Im Brennpunkt

Gute Grundlage oder fauler Kompromiss?

Ministerium und Zivilgesellschaft legen neues Leitbild für Entwicklungshelfer vor
Ministerium und Zivilgesellschaft legen neues Leitbild für Entwicklungshelfer vor

(7.10.2013) Wozu brauchen wir heute noch Entwicklungshelfer? Darüber haben sich das Entwicklungsministerium und die nichtstaatlichen Entsendedienste ein halbes Jahr lang gemeinsam Gedanken gemacht. Mit dem Ergebnis können beide Seiten gut leben. Kritiker sagen indes, die Zivilgesellschaft hätte mehr Stehvermögen zeigen sollen.

Ein großer Wurf ist das neue Konzept für die Arbeit von Entwicklungshelfern nicht geworden – das sehen auch alle Beteiligten so und das sei auch gar nicht zu erwarten gewesen, heißt es. Seit vergangenem Frühjahr hatten das Bundesentwicklungsministerium (BMZ), die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee (AKLHÜ) und die darin vereinten nichtstaatlichen Entsendedienste über ein gemeinsames Leitbild verhandelt. Das Papier beschreibt nur den Istzustand und sagt nichts dazu, wie sich die Anforderungen an Entwicklungshelfer verändert haben und wie sich die Beteiligten einen Entwicklungsdienst in Zukunft vorstellen.

Dennoch sind alle Seiten mit dem Ergebnis zufrieden. Entscheidend sei, dass sich Staat und Zivilgesellschaft an einen Tisch gesetzt und verständigt hätten. Das sei „ein großer Fortschritt und eine Premiere in der Geschichte des Entwicklungsdienstes“, sagt der zuständige BMZ-Referatsleiter, Andreas Foerster. Jürgen Deile, bei „Brot für die Welt“ verantwortlich für die Koordination der internationalen Personalprogramme, lobt das Entwicklungsministerium für seinen Fokus auf bürgerschaftliches Engagement: Das habe die Rolle der Zivilgesellschaft in der Personalentsendung gestärkt. „Für die internationalen Personaldienste war Dirk Niebel gar nicht so schlecht“, sagt Deile.

GIZ-Helfer sind künftig stärker in Programme der Bundesregierung eingebunden

Nach der Fusion des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) mit der GIZ hatte es erheblich Unruhe über die Frage gegeben, wie es mit den Entwicklungshelfern in der neuen Organisation weitergeht. Der AKLHÜ habe die Entwicklung in der GIZ „am Anfang mit Sorge gesehen“, sagt Susanne Nonnen, die Vorsitzende des Arbeitskreises und Geschäftsführerin des Senior Expert Service (SES). Frühere DED-Mitarbeiter gründeten einen Freundeskreis und forderten einen neuen staatlich geförderten Entsendedienst außerhalb der GIZ. Vor diesem Hintergrund starteten staatliche und nichtstaatliche Träger ihre Beratungen über ein gemeinsames Leitbild.

In dem Papier werden die Unterschiede zwischen Entwicklungshelfern der GIZ einerseits und nichtstaatlichen Trägern andererseits hervorgehoben. GIZ-Helfer sind künftig stärker als früher in die Programme der bilateralen technischen Zusammenarbeit der Bundesregierung eingebunden. Das schränkt unter anderem ihre Möglichkeiten ein, mit der Zivilgesellschaft in den Partnerländern zu kooperieren. Jürgen Deile von „Brot für die Welt“ wertet das Leitbild dennoch als „gute Grundlage für einen erfolgreichen Entwicklungsdienst in der GIZ“, ohne dass der Ansatz der zivilgesellschaftlichen Entsender verdrängt werde. Vertreter der nichtstaatlichen Personaldienste, des AKLHÜ und der GIZ werden künftig als Beirat die Fortentwicklung des Konzepts „durch das BMZ“ begleiten, wie es in dem Papier heißt. Für Deile ist damit die Forderung des DED-Freundeskreises nach einem neuen Entsendedienst hinfällig: Das Leitbild habe dem Freundeskreis den „Wind aus den Segeln genommen“.

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Kommentare

Aus gutem Grund war die Entsendung von Entwicklungshelfer/-innen nach dem EH-Gesetz eine Domäne von darauf spezialisierten Entsendeorganisationen der Zivilgesellschaft. Auch der DED - die größte dieser Organisationen - war keine staatliche oder privatwirtschaftliche Organisation, bis zu seiner Fusion mit der GTZ. Partnerstruktur, Einsatzfelder und sozial-professionelles Anforderungsprofil der EHs passen nicht in ein Staatsunternehmen wie die GTZ/GIZ. Das zeigt das neue Leitbild in aller Deutlichkeit. Herr Deile irrt, wenn er meint, das Leitbild habe dem DED-Freundeskreis "den Wind aus den Segeln genommen"; das Gegenteil ist der Fall. Wer glaubt, nach diesem Leitbild Entwicklungshelfer/-innen in der GTZ/GIZ heimisch machen zu können, reitet ein totes Pferd!

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