Der Debütspielfilm des Regisseurs Hasan Hadi erzählt von der neunjährigen Lamia, die im Südirak von ihrem Lehrer gezwungen wird, einen Kuchen zur Feier des Geburtstages des Machthabers Saddam Hussein zu backen – und von den Problemen, die damit verbunden sind.
Zwar geht es in dem Familien- und Coming-of-Age-Drama vordergründig nicht um den zweiten Golf-Krieg von 1990/91. Indirekt aber werden er und seine Folgen immer wieder sichtbar. Mehrfach donnern Kampfjets über den Himmel, in einem Krankenhaus warten verwundete Soldaten darauf, versorgt zu werden. Während Diktator Saddam Hussein auf Wandbildern, Plakaten und Fotos allgegenwärtig ist, bekommen Kinder Durchhalteparolen zu hören und müssen in den Schulen in Reih und Glied skandieren: „Mit unserem Blut und unseren Seelen opfern wir uns für dich, Saddam!“
Derweil leidet die Zivilbevölkerung unter den strengen UN-Strafmaßnahmen, die auch nach Kriegsende anhalten. Armut, Hunger und Korruption grassieren, Nahrungsmittel sind knapp und wegen der Hyperinflation kaum noch bezahlbar, Medikamente oft nicht mehr verfügbar.
Binnen zwei Tagen muss Lamia die Backzutaten beschaffen
Vor diesem tristen Hintergrund naht der Geburtstag des Diktators, dem die Sanktionen persönlich nicht schaden. Ein linientreuer Lehrer und Ex-Soldat lässt in einer Schule im Marschland des südlichen Irak auslosen, wer den jährlichen Kuchen für die örtliche Schulfeier zu Ehren Saddams backen soll. Dieses Mal trifft es die neunjährige Lamia, die mit ihrer Großmutter Bibi in einer ärmlichen Hütte lebt. Lamia hat nur zwei Tage Zeit, die raren Zutaten Eier, Zucker, Mehl und Backpulver zu beschaffen. Sie will das unbedingt schaffen, denn sonst drohen ihrer Familie harte Strafen.
Die Oma packt einige Habseligkeiten wie ein altes Radio zusammen und fährt mit Lamia in die nächste Stadt, um die Lebensmittel zu kaufen oder einzutauschen. Natürlich darf dabei auch Hindi, der geliebte Hahn des Mädchens, nicht fehlen. Oma Bibi hat aber noch einen weiteren Plan: Wegen ihres Diabetes fühlt sie sich überfordert und möchte die Erziehung der Enkelin einem befreundeten Ehepaar überlassen. Lamia ist entsetzt und läuft weg. Zum Glück trifft sie ihren Klassenkameraden Saeed, der mit seinem behinderten Vater ebenfalls in die Stadt gefahren ist und ihr Hilfe zusagt. In den verwinkelten Gassen beginnt eine abenteuerliche und auch gefährliche Odyssee; einmal kann Lamia nur knapp vor einem sexuellen Missbrauch weglaufen.
Menschen wie der Taxifahrer Jasim zeigen Solidarität
Zum Glück begegnet das Mädchen auch Menschen, die Solidarität zeigen und sie in der Not unterstützen, so etwa der freundliche Taxifahrer Jasim. In die mühsame Jagd der Kinder nach Zucker, Mehl und Eiern und diversen Begegnungen mit Nebenfiguren schleichen sich zwischendurch zwar einige Längen ein, aber es gibt auch eine Prise sarkastischen Humors, etwa wenn ein im Krieg gerade erblindeter Soldat sich auf seine Braut freut, die er noch nie gesehen hat. Und im hochdramatischen Finale macht es der Regisseur dann noch einmal richtig spannend.
Hadi hat in seinem Drehbuch Erfahrungen der eigenen Kindheit in den ländlichen Marschgebieten Mesopotamiens verarbeitet. Die Schönheit dieser pittoresken Landschaft rückt die Kamera gelegentlich ins Bild, wenn Lamia und Saaed in schlanken Booten über die weiten Wasserflächen zur Schule paddeln. Im Debütspielfilm des Regisseurs agieren fast nur Laiendarsteller vor der Kamera, die der ebenso leisen wie eindringlichen Inszenierung eine beachtliche Authentizität verleihen.
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