Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) patrouillieren durch Aleppos Stadtviertel Karm al-Jabal.

Die Schlacht um Aleppo

In der syrischen Metropole ist der Krieg nie weit weg. Die Zusammen­­setzung der Rebellen ändert sich ständig. Doch inmitten der Kämpfe werden schon Pläne für eine neue Verwaltung gemacht. Eine Reise an die Front.

An der Straße zur Rebellen-Hochburg Aleppo liegt einer der letzten Stützpunkte des Regimes in dieser Region: ein Gefängnis, in dem sich syrische Regierungstruppen verschanzt haben. Jetzt fahren alle schneller. „Hier ist es gefährlich. Manchmal werden wir von der Armee beschossen“, ruft Abdul Kareem, bevor er kräftig auf das Gas drückt. Vor fast einem Jahr habe ich ihn zuletzt gesehen. Als erstes spreche ich ihm mein Beileid aus, denn sein ältester Sohn Ayham ist mit 25 Jahren als Kommandant der Freien Syrischen Armee (FSA) gefallen.

Als die Rebellen im vergangenen Juli ihren Angriff auf Aleppo begannen, hatte ich mit Ayham und seinem Bruder Molham gesprochen. Molham war ein nachdenklicher, besonnener junger Mann, der so bald wie möglich sein Architekturstudium in Aleppo fortsetzen wollte. Der schroffe, energische Ayham glich eher seinem Vater und brannte darauf, sich wieder ins Gefecht zu stürzen. Ich hielt über Skype mit ihm Kontakt. Zuletzt war er in Salaheddine stationiert, dem ersten Stadtteil von Aleppo, den die Rebellen erobert hatten. Kurz darauf fiel er einem Heckenschützen zum Opfer.

Autor

James Harkin

schreibt unter anderem für den „Guardian“ und die „Financial Times“.

„Das ist okay“, antwortet Abdul Kareem trocken und winkt ab, als ich ihm die Hand drücken will. „Jetzt mache ich mir Sorgen um den anderen.“ Wegen ihm sind wir hierhergekommen. Am Morgen hatte sich Abdul Kareem spontan bereit erklärt, mich von dem türkischen Flüchtlingslager, in dem er mit seiner Familie untergebracht ist, zu Molham an die Front zu bringen. Als ich das letzte Mal hier war, hatten die Rebellen gerade Azaz eingenommen, eine alte und strategisch wichtige Stadt, die nur fünf Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Jetzt gleicht sie einer Geisterstadt. Die meisten Zivilisten sind geflüchtet und die schönsten Gebäude wurden zerstört. Die unterschiedlichen Gruppierungen, die unter der Fahne der locker strukturierten FSA kämpfen, konnten sich zwar unter enormen Verlusten im Norden Syriens durchsetzen. Doch sie brauchten die Unterstützung islamistischer Fundamentalisten wie der Al-Nusra-Front, die vor kurzem ihre Loyalität gegenüber Al-Qaida kundtat. An den Kontrollposten sind die beiden Arten von Aufständischen nicht voneinander zu unterscheiden. Am Stadtrand von Aleppo erklärt Abdul Kareem: „Die meisten dieser LKWs und Transporter gehören der Freien Armee. Das erkennt man daran, dass sie alle ziemlich ramponiert sind.“ Kurz darauf braust ein schwerer Geländewagen mit verdunkelten Scheiben vorbei; hinten flattert die schwarze Flagge der Islamisten. 

Youness spielt den Gouverneur von Aleppo

Die Zusammensetzung der syrischen Aufstandsbewegung verändert sich täglich, und für eine Kampfeinheit braucht man nur ein paar Dutzend Mann. Molhams Truppe besteht aus 100 Kämpfern. Gemeinsam halten sie fünf Positionen im Kampfgebiet und hausen in drei oder vier improvisierten Unterkünften, wenn sie nicht im Einsatz sind. Bei unserem letzten Treffen war die Einheit nach einem arabischen Widerstandskämpfer aus der Kolonialzeit benannt, Omar al-Mukhtar. Jetzt heißt sie Abu Ayuub al-Ansari nach einem Vertrauten des Propheten Mohammed. Und das hat seine Bedeutung. In einem verfallenen Schulgebäude direkt hinter der Front treffe ich die Aufständischen. Hier sieht man nicht die drei Sterne der FSA, sondern schwarze Plakate mit den Worten „Es gibt keinen Gott außer Allah“. Lädierte Poster zeigen bewaffnete Männer mit islamistischen Kopfbedeckungen.

Viele Häuser im Stadtviertel Karm al-Jabal sind zerstört, die Straßen von Trümmern blockiert. Muzaffar Salman/Reuters

Im vorigen Sommer hofften die Rebellen noch, sie könnten Aleppo innerhalb weniger Monate erobern. Jetzt stecken sie in einer grausamen Pattsituation. Einige Männer unterhalten sich mit mir im ehemaligen Büro der Schule, während der Gruppenclown Youness, ein 22-jähriger Verwandter von Abdul Kareem, hinter dem Schreibtisch des Schulleiters sitzt und den Gouverneur von Aleppo spielt. Molham sieht müde aus und kommt mir älter vor als bei unserer letzten Begegnung. „Ich bin erschöpft, aber nicht weil ich zu wenig schlafe, sondern wegen allem, was geschehen ist“, sagt er. Ich frage, ob er im Lauf des vergangenen Jahres gläubiger geworden ist. „So nahe am Tod werden wir alle gläubiger“, antwortet er.

Die Rebellen hätten Aleppo nicht angreifen sollen, bevor sie die Stadt halten konnten, meint er. „Der Traum ist ausgeträumt.“ Und fügt dann hinzu: „Derzeit zerbricht sich niemand den Kopf über die Zukunft Syriens. Wir wollen einfach dieses Regime stürzen, koste es, was es wolle.“ Ereignisse wie der Tod seines fünfjährigen Cousins erfüllten ihn mit Hass. Und der werde täglich größer. „Ich habe Angst, dass er eines Tages größer sein wird als unsere Träume.“ Erst als Molham im Schneidersitz vorne in einem großen Klassenzimmer sitzt und eine mit bitterem Humor gewürzte Ansprache hält, wird mir klar, dass er an Ayhams Stelle getreten ist und die Einheit befehligt.

Gegen Christen haben die Islamisten nichts

Danach frage ich Molham, was er darüber denkt, dass strenggläubige Sunniten immer mehr Einfluss gewinnen. „Ich respektiere ihre Überzeugungen, und ich rauche nicht, wenn ich mit ihnen zusammen bin“, sagt er. Obwohl die Regierung das Gegenteil behauptet, versichert er mir, dass die Mehrheit der islamistischen Kämpfer Syrer seien, auch wenn ihre Anführer und die militärischen Experten oft aus dem Irak oder anderen Ländern kommen. Die meisten seien keine Extremisten, sie wollten einfach gegen das Regime kämpfen.

„Sie mögen die Alawiten und die Schiiten nicht, aber gegen Christen haben sie nichts“, erklärt Molham. Sie seien gute Kämpfer und würden respektiert, weil sie den Tod nicht fürchteten. „Wir sind mit ihnen im Kontakt und haben auch schon über gemeinsame Aktionen gesprochen.“ Dennoch macht er sich Sorgen, wie das Ganze enden wird. „Wenn sie an die Macht kommen, werden sie alle anderen ausschalten wollen. Ich hoffe, wir müssen dann nicht gegen sie kämpfen.“

Fünf Brüder gehören zur Gruppe „Märtyrer Al-Abbas“, die unter der Flagge der FSA kämpft. Muzaffar Salman/Reuters

Bei meinem letzten Besuch in Syrien richtete sich der Zorn der Rebellen zum großen Teil gegen die Alawiten. Zu der Minderheit innerhalb des schiitischen Islam gehören die Familie Assad, viele hochrangige Funktionäre des Regimes und die meisten Mitglieder der paramilitärischen Verbände. Doch jetzt werden die Schiiten insgesamt als die Hauptfeinde betrachtet. Aus einem Fernsehgerät in der Ecke dröhnen Berichte über die täglich neuen Gewalttaten der religiösen Fanatiker im benachbarten Irak, die sich zum größten Teil gegen die Schiiten richten. Ich frage einen drahtigen jungen Mann namens Aleh, ob er sich wirklich wünscht, dass es in Syrien genauso zugeht. „Ja und nein. Ich möchte es nicht, weil dann sehr viele Menschen sterben müssen. Aber die Schiiten müssen einsehen, dass sie nicht über Syrien oder den Irak verfügen können.“

Am Abend zuvor hatte Molham angeboten, mich in die Kampfzone von Salaheddine zu bringen; zur Vorbereitung hatte er mir einen kleinen propagandistischen Vortrag gehalten. Doch nichts kann einen auf das Ausmaß der Zerstörung in Salaheddine vorbereiten. In den am stärksten betroffenen Straßen ist fast kein Haus unversehrt. Obwohl noch immer viele arme Leute in den Ruinen wohnen, herrscht eine gespenstische Stille. Als unser Fahrzeug nicht mehr weiterkommt, steigen wir aus und stolpern durch die Trümmer. In die Kuppel der größten Moschee im Viertel sind zahlreiche Kugeln eingeschlagen, und direkt dahinter liegen die toten Rebellen in notdürftig ausgehobenen Gräbern. Hier wird so heftig gekämpft, dass sie nicht ordnungsgemäß begraben werden können. Während wir uns umschauen, stimmt sich eine andere Rebellengruppe auf das nächste Gefecht ein: In einem weißen Kleinlaster sitzen Männer mit den schwarzen Stirnbinden der Islamisten. Sie feuern sich mit Allahu-Akbar-Rufen an und dann düsen sie davon, den Regierungstruppen entgegen.

Zurück im Auto erkundige ich mich nach einer Geschichte, die ich von Abdul Kareem weiß:  Molhams Einheit hat den Mann festgenommen, der vermutlich für eines der scheußlichsten Massaker in Aleppo verantwortlich ist und das zugegeben hat. Ich frage, ob sie ihn geschlagen oder gefoltert haben. „Ein bisschen“, sagt Molham. Der Mann wollte seine Kinder sehen, und so wurden sie zu ihm in das Rebellengebiet geschmuggelt. „Er küsste ihre Füße und begann zu weinen“, erzählt Molham. „Sie aber sagten, sie hassten ihn für das, was er getan hat.“ Am Schluss weinten alle, die dabei waren. Werden sie ihn töten? „Wahrscheinlich”, sagt Molham.

Seine Einheit habe den mutmaßlichen Verbrecher einem geheimen Rebellengericht überstellt, wo seine Aussagen von Anwälten und Menschenrechtlern ausgewertet würden, ergänzt er. Es gibt keine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu überprüfen oder mit dem Verdächtigen zu sprechen. Folter wenden in Aleppo alle Beteiligten an, und unter solchen Umständen erzwungene Geständnisse sind von zweifelhaftem Wert. Doch zugleich sind die verschiedenen Rebellengruppen dabei, in den von ihnen kontrollierten Gebieten eine alternative Rechtsprechung und Verwaltung aufzubauen. Im Stadtteil Al-Schaar kann ich dabei zuschauen.

Unterstützer des Regimes kommen vor Militärgerichte

In einem Großraumbüro über einer Textilfabrik beugen sich viele Frauen und Männer über ihre Computer. Alle, die gemeinsam an einem Tisch sitzen, sind für ein bestimmtes Aufgabengebiet der städtischen Verwaltung zuständig: Eine Gruppe organisiert den Schutz der Zivilbevölkerung, eine andere kümmert sich um technische Projekte und eine weitere ist für die Krankenhäuser im Rebellengebiet und für die Versorgung mit Medikamenten verantwortlich. Alles steckt noch in den Anfängen; dieses Büro wurde vor einem Monat eröffnet, und der 25-jährige Arzt, der mich herumführt, arbeitet hier erst seit zwei Tagen.

Yasin Hilal, ein beleibter Herr im Anzug, arbeitet mit am Aufbau der Verwaltung im eroberten Teil Aleppos. Er spielt eine wichtige Rolle in der Vereinigung der oppositionellen Anwälte und Richter, von denen viele aus den Gebieten geflüchtet sind, die noch von der Regierung gehalten werden. Die künftige Rechtsordnung solle den Prinzipien entsprechen, die in vielen arabischen Ländern gelten, erklärt er. Darin seien Elemente des islamischen und des bürgerlichen Rechts enthalten, und es werde zwei Arten von Gerichtshöfen geben. Neben den Gerichten für Zivilverfahren sei ein System geheimer Militärgerichte für diejenigen zuständig, die beschuldigt werden, das Regime zu unterstützen.

Die Gruppe „Märtyrer Al-Abbas“ hat sich in einem „sicheren Haus“ einen Unterschlupf eingerichtet. Muzaffar Salman/Reuters

Obwohl er das nicht ausdrücklich bestätigt, sieht es so aus, als ob die Gerichte, von denen Hilal spricht, mehr oder weniger einträchtig mit denen der Al-Nusra-Front kooperieren, an deren schwer bewachtem Scharia-Gerichtshof ich unterwegs vorbeigekommen bin. Würde sich eine neue Regierung stärker am Islam orientieren als Assads relativ weltliches Baath-Regime? Hilal zögert, doch schließlich sagt er: „Die Prinzipien der Gerechtigkeit sind auf der ganzen Welt die gleichen. Und es wird Gesetze geben, die die Rechte der Minderheiten schützen.“ Die neue Regierung werde auf jeden Fall islamischer sein als das derzeitige Regime – „aber auch moderner“, fügt Hilal hinzu.

In Aleppo ist der Krieg nie weit weg. Müllberge säumen die größeren Straßen, ein alter Mann schenkt neben einem ausgebrannten Panzer Kaffee aus, ein Junge humpelt über die Straße und zieht ein Infusionsgerät hinter sich her. Viele Autos sind von Kugeln durchlöchert. Krankenhäuser, Tankstellen und Bäckereien in den von Rebellen kontrollierten Stadtteilen wurden von Bomben und Raketen getroffen. Beim Angriff auf eine Bäckerei im Stadtteil Kadi Askar sollen 40 Personen umgekommen sein. In Ard al-Hamra liegt ein ganzes Wohngebiet in Trümmern, Rauchwolken hängen über dem kurdischen Stadtteil Sheikh Maksud.

Das Mosaik aus Religionen und Ethnien bricht auseinander

In zwei Tagen sehe ich ein halbes Dutzend bewaffneter Männer, die offensichtlich keine Syrer sind. Ein großer, hagerer Afghane bewacht ein Gebäude, ein anderer fährt auf einem Motorrad vorbei, und ein paar Nordafrikaner teilen sich ein Moped und eine Kalaschnikow. Was die Bewohner Aleppos davon halten, dass selbsternannte „Gotteskrieger“ aus dem Ausland in die Stadt strömen, bleibt ungewiss. Als wir in Stadtgebiete kommen, in denen es von Kämpfern der Al-Nusra-Front wimmelt, sagt Abdul Kareem, ich solle meine Kamera wegstecken.

Der Stadtteil New Aleppo, in dem er selbst wohnte, wird noch von den Regierungstruppen gehalten, aber er hat keine Ahnung, ob sein Haus noch steht. Vor den Kämpfen war das Viertel der reichste Ort Syriens. Viele seiner wohlhabenden Bewohner sind noch nicht bereit, die Revolte der verarmten und entrechteten Landbevölkerung zu unterstützen. Dort drüben, auf der anderen Seite des Flusses, denkt man sicher ganz anders über diesen Krieg. Aleppo wird, wie ganz Syrien, von den Bomben in Stücke gerissen Aber noch schwerer wiegt, dass das einst so bewundernswerte Mosaik aus verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen auseinanderbricht.

Noch vor zwei Jahren setzte der Nahe Osten große Hoffnungen in  das politische Erwachen Syriens, doch jetzt scheinen gerade von diesem Land Gefahren für die ganze Region auszugehen. Der Teufelskreis von Angriffen, Gegenangriffen und grausamen Racheakten macht Syriens Zukunftsaussichten systematisch zunichte. Selbst wenn der Krieg morgen enden würde, hätte das Land die Last von unzähligen Toten und Verwundeten zu bewältigen. Da sich die Sunniten und die Schiiten im Libanon und im Irak darauf einrichten, ihren syrischen Glaubensbrüdern zu Hilfe zu eilen, werden sich die Kämpfe wohl noch weiter ausbreiten. „Der Schaden wird nicht auf Syrien beschränkt bleiben“, sagt auch Molham. „Der Irak, der Libanon und die Türkei, die ganze Region wird in Flammen aufgehen.“

Dort können sie beten, essen und sich ausruhen.Muzaffar Salman/Reuters

Abdul Kareem hat mich zum Abendessen in seinem Flüchtlingslager eingeladen. Wir unterhalten uns, trinken starken arabischen Kaffee und verfolgen mit einem Auge das Programm eines rebellenfreundlichen Nachrichtensenders. Soeben wurde in schweren Gefechten das Minarett von Aleppos schönster Moschee zerstört. Das Gebäude ist über tausend Jahre alt, gehört zum Weltkulturerbe und wurde von Christen und Muslimen gleichermaßen bewundert.  Am Tag zuvor wurde noch einer von Ayhams Freunden getötet, ein junger Mann namens Serj. Abdul Kareem zeigt mir sein Foto bei Facebook. „Wir alle haben ihn gut gekannt“, sagt er.

Auf demselben Facebook-Account zeigt er mir ein Propagandavideo über Molhams Einheit. Begleitet von Schlachtmusik recken schwarz maskierte Kämpfer ihre Gewehre über einem halben Dutzend Schabiba-Milizionäre, die vor ihnen knien – mit ziemlicher Sicherheit werden sie gleich darauf exekutiert. Ein paar Wochen später erfahre ich, dass bei einem Angriff auf Armeeposten in Al-Izaa auch Molhams lustiger Cousin Youness getötet wurde. Einer seiner Kameraden schickte mir ein Bild seines blutigen Leichnams und bat höflich um ein Foto des lebenden Youness. 

Schiiten haben in Syrien wohl keine Zukunft mehr

Während wir ein Brathähnchen essen und den syrischen Joghurt-Drink Aryan schlürfen, frage ich Abdul Kareem, wie lange all dies noch weiter gehen kann. Als Antwort wiederholt er die üblichen Forderungen der Rebellen: „Einen Monat, wenn ihr uns Waffen gebt, zehn Jahre, wenn ihr es nicht tut.“ Und spontan fügt er hinzu: „Die Schiiten sind die schlimmsten Menschen auf der Welt. Sie schlachten uns ab, mit Messern.“ Seine beiden jüngeren Söhne essen mit uns, und Saleh, der mit dreizehn Jahren bereits einschlägig informiert ist, führt mir mit einer Handbewegung vor, wie man jemandem die Kehle durchschneidet.

Als ich das letzte Mal hier war, drehten sich die Gespräche der Rebellen immer darum, dass die syrische Revolution dem Wohle aller dienen sollte, und es wurde betont, dass sie – mehr oder weniger offen – von allen Glaubensrichtungen im Land getragen werde. Jetzt frage ich Abdul Kareem: „Gibt es überhaupt Schiiten in der FSA?“ Das verneint er. „Haben sie in Syrien noch eine Zukunft?“ „Vielleicht nicht.“

Ich möchte wissen, was er davon hält, dass die Al-Nusra-Front immer stärker wird, je länger der Bürgerkrieg dauert. „99 Prozent von ihnen werden die Waffen niederlegen, wenn das Regime stürzt. Es sind anständige Leute und sie sind nicht mit dem einverstanden, was ihre Führer sagen.“ Doch wie alle anderen syrischen Rebellen, mit denen ich sprach, ist er sicher, dass sie nicht aufzuhalten sind. Mit bissigem Unterton sagt er: „Angenommen, jetzt gibt es hier 5000 Al-Nusra-Kämpfer, dann werden es nächstes Jahr 50.000 sein, das verspreche ich dir.“

Aus dem Englischen von Anna Latz

Zusatzinformationen: 

Die Reportage ist im Original in der Zeitschrift „The Nation“ erschienen.

erschienen in Ausgabe 7 / 2013: Neues Wissen im Blick

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