Afrikas neue Kriege
 Mitglieder der Anti-Balaka-Miliz in der Zentralafrikanischen Republik präsentieren im April 2017 ihre Waffen.

Baz Ratner/Reuters

Afrikas neue Kriege

Gewalt ist nun ein profitables Geschäft

Rebellen und Regierungsvertreter in vielen afrikanischen Staaten schüren Konflikte, damit ausländische Geber für den Kampf dagegen zahlen. Die werden so unbeabsichtigt zu Komplizen der Gewalt. 

Vor vier Jahren, im August 2018, brach im kriegsgebeutelten Nordosten der Demokratischen Republik Kongo Ebola aus. Zum zehnten Male schon suchte das tödliche hämorrhagische Fieber den Kongo heim, aber das hier war der erste Ausbruch in einer Konfliktzone, in der aktiv gekämpft wurde. Während der westafrikanischen Ebola-Epidemie von 2014 war zu wenig Hilfe gekommen – und die auch noch zu spät. Diese Situation sollte sich im Kongo keinesfalls wiederholen. Daher schlugen die Geber alle Vorsicht in den Wind: Mehr als 700 Millionen US-Dollar pumpten sie in den folgenden 20 Monaten in den Nordosten des Landes, um die Krankheit zu bekämpfen. 

Die Weltgesundheitsorganisation und ihre Partner setzten sowohl kongolesische Sicherheitskräfte als auch lokale Milizionäre auf ihre Gehaltsliste. So wollten sie ihre Mitarbeiter schützen, schufen damit jedoch perverse Anreize: Die Kämpfer hatten zwar guten Grund, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht anzugreifen. Aber sie hatten jetzt auch ein Interesse daran, die Epidemie zu verlängern, um weiter von ihr zu profitieren. Zwischen August 2018 und Juni 2020, als der Ebola-Ausbruch schließlich für beendet erklärt wurde, schürten Milizionäre und Mitglieder der staatlichen Sicherheitskräfte Gewalt und Instabilität. Die Viruserkrankung sollte sich weiter ausbreiten, damit die internationalen Hilfsorganisationen sie weiter bezahlten. Die gut gemeinten Bemühungen, die Epidemie einzudämmen, bewirkten das genaue Gegenteil. 

...

erschienen in Ausgabe 9 / 2022: Fragen, messen, publizieren

Neuen Kommentar schreiben