Weltwirtschaft
 Vorwärts in eine goldene chinesisch-afrikanische Zukunft? Eine chinesische Zugbegleiterin und ihr kenianischer Kollege der von China finanzierten Eisenbahn von Nairobi an die Küstenstadt Mombasa.

Thomas Mukoya/REUTERS

Weltwirtschaft

„Für viele arme Länder ist die Frage, welche Zukunft sie ohne Globalisierung haben“

Handelsbeschränkungen sind zu einem Mittel der geopolitischen Konkurrenz geworden. Droht eine De-Globalisierung und verringert das die Möglichkeiten armer Länder, mehr Wohlstand zu erreichen? Gespräch mit dem Ökonomen Kunal Sen

Hat die geopolitische Rivalität – vor allem  zwischen China und den USA – Einfluss auf die Weltwirtschaft?

 Kunal Sen ist seit 2019 Direktor des World Institute for Development Economics Research der UN-Universität (UNU-WIDER) in Helsinki und Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Manchester.Privat
Ja. Es gibt eine Tendenz zum Protektionismus in den USA, in einem gewissen Maße in China und auch in Indien. Und das hat nichts damit zu tun, wer gerade die Regierung stellt. In den USA hat Donald Trump auf Handelsbeschränkungen gesetzt und die neue Regierung Biden tut es auch. Das ist ein struktureller Trend.

Was sind die Gründe dafür?
Der eine ist in den USA das Gefühl, dass man einheimische Arbeitsplätze schützen muss. Zu den größten Veränderungen der letzten zwanzig Jahre gehört das rasante Wirtschaftswachstum Chinas. Nachdem es 2001 der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten war, stiegen die Exporte steil an, und die USA wurden ein wichtiger Absatzmarkt für chinesische Waren. Diese Globalisierung hat einen starken Rückgang der Armut in China bewirkt, und das ist der Hauptgrund für den Rückgang der weltweiten Armut. Andererseits wirkte dieser Globalisierungsschub als Schock auf den amerikanischen Arbeitsmarkt: Viele Arbeitnehmer verloren ihren Arbeitsplatz oder ihr Einkommen stieg allenfalls minimal. Dies hat die Regierung und Politiker in den USA unter Zugzwang gesetzt. Das naheliegende Mittel sind Handelsbeschränkungen, statt Arbeitnehmer zum Beispiel mit Qualifizierungsmaßnahmen oder besserer Bildung zu unterstützen. Arbeitsplätze zu schützen ist allerdings seit jeher eine Sorge der Handelspolitiker. Die zweite Ursache für wachsenden Protektionismus ist neu: Die Sorge des Westens, dass China wichtige Schlüsseltechnologien meistern lernt und es schafft, eine Hightechindustrie von Weltrang aufzubauen. Die große Befürchtung ist, dass China eines Tages das Silicon Valley im Wettbewerb hinter sich lässt und dass es Spitzentechnologie für Sicherheitszwecke nutzt.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2021: Das Spiel der großen Mächte

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