Arme Länder profitieren nur wenig von ihrem Reichtum

Kritische Rohstoffe
Die globale Energiewende verschärft den Wettlauf um kritische Rohstoffe. UNCTAD liefert aktuelle Zahlen dazu und skizziert, was das für Entwicklungsländer bedeutet.

Die Nachfrage nach Rohstoffen, die für Solarpaneele, Windräder, E-Autos sowie für Smartphones, KI-Chips und andere digitale Geräte gebraucht werden, wird in den kommende fünfzehn Jahren enorm steigen. Was bedeutet das vor allem für Entwicklungsländer, wo viele dieser Rohstoffe in großen Mengen im Boden lagern? Dem geht die UN-Handelsorganisation UNCTAD in einem „Global Policy Update“ nach. 

Demnach wird sich etwa die Nachfrage nach Nickel bis zum Jahr 2040 mehr als verdoppeln und die nach Lithium sogar deutlich mehr als verdreifachen. Ein zunehmender Teil dieser Nachfrage wird auf Technologien für die Energiewende zurückgehen. Beispiel Nickel: Derzeit entfallen weniger als 20 Prozent der globalen Nachfrage nach diesem Rohstoff auf „grüne“ Technologien, in fünfzehn Jahren werden es voraussichtlich mehr als 40 Prozent sein.

Die Vorkommen vieler der begehrten Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel liegen konzentriert in wenigen Ländern. Auf Australien, Chile und China entfallen etwa 72 Prozent der globalen Lithium-, allein auf Indonesien 67 Prozent der Nickelproduktion. Erste Stufen der Verarbeitung wie die Raffinierung der Rohstoffe finden in noch weniger Ländern statt, vor allem in China. Und zu hochwertigen Produkten verarbeitet, mit denen das meiste Geld verdient wird, werden die Rohstoffe vor allem in Industrieländern. Allein auf die Europäische Union etwa entfallen gut 30 Prozent der Importe von auf Seltenen Erden basierenden Hochleistungsmagneten, die für die Herstellung von Windradturbinen und von Motoren für E-Autos gebraucht werden.

Exportsteuern und Exportverbote

Rohstoffreiche Entwicklungsländer versuchen seit einigen Jahren mehr Kapital aus ihren begehrten Bodenschätzen zu schlagen, etwa indem sie den Export besteuern oder sogar verbieten, sofern es sich um nicht verarbeitete Rohstoffe handelt. Auf diese Weise wollen sie höhere Einnahmen erzielen und die eigene Verarbeitung ankurbeln. Laut UNCTAD hat die DR Kongo etwa, die unter anderem reich an Kobalt und Kupfer ist, seit 2020 Exportsteuern für ein Dutzend Rohstoffe sowie drei Exportverbote für unverarbeitete Rohstoffe verhängt.

Gehandelt werden die Rohstoffe zunehmend über bilaterale Abkommen oder im Rahmen sogenannter Rohstoffpartnerschaften. Vor allem die Zahl der Partnerschaften zwischen reichen und ärmeren Ländern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: seit dem Jahr 2022 sind 26 hinzugekommen. Für Entwicklungsländer besteht hier die Gefahr, dass sie über den Tisch gezogen werden. UNCTAD stellt fest, dass in vielen dieser Abkommen die Rohstoffländer bloß als Lieferanten auftauchen und es keine Abmachungen über die Verarbeitung gibt.

Das Risiko besteht also, dass die ärmeren Länder auch im sich aufheizenden Rohstoffboom nicht aus ihrer traditionellen Rolle herauskommen und nur wenig, wenn überhaupt, von der Wertschöpfung profitieren. Laut UNCTAD liegt das auch daran, dass sie in der Regel einzeln in Verhandlungen treten. Helfen würde, wenn die armen Länder hier stärker zusammen auftreten und wenn der Handel mit kritischen Rohstoffen stärker auf multilateraler Ebene organisiert würde.

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