Im Brennpunkt

Wie homophob ist Afrika?

Aktivisten fordern: Der Westen soll sich raushalten
Aktivisten fordern: Der Westen soll sich raushalten

(17.02.2014) Die Debatte über den Umgang mit Homosexualität ist nicht nur in Deutschland in vollem Gange. In der internationalen Presse wird Afrika als homophober Kontinent an den Pranger gestellt. Westliche Regierungen drohen afrikanischen Staaten mit dem Entzug von Hilfsgeldern, wenn dort Anti-Schwulen-Gesetze zur Abstimmung stehen. Selbst liberalen Afrikanern und Aktivisten, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben, Trans- und Bisexuellen (LGBT) einsetzen,  geht die Einmischung des Westens zu weit. Manche halten sie sogar für kontraproduktiv.  

Die Diskussion um Homophobie verzerre das Bild von Afrika und spiele afrikanischen Demagogen in die Hände, schreibt die ugandische Journalistin Patience Akumu in der März- Ausgabe von „welt-sichten“. Zwar habe der internationale Aufschrei dazu geführt, dass Präsident Yoweri Museveni eine Vorlage stoppte, das lebenslange Haftstrafen für homosexuelle Handlungen vorsah.Ein Gesetz zur Diskriminierung von Frauen, das nur wenige Tage zuvor verabschiedet wurde, habe dagegen für weit weniger Aufsehen gesorgt. Obwohl Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen in Uganda Alltag seien.

Einen ähnlichen Reflex beobachtet Akumu in Nigeria: Seit gleichgeschlechtliche Partnerschaften dort unter Strafe stehen,  kümmere sich die besorgte Welt nur noch um die zunehmenden Übergriffe auf Homosexuelle. Vergessen seien all die anderen Probleme des Landes, von der schlechten Gesundheitsversorgung bis zur Korruption. Der Westen solle sich mit seiner einseitigen Empörung zurückhalten – und den Afrikaner überlassen, wie sie das Problem lösen, fordert Akumu.

Kein Wandel ohne die allmächtigen Kirchen

Auch der homosexuelle Prediger Jean Elie Gasana aus Ruanda hält nichts von mahnenden Worten aus Europa. „Wir sind selbstständig genug, wir müssen unseren eigenen Dialog führen“, sagt Gasana im Interview mit „welt-sichten“. Bestes Beispiel dafür ist die breite zivilgesellschaftliche Front, die sich in Ruanda gegen Anti-Homosexuellen-Gesetze formiert hat.

Gasana selbst bemüht sich vor allem um die Öffnung der mächtigen, erzkonservativen Kirchen für das Thema. Wie mühevoll das ist, hat er selbst erlebt: Jahrelang kämpfte der junge Christ dafür, als bekennender Homosexueller seinen Glauben leben zu können. Heute darf er zwar wieder vor einer Gemeinde predigen – offen über Homosexualität zu sprechen aber bleibt ein Tabu. (sdr)

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