Freikirchen in Lateinamerika
 Als er 13 war, schloss sich Luis Alfredo Alvarado Hernandez einer Gang an. Im Gefängnis von San Francisco Gotera in El Salvador hat er zur Religion und zur evangelikalen Kirche Torre Fuerte (Starker Turm) gefunden und sich vom Gangsterleben losgesagt.

Jose Cabezas/Reuters

Freikirchen in Lateinamerika

Wenn Drogenbosse in der Kirche Geld waschen

In Lateinamerika boomen die Freikirchen – und mit ihr die Kriminalität. Viele Drogenbosse gehören Pfingstkirchen an und nutzen diese, um dort Schwarzgeld zu waschen. Bestraft werden sie dafür selten, auch weil zunehmend Politiker von der pfingstkirchlichen Bewegung profitieren. 

Piwas Leben steckte in einer Sackgasse: Als Jugendlicher war er in die Fänge krimineller Banden in El Salvador geraten und im Jahr 2000 wegen Mord zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Doch dann entdeckte er die Religion. Im Gefängnis schloss er sich einer evangelikalen Freikirche an. 2013 kam er vorzeitig wegen guter Führung auf freien Fuß. Nach seiner Entlassung eröffnete „Piwa“ – mit bürgerlichem Namen Marvin Adaly Ramos – einen Handel mit importierten Gebrauchtwagen, ließ sich zum Pastor der Freikirche Torre Fuerte (Starker Turm) weihen, war ehrenamtlich als Gefängnisseelsorger tätig und als Berater der Stadtverwaltung von San Salvador für Gewaltprävention. Es war offenbar eine Erfolgsgeschichte in dem von Gewalt so zerrütteten mittelamerikanischen Land. 

Doch dann kamen ihm die Ermittler auf die Schliche: 2016 nahmen sie ihn erneut fest und stellten Bargeld, Immobilien und Waffen sicher. Seine Bankkonten und Firmen wurden beschlagnahmt. Insgesamt belief sich Ramos Vermögen auf mehrere Millionen US-Dollar. In der Anklageschrift heißt es, der heute 40-Jährige habe die Religion als Tarnung benutzt, um Gelder der kriminellen Bande Mara Salvatrucha zu waschen. Den Dokumenten und Telefonmitschnitten zufolge nutzte er seine Rolle als Gefängnispastor, um Botschaften zwischen inhaftierten Bandenchefs und deren Helfershelfern auszutauschen. Außerdem habe er die Finanzen der Bande verwaltet. Mit Hilfe von falschen Papieren und Strohmännern soll er ein komplexes Netzwerk legaler Geschäfte – darunter Restaurants, Bordelle, Werkstätten, Bus- und Taxiunternehmen – aufgebaut haben, um Einnahmen der Bande aus Erpressung und Drogenhandel zu waschen. 

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erschienen in Ausgabe 10 / 2021: Pfingstler auf dem Vormarsch

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