„Der Irankrieg und die Düngerkrise – Was Europa und Afrika tun können“, so ist ein Papier von zwei Autoren der Brüsseler Denkfabrik ECDPM betitelt. Von der Düngerkrise sind viele afrikanische Länder stark betroffen, Südafrika etwa muss wegen der fehlenden eigenen Produktionskapazitäten mehr als 90 Prozent seines Bedarfs aus anderen Ländern importieren.
Vor allem in der vom Iran angegriffenen Golfregion wird Dünger produziert, Russland und China sind ebenfalls große Düngerhersteller. Zwar ist der Preisschock, dem im Jahr 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auch eine Nahrungsmittelkrise im globalen Süden folgte, laut der Autoren heute noch nicht so groß wie damals, doch schon jetzt leiden die Produzenten unter den höheren Gaspreisen und drosseln zum Beispiel in Indien die Produktion. Zudem stecken noch Millionen Tonnen von Dünger auf den Schiffen in der bis jetzt vom Iran gesperrten Straße von Hormus fest. Für die Landwirte in Afrika, die dadurch keinen oder viel weniger Dünger bekommen, bedeutet das Ernteeinbußen und das Risiko einer erneuten Nahrungsmittelkrise für den ganzen Kontinent.
Partnerschaften zwischen der EU und Afrika bei Düngerproduktion
Europa zögert bisher, die Produktion von Mineraldünger in Afrika zu unterstützen, da dies im Widerspruch zur Energie- und Umweltpolitik der EU stehe, schreiben die Autoren. Diese folge jedoch einer zu engen Auslegung des Begriffs der Nachhaltigkeit: Die Produktion und der Einsatz von Düngemitteln verursachen zwar hohe CO₂-Emissionen, doch die Unterdüngung in Afrika führe wiederum zu Hunger, kritisieren die Autoren. Afrikanische Staatschefs hätten das Problem erkannt. So wollen etwa Äthiopien, Ägypten und Nigeria – Länder mit eigenen Erdgasvorkommen – ihre Düngerproduktion in den nächsten Jahren vervielfachen. Kenia und Uganda wollen mit erneuerbaren Energien selbst kohlenstoffarmen Dünger produzieren.
Auch für Europa offenbare dieser Krieg wie auch schon der Krieg Russlands gegen die Ukraine die enorme Abhängigkeit von Erdgas- und Düngerexporten. Trotz des Krieges beziehe die EU noch immer den meisten Dünger aus Russland, so die Autoren. So müsse auch Europa umsteuern und seine Bezugsquellen für Dünger diversifizieren. Die Autoren schlagen in diesem Zusammenhang industrielle Partnerschaften zwischen der EU und Afrika vor: Hier könnten der Mangel an Investitionen in Afrika mit der Notwendigkeit der EU, ihre Bezugsquellen zu verbreitern, kombiniert werden. Vor allem Ägypten und Marokko könnten Vorreiter bei der grünen Düngerproduktion werden und sollten dabei von der EU unterstützt werden. Das könnte beiden Seiten helfen, resilienter gegen künftige Kriege und Krisen zu werden.
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