Von Jung zu Alt

Heft 6 / 2023

Es gibt mehr ältere Menschen und die Geburtenrate sinkt – auch im globalen Süden. Warum bietet das Chancen für wirtschaftliche Entwicklung? Wie bereiten sich junge Menschen dort aufs Alter vor? Wie werden Senioren in Nairobis größtem Slum versorgt? Und warum übernehmen in Mexiko hauptsächlich Omas die Kinderbetreuung – nicht Kindergärten?
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Demografischer Wandel

Heftschwerpunkt

In vielen Ländern verbessert sich der Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung, Gesundheitsdiensten und Erwerbschancen. Das bremst die Geburtenrate und schafft eine Zeit lang eine für Wirtschaftswachstum günstige Altersstruktur. Doch eine global vernetzte Anti-Gender-Bewegung gefährdet viele Fortschritte.
Die Menschen leben länger, Frauen bekommen weniger Kinder: Der demografische Wandel in Brasilien vollzieht sich schneller als erwartet. Bereitet sich das Land ausreichend darauf vor?
So wie in anderen lateinamerikanischen Schwellenländern sind auch in Mexiko immer mehr Frauen erwerbstätig. Doch statt für eine professionelle Kinderbetreuung in Kitas und Horten zu sorgen, überlässt die Regierung das den Großeltern – und zementiert damit ein überkommenes Familienbild.
Alt werden ist nie leicht. Schon gar nicht in Kenia, wo es bisher kaum Strukturen gibt, um ältere Menschen zu versorgen. Doch auch hier gibt es immer mehr alte Menschen. Agnes Kariuki setzt sich für bessere Lebensumstände ein – und für bessere Gesetze.
Auch junge Menschen machen sich Gedanken, wie sie im Alter leben werden. Frauen und Männer aus vier Kontinenten erzählen, ob und wie sie vorsorgen.
Im Norden Malawis, nahe der Stadt Karonga, schließen sich Mädchen und ­Jungen zu sogenannten Kinderrechtsräten zusammen. Damit setzen sie in ­ihren Dörfern das Recht auf Bildung durch. Wer sich weigert, sein Kind zur Schule zu schicken, muss zahlen. Und Minderjährige, die ins Ausland verkauft wurden, werden zurückgeholt.

Welt-Blicke

Mexikos Präsident López Obrador will den Fortschritt auf die verschlafene Halbinsel Yucatán bringen – mit einer fragwürdigen Eisenbahnstrecke. Damit zerstört er einen der letzten von Indigenen bewohnten Urwälder Mexikos.
Rund vier Millionen Menschen weltweit haben keine Staatsangehörigkeit. Die Gründe sind vielfältig, die Folgen in der Regel gravierend: Die Betroffenen haben in ihrer Heimat nur schwer Zugang zu Bildung, Gesundheit und anderen Diensten. Und wenn sie anderswo um Asyl ersuchen, stoßen sie auf Unverständnis.
Seit China den Import von Plastikmüll aus Industrieländern gestoppt hat, schicken die ihren Müll nach Südostasien. Indonesien geht am schärfsten gegen diese importierte Plastikflut vor – mit gemischtem Erfolg.
Internationale humanitäre Unterstützung für den Südsudan fließt vor allem in Nothilfe. Ebenso wichtig wären aber örtlich geführte Projekte zu Ernährungssicherheit, Friedensförderung und geschlechtsspezifischer Gewalt.
Kolumbiens Regierung will den Strafvollzug humaner gestalten. Dagegen gibt es große Widerstände, obwohl Gefängnisse wie „La Modelo“ damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben.
Der somalische Journalist Abdalle Ahmed Mumin wurde wegen seiner Arbeit zweimal verhaftet. Im Interview sagt er, wie schlecht die Menschenrechtslage in Somalia ist und warum die Europäische Union ihre Zusammenarbeit mit dem Präsidenten überdenken sollte.

Standpunkte

Kleine vom Klimawandel bedrohte Länder wie die Marshallinseln müssen sich buchstäblich neu erfinden, um nicht unterzugehen. Deren Klimabeauftragte Tina Stege fordert dafür unbürokratische, langfristige Unterstützung.
Seit 1. November schiebt die pakistanische Regierung täglich Tausende afghanische Flüchtlinge ab – als Sündenböcke für die Terrorgefahr in Pakistan. Die Staatengemeinschaft darf dem nicht tatenlos zusehen.
Eigentlich wollen die UN den Hunger auf der Welt bis 2030 beseitigen. Stattdessen hat er in den letzten Jahren zugenommen. Dennoch könnten wir ihn aus der Welt schaffen, wir müssten es nur wollen, kommentiert Bernd Nilles.
Um Frieden und Gerechtigkeit weltweit voranzubringen, werden die Vereinten Nationen ebenso gebraucht wie zivilgesellschaftliche Kooperation - heute mehr denn je, kommentiert Tillmann Elliesen.

Bewegungsmelder

Vor gut einem Jahr haben die Chileninnen und Chilenen den Entwurf einer ökologischen, feministischen und inklusiven Verfassung per Volksabstimmung abgelehnt. Am 17. Dezember stimmen sie über einen neuen, deutlich weniger progressiven Entwurf ab. Laut Umfragen fällt auch er durch.
Romilly Greenhill ist neue Geschäftsführerin von Bond. Emmanuel Kileo aus Tansania leitet seit November das Evangelisch-lutherische Missionswerks in Niedersachsen und der Däne Henrik Stubkjaer ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB). Unsere Personalmeldungen im Dezember.
Paul Ssuna, Tierarzt und Direktor des Zentrums für Tierwohl an der Makerere-Universität in Kampala, Uganda, setzt sich dafür ein, dass Tierwohlrichtlinien fester Bestandteil von Entwicklungsprojekten werden.
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