Heft 9 / 2013Zum Archiv 2013
Solidarität: Was Menschen verbindet
Menschen solidarisieren sich aus ganz verschiedenen Gründen. Sie helfen sich, um gemeinsam Hindernisse zu überwinden. Sie springen Glaubens- oder Parteifreunden in fernen Ländern zur Seite. Probleme wie das entfesselte Finanzsystem rufen solidarische Bewegungen auf den Plan. Oder die geteilte Erfahrung von politischer Unterdrückung lässt Menschen zusammenstehen - etwa Südafrikaner oder Palästinenser.
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Solidarität

Heftschwerpunkt

Den Nachbarn helfen – und den Fremden
Spenden oder streiken: Solidarität hat viele verschiedene Formen. Ihre Wurzeln lassen sich in allen Religionen wiederfinden. Sie geht über Ländergrenzen hinweg. Doch was ist entscheidend dafür, zu wem ein Mensch sich solidarisch verhält?
Ein Ex-Guerillero am rechten Rand
Als studentenbewegter Linker zog Richard Lüers in den Bürgerkrieg von El Salvador. Dort schloss er sich dem „Revolutionären Volksheer“ an. Heute nimmt er täglich für ein rechtes Boulevardblatt Politiker aufs Korn.
Geld, das im Lande bleibt
An vielen Orten haben Menschen aus wirtschaftlicher Not lokale Währungen geschaffen. Sie gelten neben dem offiziellen Geld und sind ein wichtiger Ansatzpunkt im Kampf für eine solidarische Wirtschaft.
Gratwanderung zwischen den Lagern
Bedingungslose Treue oder kritische Begleitung: Diese Frage spaltet die Nicaragua-Bewegung bis heute. Journalisten hatten es schwer, objektiv über das zentralamerikanische Land und seine sandinistische Regierung zu berichten.
Handeln verbindet
Was haben deutsche Modeverkäuferinnen und Nähe­rinnen aus Bangladesch gemein? Mehr als man denkt. Beide Seiten solidari­sieren sich im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.
Vereint im Kampf um Freiheit
Viele Südafrikaner fühlen sich den Palästi­nensern eng ver­bunden. Ihre einstigen Führer Mandela und Arafat sahen ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Feind – obgleich dieser in verschiedener Gestalt auftrat. Südafrikaner vergleichen ihr früheres Apartheidregime mit dem Staat Israel und rufen zu dessen Boykott auf.
„Bevor wir predigen, müssen wir zuhören“
Wer in Kolumbien für Gerechtigkeit kämpft, lebt gefährlich. Was schützt, ist die Solidarität anderer. Der Direktor der nichtstaatlichen Organisation Podion, Jaime Díaz, erklärt, wie aus einem Ausbildungsprogramm für Demokratie und Frieden ein landesweites Netzwerk entstanden ist.

Welt-Blicke

Am Horn der verlorenen Hoffnung
Der frühere somalische Regierungschef Abdiweli Mohamed Ali Gaas ist zum Präsidenten der Region Puntland im Norden Somalias gewählt worden. Er löst den bisherigen Amtsinhaber Abdurahman Mohamed Farole ab. Dieser hatte der Piraterie ein Ende bereitet – doch seither war die Region bei Gebern in Vergessenheit geraten.
Indien Atomstrom – mit aller Macht
Indien setzt auf Kernkraft: Neue Meiler sollen die Energie­versorgung des Landes sichern, nun ist auch das umstrittene Atomkraftwerk Kudankulam im Bundesstaat Tamil Nadu in Betrieb gegangen. Kritik an diesem Kurs wird von der Regierung rabiat unterdrückt.
Schmutziges Erbe
Das Gold in El Salvadors Bergen ist heiß begehrt. Ausländische Konzerne haben beim Abbau die Umwelt vergiftet; das hat bis heute verheerende Folgen für die Anwohner. Die wehren sich nun gegen neue große Minen – bislang jedenfalls mit Erfolg.
„Die Schüler müssen eine Leidenschaft für Geschichten haben“
Die Militärjunta in Myanmar hat das Land viele Jahre lang abgeschottet. Trotzdem hat sich in Rangun eine Filmhochschule etabliert. Die Dokumentarfilmerin Lindsey Merrison bildet dort junge Leute aus.

Standpunkte

Augen zu vor der Schuld der Anderen
Große Teile der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in Deutschland sind rassistisch. So lautet die Fundamentalkritik von Antirassisten und Postkolonialisten, die sich seit einigen Jahren verstärkt zu Wort melden. Doch deren Positionen sind voller Widersprüche und führen zu einer fatalen Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden in der Welt.
Fester Glaube an Frieden im Kongo
Seit nunmehr vierzehn Jahren versuchen die Vereinten Nationen im Kongo den Frieden zu sichern – beziehungsweise erst einmal zu schaffen. Ohne Erfolg. Die Kirchen des Landes schauen dennoch unbeirrt nach vorn und investieren in die Bildung junger Leute.
Luxuriös
Von Luxusproblemen spricht man, wenn jemand sich doch bitte nicht so anstellen möge. Ein enger Verwandter des Luxusproblems ist der Luxusrassismus. Dessen Opfer wurde, wenn man ihr glaubt, jüngst in der Schweiz die US-amerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey.
Zurück zur Hirseschüssel
Der Entwicklungsminister spuckt gern große Töne, hinter denen oft gar nichts steckt. Und er hinterlässt immer wieder den Eindruck, dass ihn sein Amt nicht wirklich interessiert – beziehungsweise nur soweit, wie er es dazu nutzen kann, sich als Macher in Szene zu setzen.

Journal

Afrika bleibt regional ein Schwerpunkt
Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ hat im August seine erste gemeinsame Jahresbilanz nach der Fusion mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst vorgelegt. Nach dem Zusammenschluss stünden mehr Finanzierungs- und Förderinstrumente zur Verfügung, betont der Vorstand.
Brüssel will die Welt stabilisieren
In gut fünfzig Ländern beteiligt sich die EU an Konfliktlösung, Friedensbildung und anderen stabilisierenden Vorhaben. 300 Millionen Euro hat Brüssel dafür dieses Jahr bereitgestellt. Eine Bilanz des 2007 geschaffenen EU-Instruments für Stabilität zeigt, wo das Engagement erfolgreich ist.
Die Not für religiöse Zwecke ausgenutzt
In einem Flüchtlingslager in Jordanien haben amerikanische Christen versucht, muslimische Frauen zum Christentum zu bekehren. Die katholische Kirche hat sich von der Aktion distanziert. Sie gefährdet die christliche Minderheit in Jordanien.
Ein schwieriges Erbe nutzen
Ostdeutsche Städte können in ihren Partnerschaften mit afrikanischen Kommunen auf Kontakte vor der deutschen Wiedervereinigung zurückgreifen. Doch nicht alle dieser Verbindungen funktionieren heute noch.
Ein starkes Signal
Die Festnahme Hissène Habrés, Ex-Diktator des Tschad, ist bei Misereor mit Erleichterung aufgenommen worden. Das Hilfswerk hatte die tschadische Aktivistin Jacqueline Moudeina in ihrem Kampf unterstützt, Habré vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft zu ziehen.
Fairer Handel im Aufwind
Der Absatz fair gehandelter Produkten stieg laut Forum Fairer Handel 2012 um 36 Prozent auf 650 Millionen Euro. Den größten Anteil machten mit 76 Prozent Lebensmittel aus – die Hälfte davon aus kontrolliert biologischem Anbau. Kaffee ist besonders beliebt.
Frieden will gelernt sein
Eine neue Webseite bietet Unterrichtsstoff für Friedensbildung in Schulen. Die Seite wird von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden getragen.
Gesundheitsprogramm des ÖRK vor dem Aus
Der Ökumenische Rat der Kirchen will seine Gesundheitsarbeit an das Hilfebündnis ACT Alliance auslagern. Kritiker monieren, kirchliche Gesundheitsarbeit sei mehr als nur medizinische Hilfsprojekte.
Hilfe für den Mittelstand in Myanmar
Mehr als 25 Staaten leisten der reformorientierten Regierung von Myanmar bereits Entwicklungshilfe. Deutschland will nicht abseits stehen und setzt in der Zusammenarbeit auf die Wirtschaftsförderung.
Kein Fußball auf Kosten der Armen
Die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien bedroht die Lebensgrundlage vieler Brasilianerinnen und Brasilianer im Umkreis der Stadien. Das Schweizerische Hilfswerk Solidar Suisse setzt sich deshalb bei der Fifa für eine faire WM für alle ein.
Kleiner Umzug schlägt hohe Wellen
Wahrscheinlich hätte es kaum jemand wahrgenommen. Doch das BMZ macht eine große Sache daraus: Der Umzug von Venro nach Berlin. Es ist eben Wahlkampfzeit.
Kohlekraft für die Ärmsten
Die Weltbank will in den ärmsten Ländern weiterhin Kohlekraftwerke finanzieren. Richtig so, heißt es in einem Papier des Center for Global Development in Washington.
Lady Ashtons Testament
Sie sei stolz darauf, was bisher erreicht worden sei, aber „es war hart“, bekannte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, als sie die ersten zwei Jahre des „Europäischen Dienstes für auswärtiges Handeln“ bilanzierte.
Letzte Rettungsleine gekappt
Weil Großbanken gegen Geldwäsche vorgehen, müssen in England viele Geldtransferfirmen ihre Dienste einstellen. Das gefährdet die Ernährungssicherung im armen Somalia. Zu mehr Transparenz im Bankengeschäft führt es kaum.
Pakistanische Flüchtlinge abgeschoben
Österreich hat Ende Juli acht pakistanische Flüchtlinge in ihre Heimat abgeschoben. Ihr Asylgesuch war abgelehnt worden. Die Männer gehörten zu einer Gruppe, die seit März im Kirchenasyl im Wiener Servitenkloster von der Caritas betreut wird.
Ruhiggestellt und ausgeflogen
Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter kritisiert den Einsatz von Beruhigungsmitteln bei der Abschiebung von Asylsuchenden. 2012 seien bei mehreren Sonderflügen solche Medikamente eingesetzt worden – gegen den Willen der Betroffenen.
Wiener Selbsthilfe
Österreichs bilaterale Entwicklungshilfe bleibt größtenteils im Lande. Rund 60 Prozent gehen an österreichisches Personal, an einheimische Unternehmen oder Auftragnehmer, zeigt eine Studie der Universität Neuchâtel in der Schweiz.
„Die Aufrüstungsstrategie beenden“
Sollte die SPD nach der Bundestagswahl am 22. September in die Regierung kommen, will die Präsidentin von „Brot für die Welt“ das Entwicklungsressort übernehmen. Als erstes würde sie sich für eine Beschränkung von Rüstungsexporten einsetzen, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel im Gespräch mit „welt-sichten“.
„Stopp den Kreislauf von Armut und Behinderung“
Mit einer neuen Unterschriftenkampagne will die Christoffel-Blindenmission die Bundesregierung auffordern, Menschen mit Behinderung stärker in die Entwicklungspolitik einzubeziehen.