Weiterbildung für die Arbeiterinnen und Arbeiter und ein Einkommen, das über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt: Die Textilfabrik League in Ciudad Arce
ist ein Vorzeigebetrieb.

Textilbranche in El Salvador: Freiwillig unter der Lupe

Heute riskiert die Textilindustrie in Bangladesch ihren Ruf, in den 1990er Jahren zog sie in Zentralamerika scharfe Kritik auf sich. In El Salvador kontrolliert seitdem eine unabhängige Monitoring-Gruppe die Arbeitsbedingungen. Hat das etwas verbessert?

Es rattert und rattert und rattert, ohne Unterlass. An den Nähmaschinen sitzen Frauen und ein paar Männer, um sie herum türmen sich Berge von zugeschnittenen Stoffen. Der Raum ist eine schlichte Fabrikhalle: Betonboden, Wellblechdach, nackte Stahlgerüste. League heißt die Fabrik, eine so genannte Maquila. 250 Menschen arbeiten hier. Sie ist eine der kleineren Textilfabriken in der zollfreien Produktionszone „American Park“ in Ciudad Arce, einem Städtchen gut 30 Kilometer östlich von El Salvadors Hauptstadt San Salvador.

Zwanzig solcher Betriebe befinden sich auf dem eingezäunten Gelände, die größten haben fünf oder sechs Mal mehr Beschäftigte. League ist so etwas wie ein Vorzeigebetrieb. Während sich andere Maquilas vor der Öffentlichkeit hermetisch verschließen, hat League-Geschäftsführer Rodrigo Bolaños keine Probleme, Journalisten durch die Produktionshalle zu führen. Er ist stolz darauf, seinen Arbeiterinnen eine Cafeteria mit subventioniertem Essen anzubieten. Abends finden hier Fortbildungen statt.

Autorin

Cecibel Romero

ist freie Journalistin in San Salvador. Sie schreibt unter anderem für die „tageszeitung“.

Die meisten seiner Beschäftigten haben nur wenige Jahre oder gar nicht die Schulbank gedrückt. Bolaños bietet ihnen Kurse an, die bis zum Abitur führen. „Ein paar von unseren Schülern haben um eineinhalb Noten besser abgeschnitten als der landesweite Durchschnitt“, erzählt der Geschäftsführer stolz. Zusätzlich bezahlt League der Belegschaft Löhne, die rund zehn Prozent über denen der Konkurrenz liegen – und arbeitet trotzdem mit Gewinn.

Betriebe wie den von Bolaños, die mehr bezahlen als den derzeitigen Mindestlohn von 202,80 US-Dollar im Monat, „können wir an den Fingern einer Hand abzählen“, sagt Vinicio Sandoval, Geschäftsführer der Gruppe Gmies. „Sie haben immer eine sehr engagierte Belegschaft, und keine einzige dieser Fabriken ist arm geworden oder bankrott gegangen.“ In der Regel aber könne man in den Führungsetagen von Maquilas „eine unglaubliche Kreativität im Umgehen von Arbeiterrechten entdecken“. Gmies heißt ausgeschrieben und übersetzt „Unabhängige Monitoring-Gruppe von El Salvador“. Das Gremium wurde 1996 gegründet, nachdem eine Reihe von Skandalen die zentralamerikanische Textilindustrie in Verruf gebracht hatte. Die Fabriken unterboten sich gegenseitig mit Hungerlöhnen, Sozialabgaben wurden nicht abgeführt, Überstunden nicht bezahlt, die Näherinnen in den Werkhallen eingeschlossen ohne Erlaubnis, die Maschine zu verlassen, und sei es, um zur Toilette zu gehen. Wer eine Gewerkschaft gründen wollte, wurde entlassen.

Die Idee, die zur Gründung von Gmies führte: Die internationalen Textilkonzerne und Auftraggeber der Maquilas, Vertreter der Textilfabriken, Arbeiterinnen und ihre Gewerkschaften, das Arbeitsministerium und unabhängige Arbeitsrechtler und Menschenrechtsanwälte überprüfen gemeinsam die Produktionsbedingungen. Sie setzen soziale Mindeststandards durch und verbessern so auch den Ruf der internationalen Textilmarken.

erschienen in Ausgabe 2 / 2014: Neue Helden der Arbeit

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