Der Wert von Weideland für globale Güter wie Klimaschutz und für die Ernährung wird stark unterschätzt und ebenso ihre Bedeutung für die Friedensförderung. Das betont eine Studie, die der langjährige grüne Europaparlamentarier Martin Häusling in Auftrag gegeben hat.
Sie beschreibt, auf welchen Wegen die Umwandlung von gemeinschaftlich genutztem Weideland in Äcker und Einschränkungen der saisonalen Viehwanderung lokale Konflikte und organisierte Gewalt schüren. Klimaänderungen, aber auch manche Projekte zur Klimaanpassung wie Naturschutzgebiete auf Weideland trügen dazu noch bei. Dabei böten gerade traditionelle Systeme der gemeinschaftlichen Weidewirtschaft gute Ansatzpunkte für umweltbezogene Friedenssicherung.
Laut der Studie speichern Trockengebiete wesentlich mehr Kohlenstoff als gedacht, wenn sie nachhaltig beweidet werden – im Boden, nicht wie der Wald über der Erde. Wie Weidetiere und Pflanzen dabei zusammenwirken, wird ausführlich erklärt. Zudem sei die Weidewirtschaft die auf Dauer effizienteste Art, Nahrung in Trockengebieten zu erzeugen.
Hirten haben nirgends große Lobby-Macht
Trotzdem werde diese Wirtschaftsweise in vielen Entwicklungsländern zugunsten des Feldbaus zurückgedrängt – sowohl von dortigen Regierungen, wobei oft verschiedene Ministerien gegeneinander arbeiteten, als auch von Gebern. Die Ausweitung von Ackerbau bringe Geberländern mehr Exporte von Maschinen und Agrarchemie und fördere in Entwicklungsländern den Anbau von Exportprodukten für den Norden. Nachhaltige Weidewirtschaft biete keines von beidem, daher sei ihre Lobby hier wie dort sehr schwach.
Laut der Studie müssen die Rechte von Hirten und ihre gemeinschaftliche Landnutzung geschützt werden. Ein gutes Beispiel sei die Mongolei, wo die Privatisierung von Weideland verboten ist, die Mobilität von Viehzüchtern unterstützt wird und es angepasste soziale Dienste gibt. Auch hier werde allerdings Weide in Acker umgewandelt. In Lateinamerika sei Uruguay ein Beispiel für gute Praxis; schlechte juristische Bedingungen für Hirten herrschten dagegen in Indien, Pakistan, Afghanistan oder Kamerun. Als Beispiele für gute Ansätze von Gebern führt die Studie vor allem Strategien und Pläne auf, darunter eine der Weltbank für nachhaltige Viehzucht im Klimawandel; wie sie in der Praxis befolgt werden, bleibt unklar.
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