Wie lässt sich Bildung überhaupt messen?
Der Bildungsstand in einem Land wird in erster Linie am Anteil der Menschen mit formalen Abschlüssen gemessen, erläutert Abel Schumann, der bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den Bereich Bildungsstatistik leitet. So zeigt der jährliche OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“, welcher Anteil der Bevölkerung bestimmte Schul-, Berufs- und Hochschulabschlüsse erreicht; erfasst werden dabei die 38 Mitgliedsstaaten der OECD sowie einige ihrer Partnerländer; neben den Industrieländern gehören dazu auch etwa China, Indien, Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Chile, Südafrika und Südkorea.
Demnach ist der Anteil jüngerer Erwachsener (25- bis 34-Jährige) ohne Abschluss einer weiterführenden Schule seit 2016 in der OECD rückläufig, „in Costa Rica, Mexiko, Portugal und der Türkei sogar im zweistelligen Prozentpunktebereich“, so Schumann. Bei der Hochschulbildung hat sich der Anteil der Frauen mit mindestens einem Bachelor- oder gleichwertigen Abschluss innerhalb einer Generation unter allen OECD-Staaten fast verdoppelt: von 24 Prozent bei den heute 55- bis 64-Jährigen auf 47 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen. In Indien hat sich diese Akademikerinnenquote zwischen diesen beiden Generationen von 5 auf 25 Prozent verfünffacht, während sich beim Schlusslicht Südafrika scheinbar gar nichts getan hat – hier liegt die Quote für jüngere wie für ältere Frauen bei gerade mal 10 Prozent.
Weil ein formaler Bildungsabschluss aber nicht immer die gleichen Fähigkeiten bezeugt, gibt es internationale Vergleichsstudien wie PISA (Programme for International Student Assessment, getestet werden 15-Jährige), die auch in Deutschland regelmäßig für Aufregung sorgen. Sie messen Fähigkeiten wie Leseverständnis, mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen und erlauben Länder- und Zeitvergleiche.
Weitere Kennzahlen, die beispielsweise im Human Development Index (HDI) und im Weltbildungsbericht der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) verwendet werden, sind das Zahlenverhältnis von Lehrern zu Schülern, die Staatsausgaben für Bildung pro Kopf, der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt oder die Alphabetisierungsrate, die meist anhand von Stichproben ermittelt wird.
Für viele Staaten des globalen Südens, allen voran Subsahara-Afrika, liegen aber keine umfassenden Bildungsstatistiken vor, erklärt Thorsten Nilges, Fachreferent für berufliche Bildung in der Afrika-Abteilung von Misereor. Daher würden beim Blick auf die positive globale Entwicklung häufig Missstände in Konfliktregionen oder in Ländern mit weniger funktionierenden Bildungsbehörden oder statistischen Ämtern häufig übersehen.
„Viele wichtige Daten werden in den ärmsten Ländern nur unvollständig erhoben, so dass wir uns gerade dort, wo die Lage besonders problematisch ist, kein eindeutiges Bild der Gesamtlage machen können, wenn der Blick zum Beispiel nur auf Einschulungen gerichtet wird“, berichtet Nilges. Zudem variiere die Qualität von Schulen und Lehrkräften oft extrem, ebenso wie die Lebensbedingungen und das Lernumfeld der Schulkinder. „Es gibt immer Jugendliche, bei denen trotz vieler Jahre Schulbesuchs kaum etwas ankommt, weil ihre Lernbedingungen innerhalb und außerhalb der Schule sehr schlecht sind.“
Wie trägt Bildung zum Wohlergehen von Ländern bei?
Das Menschenrecht auf Bildung gilt als Recht, das Menschen ermächtigt, weil es sie befähigt, ihre anderen Rechte kennenzulernen und wahrzunehmen. Darüber hinaus ist gute Bildung ein, wenn nicht der entscheidende Einflussfaktor für den wirtschaftlichen Wohlstand sowohl Einzelner als auch einer Gesellschaft, betont Ludger Wößmann, Professor für Volkswirtschaft an der Universität München und Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik: „Mehr als drei Viertel der internationalen Unterschiede in den langfristigen Wachstumsraten der Volkswirtschaften können statistisch gesehen damit erklärt werden, wie gut die Bevölkerung in Bildungstests abgeschnitten hat.“ Ein höheres Bildungsniveau steigere die Produktivität und auch die Innovationskraft einer Volkswirtschaft.
Autoren
Als Beispiel dafür zieht Wößmann die ostasiatischen Länder heran. Diese hätten in den vergangenen 50 Jahren ein echtes Wirtschaftswunder hingelegt, das sich vor allem auf die Bildungsleistung der Bevölkerung zurückführen lasse. Im Vergleich dazu hätten die meisten lateinamerikanischen Länder eher niedrige Wachstumsraten – eine Folge des im Vergleich niedrigeren Bildungsniveaus.
Abel Schumann, Leiter des Bereichs Bildungsstatistik bei der OECD, sagt etwa zu Südkorea: „Das Land hatte in den 1980er Jahren noch einen sehr niedrigen Bildungsstandard und hat inzwischen weltweit mit den größten Anteil von Hochschulabsolventen.“ Dabei hätten konsequente Investitionen ins Bildungswesen ebenso eine Rolle gespielt wie der hohe Status von Bildung in der koreanischen Gesellschaft.
Dass gut Ausgebildete bessere Gehälter und Arbeitsmarktchancen haben, oft gesünder leben und sich gesellschaftlich stärker engagieren, lässt sich statistisch gut belegen, betont Schumann. So verdienen Hochschulabsolventen in OECD Staaten im Durchschnitt rund 50 Prozent mehr als Erwachsene mit einem Abschluss der Sekundarstufe 2, vergleichbar der deutschen Oberstufe, und fast doppelt so viel wie Erwachsene ohne solchen Abschluss. Auf gesellschaftlicher Ebene sei der Beweis aber schwieriger zu führen: Ein gutes Bildungssystem macht die Gesellschaft zwar wohlhabender, aber eine wohlhabende Gesellschaft investiert auch mehr in Bildung.
Schließlich ist, bezogen auf die Arbeitsperspektiven, Ausbildung nicht immer gleich Ausbildung. In etlichen Staaten der Welt – zuletzt beispielsweise in Kenia, Bangladesch und Madagaskar – führen gut ausgebildete, aber trotzdem arbeitslose junge Hochschulabsolventen Proteste gegen ihre jeweiligen Regierungen an. Die chinesische Regierung bemüht sich angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Unzufriedenheit von Hochschulabsolventen seit einiger Zeit, handwerkliche Ausbildungen attraktiver zu machen, und fördert zudem die Gründung von Fachhochschulen.
Auch Thorsten Nilges berichtet aus seiner Erfahrung in Afrika, dass dort durchaus in vielen Regionen eine handwerklich orientierte Fachhochschul- oder Berufsausbildung bessere wirtschaftliche Perspektiven bringe. Dennoch dürfe man in der Entwicklungszusammenarbeit niemandem vorhalten, welche Ausbildung sinnvoll sei und welche nicht. Er selbst erinnert sich noch gut an seine erste Reise als Referent für Berufliche Bildung nach Ghana vor etwa zwanzig Jahren: „Da wollte jemand Psychologie studieren und wir sollten das unterstützen. Ich sagte ihm, dass wir nur Ausbildungsberufe förderten. Er entgegnete, wenn alle so dächten, würde er heute noch im Busch sitzen und Körbe flechten.“
Gibt es auch arme Staaten mit einem guten Bildungssystem?
Es gibt immer wieder sogenannte Bildungschampions, die im internationalen Vergleich trotz verbreiteter Armut bessere Ergebnisse erzielen als manch wohlhabendere Staaten, berichtet Malte Pfau, Referent für das Recht auf Bildung bei der Kindernothilfe. Entscheidend sei dabei nicht, wie wohlhabend ein Land sei, sondern wie viel in das Bildungssystem investiert werde. „Zudem müssen unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden, etwa die sprachliche Vielfalt oder der Stadt-Land-Anteil, was internationale Vergleiche erschwert.“ Grundsätzlich lasse sich sagen: „Je mehr ein Land in frühkindliche und primäre Bildung investiert und je stärker Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus rückt, desto wahrscheinlicher sind nachhaltige Bildungserfolge in der Zukunft.“
Kira Häring, Misereor-Bildungsberaterin in Südafrika, ergänzt: „Entscheidend ist auch, wie es in einem Land generell mit gesellschaftlicher Teilhabe und einer gerechten Verteilung von Wohlstand und Chancen bestellt ist, welches Ansehen Schulen, Universitäten und Lehrkräfte haben und welche Rolle Frauen und Mädchen spielen – ob es beispielsweise überhaupt als erstrebenswert gilt, dass Mädchen eine weiterführende Schule besuchen.“ Auch der Umgang mit Sprachen sei ein wichtiger Faktor. „In Südafrika beispielsweise lernen Kinder oft in Sprachen, die für sie fremd sind – also etwa nicht in Xhosa oder Zulu, sondern in Afrikaans, das in den meisten Schulen noch immer Unterrichtssprache ist. Das erschwert den Lernenden den Zugang zum Unterrichtsstoff.“
Insgesamt sehen Fachleute aber eindeutig Armut als größtes Hindernis beim Zugang zu Bildung, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Fahrtkosten zur Schule, Schuluniformen, Bücher, Schulessen, die Ausbildung von Lehrkräften – all das kostet Geld.
Aus einem Bericht, der unter anderen von der UNESCO und der Afrikanischen Union vorgelegt wurde, geht hervor, dass allein Afrika zur Erreichung des Nachhaltigkeitsziels 4 – inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern – jährlich 77 Milliarden Euro fehlen. Besonders südlich der Sahara ist der Bildungsmangel eklatant: Fast 87 Prozent der dort lebenden Kinder im Alter von zehn Jahren können zum Beispiel einfache Texte nicht hinreichend lesen oder verstehen.
Alles in allem sind dem jüngsten UNESCO-Weltbildungsbericht zufolge trotz steigender Einschulungszahlen seit 2015 rund 251 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit ohne Schulbildung, vor allem in Afrika südlich der Sahara. Insgesamt verlassen 650 Millionen Jugendliche die Schule ohne Abschluss.
Gleichzeitig zeigt eine Studie von UNESCO und Weltbank zur Bildungsfinanzierung, dass die weltweiten öffentlichen Bildungsausgaben zwischen 2015 und 2022 von 4,4 Prozent auf 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken sind. Ebenfalls zurückgegangen sei der Anteil der internationalen Entwicklungshilfe, der in die Bildung fließe, und zwar von 9,3 Prozent im Jahr 2019 auf 7,6 Prozent im Jahr 2022. Nicht zuletzt ist auch die demografische Entwicklung ein wichtiger Faktor, betont Nilges: „Insbesondere in vielen Ländern Subsahara-Afrika wächst die Gruppe der schulpflichtigen Kinder deutlich schneller als die Schulinfrastruktur.“
Haben sich die Bildungschancen von Mädchen verbessert?
Ja. Die Zahl der Mädchen, die nicht zur Schule gehen, ist von 200 Millionen im Jahr 1995 auf 122 Millionen im Jahr 2024 gesunken. Insgesamt gehen weltweit knapp 90 Prozent der Mädchen und Jungen im Schulalter zur Schule. Inzwischen gehen sogar mehr Jungen – rund 128 Millionen – als Mädchen nicht zur Schule, Programme zur Mädchenbildung haben das bewirkt. Dies sei ein globaler Trend, fügt Abel Schumann hinzu, der in OECD-Staaten schon deutlich weiter fortgeschritten sei: „Dort sind mittlerweile die Bildungsergebnisse von Mädchen und Frauen deutlich besser als die von Jungen und Männern, oft mit großem Abstand.“
Trotzdem gibt es für Mädchen noch geschlechtsspezifische Gründe für den Abbruch der Schule. Die meisten beenden zwar die Grundschule, besuchen aber seltener eine weiterführende Schule und brechen sie auch häufiger ab als Jungen. Gerade in Ländern mit niedrigen Einkommen schließen nur 38 Prozent der Mädchen die Sekundarstufe 1 ab, vergleichbar einem Haupt-, Real- oder Gesamtschulabschluss, gegenüber 43 Prozent der Jungen. Die Länder mit den meisten Abbrecherinnen liegen in Subsahara-Afrika.
Zudem brechen in Krisen- und Konfliktgebieten wie dem Südsudan, aber auch Myanmar in Südostasien, Mädchen weiterhin eher die Schule ab als Jungs. In Südasien sind Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren laut Unicef dreimal häufiger als Jungen weder in der Schule noch in Ausbildung oder Beschäftigung. In Afghanistan dürfen Mädchen seit der erneuten Machtübernahme der Taliban in 2021 nur bis zur sechsten Klasse zur Schule gehen, was die Taliban-Regierung mit dem islamischen Recht, der Scharia, begründet.
Hinzu kommt: Wenn Mädchen ihre Periode bekommen, wird ihnen in manchen Regionen der Schulbesuch verwehrt, oder sie gehen selbst nicht mehr hin, „weil die Scham zu groß ist“, berichtet Kira Häring, Misereor-Bildungsberaterin in Südafrika. Selbst wenn sie Hygieneprodukte wie Binden oder Tampons hätten, gebe es oft keine angemessenen Toiletten für Mädchen. Oft müssten Mädchen auch auf Feldern oder in Geschäften mitarbeiten, auf Geschwister aufpassen oder würden – auch durch sexualisierte Gewalt und Missbrauch – schwanger und früh verheiratet. „Weniger als ein Drittel der schwangeren Teenager kehrt nach der Geburt in die Schule zurück“, sagt Häring.
Häring arbeitet beim Catholic Institute of Education (CIE) in Johannesburg als Fachkraft zur Stärkung der Bildungsqualität und für den Schutz vor sexualisierter Gewalt an Schulen in Südafrika. Zusammen mit afrikanischen Fachkräften gibt sie Workshops für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler und ist positiv überrascht über die Offenheit von Frauen und Mädchen. „Hier wird nichts unter den Tisch gekehrt, sondern ganz viel und offen gesprochen über sexuelle Gewalt und Missbrauch.“ Der Regierung ist das Problem bewusst, es gibt einen nationalen Aktionsplan und viele Initiativen – doch wie so oft ist die Umsetzung in der Praxis mühselig und langwierig.
Wie groß ist der Einfluss von Religion auf Bildung?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Während etwa in Deutschland 88 Prozent der Schulen staatlich sind und darauf geachtet wird, Religion und Bildung zu trennen, spielen in vielen Ländern des globalen Südens die Religion beziehungsweise die Kirchen eine große Rolle im Bildungswesen. Gerade in ländlichen Regionen Afrikas sind von Kirchen betriebene, staatlich unterstützte Schulen oft die einzigen. Im Gegensatz zu manchen staatlichen Schulen seien die Schulen kirchlicher Träger oft besser ausgestattet und die Lehrkräfte engagierter, sagt Thorsten Nilges von Misereor. Auch wenn sie ebenso mit niedrigen Löhnen zu kämpfen hätten wie die Lehrer an staatlichen Schulen.
Bildung in Konfliktgebieten wie der DR Kongo oder dem Südsudan sei sehr komplex – etwa wegen der Traumata der Kinder, der Fluchtsituation oder der akuten Armut, sagt seine Kollegin Astrid Meyer, Referentin für die DR Kongo. Dennoch seien vor allem kirchliche Träger in der DR Kongo bemüht, für Flüchtlingskinder Unterricht abzuhalten, und wenn es nur mit geringsten Mitteln unter einem Baum im Schatten sei. In der Stadt Goma, die von der Miliz M23 besetzt ist, müssen sich die Schulen mit den von der M23 eingerichteten Behörden auseinandersetzen. Generell hätten die Schulen im Kongo aber einen guten Ruf.
„Der Schulunterricht ist wertebasiert. Themen wie friedliche Konfliktbeilegung und gewaltfreie Kommunikation sind ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts“, so Meyer. In Ländern wie Uganda oder Ghana, die scharfe Anti-Homosexualitätsgesetze haben, gibt es dagegen Fälle, wo Schülerinnen oder Schüler, wenn sie (angeblich) homosexuell sind oder sich der LGBTQ-Community zugehörig fühlen, der Schule verwiesen wurden.
Im Iran hat die islamische Lehre einen enormen Einfluss auf die Lehrpläne an Schulen und Universitäten, Fachleute sprechen gar von der „Islamisierung der Schulbildung“ seit der islamischen Revolution im Jahr 1979. Religiöse Autoritäten wachen über die Lehrpläne und erlegen Lehrern und Schülern, die sich nicht daran halten, hohe Strafen auf. In Saudi-Arabien dagegen haben Schulen durch die Umsetzung der „Vision 2030“ begonnen, ihren Fokus von rein religiösen Studien auf Fächer wie Philosophie, Kunst, Sozialwissenschaften und mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer zu verlagern. Auch den Umgang mit Künstlicher Intelligenz sollen dort schon Grundschüler lernen.
Während in China Religionsgemeinschaften quasi keine Rolle im Bildungssystem spielen, ist in anderen asiatischen Ländern der Einfluss der jeweiligen Religion recht groß. Obwohl die indische Verfassung die Diversität der Religionen betont und es auch jeder Religionsgruppe erlaubt ist, Schulen zu gründen, hat die hindunationalistische BJP-Regierung in den vergangenen Jahren Schulbücher und Lehrpläne geändert und etwa geschichtliche Passagen zum Anteil der Muslime an der Entwicklung Indiens gestrichen.
Wie verändert der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Bildung und Lernen?
Künstliche Intelligenz (KI) ist noch nicht überall in Schulen und Lehrplänen angekommen. Da aber die KI nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken ist, spielt sie zunehmend auch in der Schule eine Rolle und verändert das Lernen. Dafür müssen jedoch die materiellen Voraussetzungen stimmen und eine gewisse Grundbildung erreicht sein, was gerade in armen Ländern des globalen Südens oft nicht der Fall ist. In vielen Schulen gebe es keine Computerräume, sagt Kira Häring. „Wer zwei Stunden raus aus der Stadt fährt, hat keine Verbindung zum Internet oder kann dies nicht finanzieren.“ Das habe schon während der Corona-Pandemie weltweit zu einer stärkeren Ungleichheit zwischen Schülern aus reicheren und ärmeren Familien geführt.
Dabei birgt KI das Potenzial zu mehr Bildungszugang und -gerechtigkeit, sagen manche Fachleute. Etwa, wenn Kinder im eigenen Tempo und mit für ihr Wissen maßgeschneiderten Aufgaben lernen können und dabei von einem Chatbot begleitet werden. Der aktuelle OECD-Bericht kommt zu dem Schluss, dass KI Schülern zwar helfen kann, Aufgaben zu lösen, dies führt aber nicht unbedingt dazu, dass sie etwas lernen und den Stoff verstehen. Der Einsatz von KI könne Schüler träge und desinteressiert machen.
Sobald KI-Anwendungen mit einem klaren pädagogischen Ziel eingesetzt wurden, verbesserten sich die Lernergebnisse der Kinder hingegen. Gerade unerfahrene Lehrer könnten durch KI-Tools ihren Unterricht besser machen, heißt es in der Studie. Die KI kann Lehrkräfte bei der Korrektur entlasten, so dass diese mehr Zeit für die Zuwendung zu und individuelle Begleitung von Lernenden haben. Denn: „Was wir der KI niemals überlassen sollten, ist die Beziehungsarbeit. Die geht nur von Mensch zu Mensch“, sagt die Wirtschaftsinformatikerin Doris Weßels.
Neuen Kommentar hinzufügen