Heft 9 / 2022Zum Archiv 2022
Fragen, messen, publizieren
In der Wissenschaft werden überwiegend Beiträge aus Europa und Nordamerika beachtet - selbst dann, wenn es um tropische Krankheiten oder Auswirkungen des Klimawandels geht. Und wenn Einheimische an Feldforschungen im globalen Süden mitwirken, bestimmen häufig die „Geber-Forscher“ aus dem Norden die Untersuchungsziele und -methoden. Dieses Ungleichgewicht schränkt den wissenschaftlichen Blick unnötig ein. Wie lässt es sich korrigieren?
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Forschung

Heftschwerpunkt

Wissensaustausch Ausgetretene Pfade verlassen, Horizonte erweitern
Die Asia Foundation und das German Institute of Development and Sustainability tauschen sich regelmäßig zu wichtigen Fragen aus. Zu verstehen, wie im globalen Süden und im Norden etwa über Chinas Entwicklungspolitik gedacht wird, ist für beide aufschlussreich. Gespräch mit Anthea Mulakala und Stephan Klingebiel
Mexiko Das Wissen zurückholen
12 Millionen Mexikaner leben im Ausland. Darunter auch viele hoch Qualifizierte. Mit dem Netzwerk „Global Mx“ versucht der Staat, sie enger an die Heimat zu binden. 
Wissenschaftslandschaft Einheimische Forschung wenig gefragt
Wissenschaftliche Arbeiten aus dem globalen Süden sind in der westlich dominierten Fachwelt stark unterrepräsentiert. Um wichtige Lücken zu schließen, muss die Forschung inklusiver und diverser werden. 
Forschung in Ländern des globalen Südens Geschichten von Wissbegier und Ohnmacht
Viele Forscherinnen und Forscher im globalen Süden wollen mit ihrer Arbeit raus aus dem Elfenbeinturm und etwas bewirken. Doch oft schlägt ihnen Unverständnis und Misstrauen entgegen – oder es mangelt an Geld. Vier Erfahrungsberichte aus Afrika, Asien und Südamerika.
Machtgefälle im Forschungsprozess Von Geber-Forschern und Empfänger-Forschern
Wenn Wissenschaftler aus reichen Ländern im Süden forschen, sind sie auf die Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen vor Ort angewiesen, etwa bei der Datenerhebung. Deren Wissen wird dabei oft übergangen und in den Publikationen ihr Beitrag verschwiegen.

Welt-Blicke

Venezuela Der Goldabbau ist lukrativ – für die Mächtigen
Im Yapacana-Nationalpark in Venezuela sind illegale Goldschürfer unterwegs. Statt etwas gegen die Zerstörung des Ökosystems entlang des Orinoco-Flusses zu tun, schafft das Maduro-Regime den Profit in die eigenen Taschen.
Klimakompensation Die Hadza verdienen am Waldschutz
Mit Wäldern in armen Ländern eigene Emissionen ausgleichen – dieser Ansatz ist zu Recht umstritten. Wie er dennoch funktionieren kann, zeigt eins der wenigen erfolgreichen Projekte im Norden Tansanias.
Peru Faires Gold für die „Bärreli“
Ein Minenverband in den Hochanden Perus zeigt: Gold kann auch fair produziert werden. Die Genossenschaften arbeiten mit einemFairtrade -Siegel in der Schweiz zusammen, das Gold wird in Zürcher Banken verkauft. Davon profitieren auch die Bergleute. 
Afrikas neue Kriege Gewalt ist nun ein profitables Geschäft
Rebellen und Regierungsvertreter in vielen afrikanischen Staaten schüren Konflikte, damit ausländische Geber für den Kampf dagegen zahlen. Die werden so unbeabsichtigt zu Komplizen der Gewalt. 

Standpunkte

Energiecharta-Vertrag "Deutschland sollte austreten"
Der umstrittene Energiecharta-Vertrag wurde zwar reformiert, Deutschland sollte ihn trotzdem kündigen, meint Fabian Flues von der Organisation PowerShift.
Afghanistan Die Sanktionen treffen die Falschen
Ein Jahr nach der Machtübernahme der Taliban leiden fast alle Afghaninnen und Afghanen an Hunger und wirtschaftlicher Not. Obwohl die Taliban die Menschenrechte verletzen, muss der Westen mit ihnen zusammenarbeiten. Nur so lässt sich das Leid der Menschen lindern.
Steuerpolitik Guterres mahnt und Lindner mauert
Steuern auf Übergewinne sind eine unsaubere Notmaßnahme, aber besser als Nichtstun, kommentiert Bernd Ludermann.
Energieversorgung Kein Zurück in die fossile Vergangenheit
Während Olaf Scholz im Senegal nach Erdgas fragt und manche argumentieren, Afrika solle seine fossilen Rohstoffe nutzen, um die Energiearmut auf dem Kontinent zu überwinden, gilt dort ebenso wie bei uns: Die Zukunft der Energieversorgung liegt in Sonne, Wind und Wasser.
Reife Leistung Kühe und Musik
Indische Kühe mögen indische Musik. Fahren auch Allgäuer Rinder auf Flöte und Sitar ab? Vorsicht: Kulturelle Aneignung! Unsere Glosse.

Bewegungsmelder

Fünf Fragen Erste Hilfe im arabischen Raum
Ibrahim Alothman kam 2015 als syrischer Flüchtling nach Deutschland. Er studiert Medizin und setzt sich heute für Erste-Hilfe-Kurse in arabischsprachigen Ländern ein.
Herausgeberkolumne Gerechtigkeit beginnt mit Gleichberechtigung
Feministische Entwicklungspolitik meint die Teilhabe aller bislang Ausgeschlossenen. Sie gehört konsequent umgesetzt, kommentiert Dagmar Pruin.

Journal

Entwicklungspolitik Afrika-Strategie: Das BMZ lässt ein bisschen beteiligen
Das Verfahren des Entwicklungsministeriums (BMZ), nichtstaatliche Organisationen in die Erarbeitung einer neuen Afrika-Strategie einzubinden, sorgt für Irritationen. Ein wirklicher Austausch ist nicht zustandegekommen.
Kirche und Ökumene Bischöfe vermitteln in Panama
Das mittelamerikanische Panama steckt in einer sozialen Krise, deren Ursachen weit zurück reichen. Die katholische Kirche soll helfen, einen nationalen Konsens zu erreichen.
Mercosur Brüssel will Umweltschutz in Handelsabkommen stärken
Die Europäische Union (EU) will Handelsabkommen mit Drittstaaten - zum Beispiel das viel kritisierte Mercosur-Abkommen - stärker als bisher in den Dienst nachhaltiger Entwicklung und den Schutz von Umwelt- und Sozialstandards stellen. Der Vorsitzende des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments zeigt sich zufrieden.
Brüssel: Kurz notiert
Kurze Zusammenfassung über Nachrichten aus Brüssel
Österreich Ein Unternehmen für ein Medizinprojekt in Malaysia ausgezeichnet
Wunden richtig und schnell zu behandeln, kann Leben retten. Die Firma Lohmann & Rauscher in Wien hat das zu einem Geschäft gemacht und ist dafür jetzt ausgezeichnet worden.
Schweiz Kein Widerspruch zur Neutralität
Die Schweiz ist ab nächstem Jahr erstmals Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Hilfsorganisationen möchten, dass sie dort eine aktive Rolle spielt und die Zivilgesellschaft zu Anhörungen einlädt.
Von
Stefan Boss
Kirche und Ökumene Kurz notiert
Die Kurzmeldungen zur Kirche und Ökumene
Kirche und Ökumene Nigerias Christen missfällt, dass zwei Muslime kandidieren
Christliche Verbände in Nigeria blicken besorgt auf die Wahlen im Februar nächsten Jahres. Sie warnen davor, dass sowohl der Präsident als auch sein Stellvertreter muslimischen Glaubens sein könnten.
Friedenssicherung Städte gegen den Atomkrieg
Im August hat sich der Abwurf der Atombombe in Hiroshima zum 77. Mal gejährt. Städte und Bundesländer engagieren sich für Frieden und nukleare Abrüstung – und haben eine konkrete Forderung an die Bundesregierung.
Brüssel Studie: Industrielobby hat EU-Lieferkettengesetz verwässert
Eine Studie zeigt, dass der Entwurf für ein Lieferkettengesetz der EU hätte deutlich schärfer ausfallen sollen.
Kirche und Ökumene Teilweise mehr Spenden, trotzdem Sorgen
Die Christoffel-Blindenmission (CBM), Brot für die Welt und die Kindernothilfe haben ihre Bilanzen für 2021 vorgestellt. Erfreuliche Nachricht: Die Corona-Pandemie hat sich bei den Geldspenden weniger schädlich ausgewirkt als befürchtet.
Schweiz Weit entfernt von einer inklusiven Zusammenarbeit
Die Schweiz tut in der internationalen Zusammenarbeit zu wenig für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Zu diesem Schluss kommt der UN-Ausschuss der Behindertenrechtskonvention.
Personalia im September Wer, wo, was?
Rainer Baake wird Sonderbeauftragter für die Energiekooperation mit Namibia, Alvaro Lario tritt als neuer Chef des International Fund for Agricultural Development (IFAD) an, und Peter Stein ist neuer Cheflobbyist bei Brot für die Welt. Unsere Personalmeldungen im September.