Wirksamkeit des Dienstes bei der Partnerorganisation schmälern. Denn der sei umso größer, je erfahrener der Helfer sei.    

erschienen in Ausgabe 4 / 2016: Entwicklungsbanken: Geld mit Nebenwirkungen

Kommentare

"Die Partner haben nichts zu sagen";"...ein erfrischender Kommentar, danke! Wir Insider wissen das schon lange, aber sicherlich ist es besser, dass offizielle Stellen diesen Misstand mit einem Siegel versehen. EDGET arbeitet seit 10 Jahren in Äthiopien und hat ein vertrauensvolles Netzwerk aufgebaut - von der Makro- zur Mikroebene. Mittlerweile wachsen wir rasant, mit Mitteln, die hauptsächlich in Äthiopien eingeworben werden. In der Theorie sollte ZUSAMMENARBEIT bedeuten, dass die fremde Kultur erst einmal verstanden wird, d.h. ZUHÖREN ist für eine längere ZEIT wichtiger, als Ratschläge zu erteilen. Maßnahmen werden erst GEMEINSAM beschlossen, wenn diese Voraussetzung gegeben ist. Dem stehen meist ZEIT, WILLE und leider schwach ausgebildete ACHTSAMKEIT entgegen. Also wird weiterhin verfahren, wie bisher: Eurozentrierte Konzepte, unangemessen hohe Personalbesoldung, auch bei den lokalen Gehältern - im Vergleich, Unterschätzen der Qualifikationen einheimischen Personals, Vergabe von Aufträgen in Europa statt in den armen Ländern usw. Auf diese Art wird ZUSAMMENARBEIT zum Diktat, das von den Armen zwangsläufig abgenickt wird - aus lauter Angst, sonst gar nichts vom kleinen Kuchen abzubekommen. Die Gutachter stellen dann hinterher wieder fest, dass die Nachhaltigkeit nicht gegeben ist. Der Kreislauf des Elends der Entwicklungszusammenarbeit beginnt von Neuem. Das es anders geht, beweisen wir täglich.

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