Klimawandel
Klimawandel

Weniger Wälder, mehr Stürme

Wissenschaftler aus Großbritannien und Österreich belegen anhand von Satellitenbildern der afrikanischen Westküste, dass Waldverlust nicht nur global, sondern auch lokal zu mehr und heftigeren Wirbelstürmen führt.

Dass Wälder global betrachtet extreme Wetterverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit oder Stürme mildern und als Wasserspeicher Überschwemmungen vorbeugen, ist in der Wissenschaft seit längerem bekannt. Dass sich dieser mildernde Einfluss nicht nur allgemein aufs Klima, sondern auch ganz konkret auf die Wetterverhältnisse vor Ort auswirkt, zeigt eine Studie mit dem Titel „Entwaldung im Spätstadium verstärkt die Tendenz zu Stürmen an der westafrikanischen Küste“. Vorgelegt hat sie der britische Metereologe Christopher Taylor mit einem internationalem Team von Forschern aus Großbritannien und Österreich.

Anhand von Satellitenbildern zeigt das Forschungsteam zwei Entwicklungen auf. Erstens haben Sturmschäden und Überschwemmungen in westafrikanischen Küstenstädten in den vergangenen Jahrzehnten in dem Maß zugenommen, in dem große Waldgebiete zugunsten von Land- und Plantagenwirtschaft, aber auch der Ausbreitung städtischer Siedlungsgebiete etwa um die Metropolen Freetown oder Monrovia herum vernichtet wurden. Zweitens dokumentieren regelmäßige Satellitenaufnahmen der Wolken am Küstenhimmel Frequenz und Stärke dieser Stürme - seit den 1990er Jahren veranlasste das Forschungsteam alle 30 Minuten ein Satellitenbild. Dabei zeigte sich, dass Stürme am häufigsten und auch am heftigsten in solchen Regionen wüteten, in deren Nähe es nur noch wenig Wald gab.

Stürme und Überschwemmungen mit tausend Toten

Der Hintergrund: Entwaldete Gebiete erhitzen sich tagsüber stärker als solche, die noch bewaldet sind. Diese stärkere Erwärmung löst örtliche Brisen aus, die ihrerseits stärkere Winde beziehungsweise Stürme entfachen können. Am stärksten von diesem Phänomen betroffen sind Regionen, die Waldgebiete innerhalb 30 bis 40 Kilometer von der Küste entfernt im Landesinneren verloren haben, denn dort sind die Luftströmungen wegen der Temperaturdifferenz zwischen der kühlen Meeresluft und der heißen Landluft besonders groß. So erlebte Sierra Leones Hauptstadt Freetown 2017 verheerende Stürme und in deren Folge Überschwemmungen, die über 1000 Menschen das Leben kosteten.

Anders als in Amazonien, das im Landesinneren liegt und wo Waldverlust mangels Küstenfeuchte zu Trockenheit führt, erhöht Waldverlust an der westafrikanischen Küste die Wahrscheinlichkeit für Starkregen und Überschwemmungen. Ähnliches dürfte auch in vielen Regionen Südostasiens der Fall sein.

erschienen in Ausgabe 3 / 2022: Tod und Trauer

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